NSA spioniert «Angry-Birds»-Nutzer aus

Auf der Jagd nach Informationen fischen Geheimdienste offenbar auch Smartphone-Apps ab. Das geht aus weiteren Geheimdokumenten von Edward Snowden hervor.

NSA & Co. schöpfen beliebte Apps ab: «Angry Bird». (Archivbild)

NSA & Co. schöpfen beliebte Apps ab: «Angry Bird». (Archivbild)

(Bild: AFP)

Über beliebte Smartphone-Apps schöpfen Geheimdienste in den USA und Grossbritannien offenbar gezielt persönliche Nutzerdaten ab. Das geht aus Dokumenten des NSA-Enthüllers Edward Snowden hervor, aus denen die «New York Times», der «Guardian» und «ProPublica» am Montag zitierten. Im Visier von US-Analysten von der NSA und deren Kollegen beim britischen GCHQ sind demnach vor allem die Spiele-App «Angry Bird» und der Kartendienst Google Maps.

Mit Leichtigkeit könnten die Geheimdienste nicht nur Daten über den Aufenthaltsort, sondern auch über die politische Gesinnung oder die sexuelle Orientierung der Nutzer sammeln. Das Späh-Programm bedeute, dass «praktisch jeder, der Google Maps auf einem Smartphone nutzt, das GCHQ-System unterstützt», lautete ein Zitat aus einem internen Dokument aus dem Jahr 2008.

Ein anderes, streng geheimes Papier legte nahe, dass das Abschöpfen von Smartphone-Daten ohne grossen Aufwand möglich ist: Es zeigte eine von Hand angefertigte Zeichnung einer schmunzelnden Elfe, die einen Papierhaufen auf einen Tisch mit der Aufschrift «LASS DEN VERKEHR HIER» zaubert.

Infos von «Angry-Birds»-Nutzern

Das Spiel «Angry Birds», bei dem sich Vögel und Schweine bekämpfen, wurde weltweit mehr als 1,7 Milliarden Mal heruntergeladen. Es wurde von den Autoren der «New York Times» und des Nachrichtenportals «ProPublica» als Paradebeispiel für die Fähigkeiten der Analysten angeführt, ein scheinbar harmloses Software-Tool in ein Spionageinstrument zu verwandeln. Ein britischer Geheimdienstbericht von 2012 zeige etwa, wie aus Smartphones mit Android-Betriebssystem Informationen von «Angry Bird»-Nutzern abgeschöpft werden könne.

Ein anderes veröffentlichtes Dokument nimmt auf eine 14-seitige NSA-Slideshow Bezug, die eine Reihe weiterer mobiler Apps auflistet, die Geheimdienste offenbar für Datenspionage nutzen: Anwendungen des sozialen Online-Netzwerks Facebook, des Fotodiensts Flickr, und der Filmbörse Flixster.

Die NSA ging in einer Reaktion nicht direkt auf die Berichte ein. Die Kommunikation jener Nutzer, bei denen es sich nicht um ausländische Spionageziele handele, sei für den Geheimdienst nicht von Interesse, hiess es in einer Stellungnahme. So gebe es lediglich Datensammlungen, zu denen die NSA per Gesetz befugt sei – egal, welche technischen Mittel von den Zielpersonen genutzt würden. GCHQ betonte nur, alle Aktivitäten seien «autorisiert, nötig und verhältnismässig».

Etappensieg für Internet-Branche

Im Ringen um mehr Transparenz im Umgang mit Nutzerdaten erzielten Internet- und Technologiefirmen wie Google, Yahoo, Facebook und Microsoft derweil eine Einigung mit dem Justizministerium. Sie dürfen künftig Details zu Anfragen der NSA offenlegen, gab die Behörde bekannt. Damit können sie öffentlich machen, wie oft sie bei Ermittlungen zur nationalen Sicherheit angewiesen wurden, Daten über ihre Kunden an die Regierung weiterzugeben.

Die Unternehmen hatten angesichts von Kundenbedenken auf die Freigabe der Daten gedrungen. Die Regierung hatte sie mit der Begründung abgelehnt, dass das Ermittlungen zur nationalen Sicherheit gefährden könnte. Der jetzige Kompromiss sieht sehr generell gehaltene Berichte über NSA-Anfragen vor, die auch erst sechs Monate nach der Anordnung veröffentlicht werden dürfen.

chk/sda

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