Zum Hauptinhalt springen

Obama mobilisierte Gegner der Homo-Ehe

Ausgerechnet im gesellschaftlich-liberalen Kalifornien spricht sich eine Mehrheit gegen die Homo-Ehe aus. Ein Widerspruch nur auf den ersten Blick.

Widerstand: Schwule und Lesben in Kalifornien wollen das Volksverdikt gegen die Homo-Ehe nicht hinnehmen.
Widerstand: Schwule und Lesben in Kalifornien wollen das Volksverdikt gegen die Homo-Ehe nicht hinnehmen.
Keystone
Stopp: Die Polizei hindert Demonstranten vor Übergriffen auf eine Mormonenkirche.
Stopp: Die Polizei hindert Demonstranten vor Übergriffen auf eine Mormonenkirche.
Keystone
Konfrontation: An der Demo ging es nicht nur friedlich zu und her.
Konfrontation: An der Demo ging es nicht nur friedlich zu und her.
Keystone
1 / 7

Das Volksverdikt ist ein Schock für die rund 17'000 homosexuellen Paare in Kalifornien, die sich seit Juni das Jawort gegeben haben. Damals hatte das Oberste Gericht des grossen Westküstenstaats gleichgeschlechtliche Ehen für legal erklärt. Jetzt, mit dem Urnenentscheid vom Dienstag, soll mit der Heirat von homosexuellen Paaren wieder Schluss sein.

Wer diesen Volksentscheid nicht so erwartet hatte, der machte die Rechnung ohne die beiden grossen Minderheiten, den Schwarzen und den Latinos. Die ausgesprochen hohe Stimmbeteiligung vom letzten Dienstag ist auf die überdurchschnittliche Mobilisierung dieser beiden Gruppen zurückzuführen.

70 Prozent der Schwarzen gegen Homo-Ehe

Bei den Latinos und den Schwarzen weckte die Kampagne von Barack Obama die Hoffnung auf grössere Berücksichtigung von Minderheiten. Menschen, die sonst nicht an die Versprechen von Politikern glauben, gingen an die Urne. Genau diese aber spielten das Zünglein an der Waage, bei der Abstimmung über die Homo-Ehe. Wie Nachwahlbefragungen ergaben, stimmten 70 Prozent der Schwarzen für das Verbot der Homo-Ehe, bei den Latinos waren es 53 Prozent.

Obama selber gilt zwar nicht als Verfechter der gleichgeschlechtlichen Ehe, er lehnte aber Diskriminierung und Verbote stets ab.

Selbst Konservative in Kalifornien wurden überrascht vom Volksentscheid. «Um ehrlich zu sein, wir hatten Angst, dass eine grosse Mehrheit für Obama bei der Präsidentschaftswahl gleichzeitig auch ein Ja für die Homo-Ehe bedeuten würde. Jetzt mussten wir aber feststellen, dass viele schwarze Amerikaner sehr konservativ sind», sagte ein Priester in San Jose der Zeitung «The Mercury News».

Kampf der Minderheiten

Ein gesellschaftlich-liberaler Priester, der in der letzten Messe vor der Abstimmung um eine offene Haltung gegenüber Schwulen und Lesben geworben hatte, brachte das Urnenergebnis auf den Punkt: «Viele Schwarze dachten wohl, ihre Minderheit sei über Jahrhunderte unterdrückt worden, wieso sollen sie jetzt andere Minderheiten unterstützen», so Pastor Amos Brown gegenüber der «The Mercury News».

Geschlagen geben sich die Homosexuellen nach dem Volksentscheid aber nicht. Befürworter der Homo-Ehe haben unmittelbar nach dem abgehaltenen Referendum in Kalifornien Klage eingereicht. Am Mittwoch beantragten Homosexuellenverbände, die Bürgerrechtsbewegung ACLU und die Städte San Francisco und Los Angeles beim Obersten Gerichtshof des Westküstenstaates, dass das Wahlreferendum «Proposition 8» für ungültig erklärt werde.

Nicht nur Kalifornien

Übrigens: Homosexuellen-Aktivisten mussten auch andernorts Niederlagen einstecken: Verbote gleichgeschlechtlicher Ehen wurden in Arizona und Florida gebilligt, und in Arkansas dürfen unverheiratete Paare künftig keine Kinder adoptieren oder in Pflege nehmen. Das Gesetz zielte ausdrücklich auf Schwule und Lesben.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch