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Russland-Affäre weitet sich immer mehr aus

Donald Trump kann dem langen Schatten der Russland-Affäre nicht entkommen. Nach Justizminister Jeff Sessions geraten weitere Getreue wegen Kontakten zu Moskau während des Wahlkampfs ins Visier.

Gut bekannt mit Trump-Getreuen: Botschafter Sergei Kisljak.
Gut bekannt mit Trump-Getreuen: Botschafter Sergei Kisljak.
Wikipedia

Wenn Jared Kushner aus dem Fenster seines Hauses im vornehmen Stadtteil Kaloroma blickt, sieht der Schwiegersohn des Präsidenten ein Gebäude der russischen Botschaft. Die Villa an der Ecke zu der Strasse, in der die Obamas leben, dient dem ­Vernehmen nach als Wohnraum für russische Offiziere. Kushner dürfte die Aussicht noch an etwas anderes erinnern: seine Kontakte zum russischen US-Botschafter Sergei Iwanowitsch Kisljak.

Diese kamen im Gefolge der Enthüllungen um Trumps Justizminister Jeff Sessions ans Licht, der dem Kongress zwei Begegnungen mit Wladimir Putins Mann in Washington verschwiegen hatte. Die Demokraten halten Sessions eine glatte Lüge unter Eid vor und verlangen seinen Rücktritt. Der ertappte Minister behauptet bei einer denkwürdigen Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag einen «ehrlichen Fehler».

Dieser wiegt so oder so schwer genug, den Minister zu bewegen, von der Aufsicht über die Ermittlungen in der Russland-Affäre zurückzutreten. «Er hatte keine Wahl», kommentiert die «New York Times» den Teilrückzug Sessions wegen seiner verschwiegenen Kontakte zu Kisljak.

«Nur Nichtigkeiten»

Als ersten Trump-Getreuen hatte Michael Flynn der vertrauliche Austausch mit dem Emissär des Kreml den Job als nationaler Sicherheitsberater gekostet.

An demselben Tag, an dem Barack Obama 35 russische Spione wegen der russischen Einflussnahme auf die Wahlen in den USA auswies, verhandelte Flynn im New Yorker Trump-Tower mit dem Botschafter über das Ende der Sanktionen gegen Russland.

Nun bestätigt das Weisse Haus, das Trumps Schwiegersohn und Berater Kushner bei dem Gespräch zugegen war. Das Treffen habe «nur» zwanzig Minuten gedauert, erklärt Sprecherin Hope Hicks der «New York Times». Die Männer hätten die Beziehungen nur «sehr allgemein erörtert».

Sessions kann sich seinerseits zwar noch sehr genau daran er­innern, über einen Kirchenausflug nach Russland gesprochen zu haben, sonst fällt ihm aber nicht ein, worum es bei seinen Begegnungen mit Kisljak ging.

Die «USA Today» fand heraus, dass sich der Botschafter auch mit zwei anderen Trump-Getreuen austauschte: dem Geschäftsmann Carter Page, der lange in Moskau lebte, und J. D. Gordon, einem früheren Befehlshaber der Navy. Die beiden trafen Kisljak am Rande des Krönungsparteitags der Republikaner in Cleveland im Juli. Auch bei diesen Begegnungen sei es angeblich nur um Nichtigkeiten gegangen.

Für Trump wird die Russland-Affäre zunehmend gefährlich, weil er die Lecks in der Regierung nicht stopfen kann. Mitarbeiter des Amtsvorgängers Barack Obama haben belastendes Material weit in der Bürokratie gestreut.

Zweifel bei den Republikanern

Mit den jüngsten Enthüllungen um Kushners Treffen mit Kisljak erreichen die insgesamt zwanzigmal offiziell bestrittenen Kontakte zu den Russen die Familie des Präsidenten. Kann es bloss ein Zufall sein, dass so viele wichtige Gefolgsleute einfach «nur so» mit Putins Botschafter sprechen wollten? In Washington glauben das immer weniger Beobachter.

Sogar die Republikaner im Kongress selbst beschleichen Zweifel. Der Druck nimmt zu, umfassend aufzuklären, ob es eine Zusammenarbeit zwischen dem Wahlkampfteam Trumps mit den Russen gab. Sollte sich der Verdacht des Landesverrats bestätigen, wird es nicht nur für Kushner, Sessions und Co. eng. Der Präsident selber ginge dann schweren Zeiten entgegen.

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