Obama schickt Elite-Kämpfer nach Syrien

50 Elitesoldaten sollen die örtlichen Bodentruppen in Syrien unterstützen. Die Spezialkräfte werden die Rebellen im Kampf gegen den IS beraten.

Kampf gegen den IS: US-Präsident Obama sendet Elitesoldaten nach Syrien.

Kampf gegen den IS: US-Präsident Obama sendet Elitesoldaten nach Syrien. Bild: Olivier Douliery/Keystone

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Die USA ändern ihren bisherigen Kurs im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Eine kleine Zahl bewaffneter Spezialeinheiten werde in den kommenden Tagen in den Norden Syriens verlegt.

Das sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur dpa. Dabei gehe es um weniger als 50 Soldaten. Sie sollten in dem Bürgerkriegsland Angriffe syrischer und kurdischer Kämpfer gegen die IS-Miliz koordinieren.

Kampfflugzeuge an türkischem Stützpunkt

Präsident Barack Obama ordnete demnach ausserdem eine Verlegung einer nicht genannten Zahl von Kampfflugzeugen des Typs A-10 und F-15 an den türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik an.

Neben Russland nahm auch der zweite wichtigste Assad-Verbündete, der Iran, an den Gesprächen in Wien teil. Die USA hatten einer Teilnahme Teherans erstmals zugestimmt. Insgesamt 17 Länder sowie UNO und EU waren an dem Treffen beteiligt, darunter die USA, Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, China, die Türkei, Saudiarabien, Katar, der Libanon, Ägypten, Jordanien und der Irak. Es galt als grosser Fortschritt, dass Vertreter dieser zum Teil verfeindeten Länder an einem Tisch zusammensassen. Die syrischen Konfliktparteien waren nicht vertreten.

Nach achtstündigen Verhandlungen gingen die Gespräche am Abend zu Ende. Der französische Aussenminister Laurent Fabius kündigte ein weiteres Treffen «in derselben Zusammensetzung in zwei Wochen» an. «Es gibt Differenzen, aber wir sind ausreichend vorangekommen», um ein Folgetreffen einzuberufen, sagte er.

Weitere Runde innerhalb zwei Wochen

«Wir alle glauben, dass viereinhalb Jahre des Kriegs viel zu lange gewesen sind», sagte US-Aussenminister John Kerry zu Reportern. Sein russischer Kollege Sergej Lawrow erklärte bei einer Pressekonferenz, er habe nicht gesagt, dass Assad gehen müsse, oder dass er bleiben müsse.

Kerry sagte, der von den UN geführte Friedensprozess für Syrien sollte zu einer neuen Verfassung für das Land, international beaufsichtigten Wahlen und einem Ende der Gewalt zwischen dem Militär von Assad und Rebellen führen. Ein konkreter Zeitplan für den neuen diplomatischen Prozess wurde nicht genannt. Unklar blieb auch, wann Vertreter der syrischen Regierung und der Opposition eingebunden werden könnten. Kerry und Lawrow sagten, eine weitere Runde von Syrien-Gesprächen werde innerhalb von zwei Wochen stattfinden.

Kurswechsel

US-Verteidigungsminister Ashton Carter hatte in den vergangenen Tagen bereits einen Kurswechsel angedeutet. Mit verstärkten Luftangriffen wollen die USA eine Militäroffensive syrischer Rebellen und kurdischer Gruppen gegen die von der IS-Miliz besetzte Stadt Rakka unterstützen.

Auch eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt Ramadi in der irakischen Provinz Al-Anbar ist geplant. Die Errichtung einer Flugverbotszone oder einer Pufferzone zum Schutz von Zivilisten scheint dagegen weiterhin ausgeschlossen. Für diese hatte sich etwa Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton ausgesprochen.

Ziel unverändert

Am Ziel, die IS-Miliz letztlich zu zerstören, habe sich nichts geändert, sagte der hochrangige US-Regierungsvertreter am Freitag. «Wir haben immer klargestellt, dass dies ein Kampf über mehrere Jahre sein wird, und das ist weiterhin der Fall.»

Die Extremisten könnten nicht allein militärisch besiegt werden. Gemeinsam mit 65 Partnerländern müsse weiterhin daran gearbeitet werden, die Einreise ausländischer IS-Kämpfer nach Syrien zu stoppen, die Geldquellen der IS-Miliz auszutrocknen, von den Extremisten befreite Gemeinden zu stabilisieren und die Kommunikationswege der Terrormiliz offenzulegen.

Schon die Befreiungsaktion einer US-Spezialeinheit im Nordirak hatte vergangene Woche Fragen aufgeworfen, ob Washington auch US-Soldaten einer zunehmenden Gefahr aussetze.

Bei dem Einsatz zur Befreiung von rund 70 kurdischen Geiseln war der 39-jährige Stabsfeldwebel Joshua Wheeler in einem Feuergefecht verletzt worden und anschliessend gestorben. Er ist der erste durch eine direkte Kampfhandlung getötete US-Soldat im vor rund 14 Monaten begonnenen Krieg gegen die IS-Miliz im Irak und in Syrien.

Konferenz unterbrach Blutvergiessen nicht

Die Wiener Konferenz unterbrach nicht das Blutvergiessen im Bürgerkriegsland. Bei einem Raketenbeschuss der Regierungstruppen auf den Damaszener Vorort Duma kamen nach Angaben der syrischen Opposition mehr als 40 Menschen ums Leben.

Die Zahl der Toten in viereinhalb Jahren Bürgerkrieg hat längst die Marke von 250000 überschritten. Mehr als elf Millionen Menschen wurden vertrieben; ein grosser Teil sucht Schutz im Ausland und nimmt dafür lebensgefährliche Fluchtrouten nach Europa in Kauf.

(bee/AFP/SDA)

Erstellt: 30.10.2015, 21:46 Uhr

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