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Paketbombem: Eine Gefahr für die Schweiz?

Die Schweizer Flughäfen reagieren mit unterschiedlichen Massnahmen auf die vereitelten Anschläge. Ein Terrorexperte äussert sich zum Gefahrenpotenzial, das der Schweiz droht.

Im Visier der Terroristen: Die weltweit tätigen Kurierdienste Fedex und UPS.
Im Visier der Terroristen: Die weltweit tätigen Kurierdienste Fedex und UPS.
Keystone
Auch die Luftracht der Passagierflugzeuge im Visier: Eine Paketbombe wurde in einer Maschine der Qatar Airways transportiert.
Auch die Luftracht der Passagierflugzeuge im Visier: Eine Paketbombe wurde in einer Maschine der Qatar Airways transportiert.
Keystone
Der Terroralarm wird zum Wahlkampfthema: Die demokratische US-Senatorin Dianne Feinstein (links) und die Kandidatin für einen Senatorenplatz Barbara Boxer (rechts) nehmen Stellung zum Sprengstofffund.
Der Terroralarm wird zum Wahlkampfthema: Die demokratische US-Senatorin Dianne Feinstein (links) und die Kandidatin für einen Senatorenplatz Barbara Boxer (rechts) nehmen Stellung zum Sprengstofffund.
Keystone
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Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) beschloss am Sonntag, «alle Fracht aus dem Jemen auf den Schweizer Flughäfen vor einem Weiterflug nochmals zu kontrollieren». Zuständig für diese Kontrollen ist die Bodenabfertigung der Flughäfen.

Bazl-Sprecher Daniel Göring sagte der Nachrichtenagentur SDA auf Anfrage weiter: «Die Schweiz verfügt über ein umfassendes Sicherheitsdispositiv.» Wie immer, wenn es zu solchen Vorfällen komme, werde die Situation analysiert und geprüft, ob zusätzliche Massnahmen nötig seien.

Für Terror-Experte Rolf Tophoven zeigt sich zurzeit eine neue Art der terroristischen Bedrohung: «Es kann durchaus sein, dass solche Paketbomben nun die neue Art des Handelns ist», sagt er im Gespräch mit dem «Sonntag», «möglicherweise kommt die al-Qaida jetzt vom Selbstmordterrorismus ab». Für Tophoven ist «die Gefahr für einen Anschlag in der Schweiz minimal.» Viel mehr seien es Länder wie die USA, Grossbritannien oder Israel, die Im Fadenkreuz der Terroristen stünden, so Tophoven.

Zürich: Keine Auswirkungen auf das Sicherheitsdispositiv

Beim Flughafen Zürich heisst es auf Anfrage des «Sonntags», der Bombenalarm in den USA habe vorläufig keine Auswirkungen auf das Sicherheitsdispositiv. Man habe einen hohen Sicherheitsstandard und es würden 100 Prozent des Gepäcks geröntgt.

Mittlerweile wurde bekannt, dass die in Dubai gefundene Paketbombe zwischenzeitlich an Bord von zwei Passagierflugzeugen transportiert worden. Ein Sprecher der Fluggesellschaft Qatar Airways erklärte am Sonntag, das Paket sei zunächst von der jemenitischen Hauptstadt Sanaa nach Doha in Katar geflogen worden. Von dort sei es weiter nach Dubai gebracht worden, wo es von den Behörden sichergestellt wurde.

Luftfracht als Schwachstelle

Experten haben bereits seit Jahren auf enorme Sicherheitsmängel bei der Frachtabfertigung an den Flughäfen hingewiesen. Besonders Frachtpakete, die von Passagiermaschinen befördert werden, würden oft nur wenig oder gar nicht überprüft. Die Gefahren seien seit Jahren bekannt, durch die vereitelten Terroranschläge seien sie nur wieder offengelegt worden, hiess es. Eine besondere Schwachstelle sei, dass Fluggesellschaften, die regelmässig mit Frachtgesellschaften arbeiteten, auch Pakete befördern dürften, die als sicher deklariert, aber keinen weiteren Untersuchungen unterzogen würden.

Das US-Frachtunternehmen UPS stoppte mit sofortiger Wirkung die Beförderung aller Sendungen aus dem Jemen. Auch Grossbritannien setzte die Beförderung unbegleiteter Luftfracht aus dem Jemen auf unbestimmte Zeit aus.

Paketbombe in Deutschland umgeladen

Der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater der USA, John Brennan, erklärte, möglicherweise gebe es weitere Paketbomben wie die in Dubai und London gefundenen. Der deutsche Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bestätigte, dass eines der von Terroristen im Jemen aufgegeben Sprengstoffpäckchen für die USA in Deutschland umgeladen wurde.

Die deutschen Sicherheitsbehörden seien von einem befreundeten Geheimdienst in der Nacht zum Freitag informiert worden, hätten das Paket aber nicht mehr stoppen können, sagte der CDU-Politiker am Sonntag in Dresden. «Wir nehmen den Vorgang ernst, auch wenn Deutschland wohl nicht Anschlagsziel war», fügte er hinzu.

«Sie sind eine gefährliche Gruppe»

Sicherheitsberater Brennan erklärte, der vereitelte Anschlagsplan deute auf den Al-Qaida-Ableger im Jemen. «Sie sind eine gefährliche Gruppe. Sie sind eine entschlossene Gruppe», sagte Brennan dem Sender NBC. «Sie werden versuchen, Schwachstellen im System zu finden.» Zudem wäre es unklug, davon auszugehen, dass es keine weiteren Paketbomben gebe.

Als Konsequenz aus dem Fund will Deutschland keine Fracht aus dem Jemen mehr ins Land lassen. Das Luftfahrtbundesamt hat alle Luftfahrtunternehmen, Expressdienstleister und andere Firmen angewiesen, lagernde und ankommende Fracht aus dem arabischen Land bis auf weiteres streng zu kontrollieren.

Möglicher Bombenbauer identifiziert

Hinter den Paketbomben wird die gleiche Gruppe von Terroristen vermutet, die auch schon im vergangenen Jahr an Weihnachten einen Anschlag auf ein Flugzeug in den USA versuchte. Auch dabei wurde der Industriesprengstoff PETN verwendet, der jetzt in den beiden Paketen entdeckt wurde, die am Freitag in London und Dubai sichergestellt wurden. Aus US-Regierungskreisen verlautete, in beiden Fällen gelte Ibrahim Hassan al-Asiri als möglicher Bombenbauer.

Die jemenitischen Sicherheitsbehörden nahmen inzwischen eine Frau fest, die in Verdacht steht, die beiden Paketbomben aufgegeben zu haben. Die 22-Jährige studiert Informatik in Sanaa, von Kontakten zu extremistischen Gruppen ist nichts bekannt. Auch ihre Mutter wurde festgenommen, nach weiteren Verdächtigen, die Verbindungen zur Terrorgruppe Al-Kaida haben sollen, wurde gefahndet. Hinweise dazu seien aus den USA und den Vereinigten Arabischen Emirate gekommen, erklärte der jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh. In Sanaa wurden 24 weitere verdächtige Pakete entdeckt. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, wurden Frachtarbeiter auf dem Flughafen sowie Mitarbeiter örtlicher Frachtfirmen befragt.

Bomben hätten Maschinen zum Absturz bringen können

Der britische Premierminister David Cameron erklärte, er glaube, dass die Bombe, die in England gefunden wurde, an Bord des Flugzeugs explodieren sollte. Wie Innenministerin Theresa May sagte, wäre sie auch stark genug gewesen, die Maschine zum Absturz zu bringen. Das gleiche gilt nach US-Angaben für die Bombe, die in Dubai sichergestellt wurde.

Unklar war aber noch, ob die mit Handys, Zeitzündern und Batterien verdrahteten Bomben auch tatsächlich in den Flugzeugen hätten ferngezündet werden können, wenn diese in der Luft sind. Aber allein die Tatsache, dass sie an Bord der Flugzeuge gelangten, ist Anlass zu grosser Sorge. Zeigt es doch vor allem, dass Terroristen nach immer neuen Wegen für Anschläge suchen.

Experten warnen vor Sicherheitsmängeln

Der entscheidende Tipp für den Sprengstofffund kam aus saudiarabischen Geheimdienstkreisen, wie aus Regierungskreisen in Washington verlautete. Sicherheitsberater Brennan dankte in einer offiziellen Erklärung Saudiarabien sowie Grossbritannien und den Vereinigten Arabischen Emiraten für die geleistete Hilfe bei der Bewältigung der Gefahr.

dapd/mrs/jak

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