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Nachrichten aus dem Herzen des Terrors

Im Kampf gegen den Terrorismus werden bei al-Qaida eingeschleuste Informanten immer wichtiger. Der Paketbombenanschlag aus dem Jemen konnte so verhindert werden. Manche Doppelagenten bezahlen den Verrat aber mit dem Tod.

Die Infiltrierung der Terrorgruppe habe das Vertrauen der Kämpfer untereinander erschüttert: Ein Mitglied der Jaysh al-Ummah in einem Trainingscamp (Archiv).
Die Infiltrierung der Terrorgruppe habe das Vertrauen der Kämpfer untereinander erschüttert: Ein Mitglied der Jaysh al-Ummah in einem Trainingscamp (Archiv).
Reuters

Wenige Monate, nachdem er aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo freigelassen worden war, kehrte Abdul Rahman ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet zurück. Als Doppelagent berichtete er dem pakistanischen Geheimdienst von nun an aus dem Innenleben der Taliban und des Terrornetzwerks al-Qaida. Die Pakistaner gaben die Informationen dann an die westlichen Geheimdienste weiter.

Doch der Verrat kostete Rahman das Leben. Die Taliban seien misstrauisch geworden, hätten ihn verhört und schliesslich getötet, sagte Mahmood Shah, ein ehemaliger Offizier des pakistanischen Militärgeheimdienstes.

Informanten werden im Kampf gegen Terrorismus immer wichtiger

Der tragische Fall lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Taktik, die im Krieg gegen den Terror immer wichtiger wird: Westliche Geheimdienste und ihre Verbündeten aus der islamischen Welt versuchen, die Taliban und al-Qaida zu unterwandern. Obwohl Informanten immer wieder entdeckt und getötet werden, scheint das Programm Früchte zu tragen.

So seien die in Druckerpatronen versteckten Bomben Ende Oktober aufgrund des Hinweises eines Informanten entdeckt worden, hiess es aus jemenitischen Sicherheitskreisen.

Agenten in Terrornetzwerke einschleusen

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 versuchen Geheimdienste wie die amerikanische CIA und der britische MI6 verstärkt, ihre Agenten in die Terrornetzwerke einzuschleusen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen geht die Taktik auf: Aufgrund von Warnungen verdeckter Ermittler sei es bereits mehrmals gelungen, geplante Anschläge zu vereiteln.

Durch gezielte Drohnenangriffe im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan habe man die al-Qaida in den vergangenen Jahren schwächen können, teilten Vertreter amerikanischer, europäischer und pakistanischer Geheimdienste mit. Durch die Infiltrierung der Terrorgruppen sei es zudem gelungen, das Vertrauen der Kämpfer untereinander zu erschüttern.

Britischer Geheimdienst infiltriert militante Gruppen

In einer Rede Ende Oktober erklärte der Leiter des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, John Sawers, erstmals, dass seine Agenten in terroristische Organisationen eingedrungen seien.

Die Sicherheitsvorkehrungen von al-Qaida seien nicht mehr so strikt, sagte der Londoner Sicherheits- und Terrorismusexperte Noman Benotman. «Es ist heute viel einfacher, diese Gruppen zu infiltrieren.» Benotman verstand sich früher selbst als Gotteskrieger und unterhielt Verbindungen zur al-Qaida in Afghanistan, Pakistan und dem Sudan.

Der saudiarabische Geheimdienst habe mit der Einschleusung ehemaliger Guantanamo-Häftlinge Erfolge verbucht, sagte Benotman. Die Haft in dem Internierungslager auf Kuba mache sie in Terrorkreisen besonders vertrauenswürdig.

Saudiarabien betreibt ein Wiedereingliederungsprogramm für ehemalige Terroristen, das 120 der rund 800 bereits aus Guantanamo freigelassenen Ex-Häftlinge durchlaufen haben. Während zwei Dutzend von ihnen erneut zu den Waffen gegriffen hätten, arbeiteten einige nun als Spione für Saudiarabien, verlautete aus europäischen Regierungskreisen.

Tipp zu Briefbomben stammte von Informanten

Auch der Informant, der den entscheidenden Tipp zur Entdeckung der Briefbomben Ende Oktober lieferte, hat nach Angaben jemenitischer Behörden das Wiedereingliederungsprogramm durchlaufen.

Seitdem Al-Kaida zwischen 2003 und 2006 ihre Aktivitäten auf der arabischen Halbinsel intensivierte, versucht der saudiarabische Geheimdienst die Terrorgruppen in der Region zu unterwandern.

Saudiarabien habe als eines der wenigen Länder Geheimdienstkontakte zum Jemen, sagte Maadschid Nauis, ein ehemaliges Mitglied einer militanten Gruppe in Ägypten und Mitgründer einer Expertengemeinschaft, die sich gegen Extremismus stark macht. Pro Jahr investiere das Land rund 300 Millionen Pfund (knapp 350 Millionen Euro) in dieses Sicherheitsnetzwerk. Es sei den Saudiarabern auch gelungen, einige Stämme im Jemen zu infiltrieren, sagte er.

Zahlreiche Doppelagenten in Pakistan enttarnt

Omar Aschur von der Universität Exeter hat das saudiarabische Wiedereingliederungsprogramm untersucht und herausgefunden, dass viele Teilnehmer noch immer über enge Beziehungen zu militanten Gruppen verfügten. Meist seien sie in der Lage, das durch die Teilnahme an dem Programm verlorene Vertrauen schnell wiederzugewinnen.

Während die Geheimdienste in Saudiarabien erfolgreich Informanten in Terrorgruppen einschleusen, geht diese Taktik in Pakistan nur selten auf. In den letzten sieben Jahren seien dort über 50 Informanten enttarnt und getötet worden, hiess es aus pakistanischen Sicherheitskreisen. Wegen der heftigen Kämpfe im Grenzgebiet zu Afghanistan seien die Aufständischen besonders misstrauisch. Die Menschen dort vertrauten niemandem, sagte der ehemalige Guantanamo-Häftling Moazzam Begg, den amerikanische und britische Geheimdienste bereits mehrmals als Informanten anwerben wollten.

Für Noman Benotman liegt der Schlüssel zum Sieg gegen die Terrornetzwerke dennoch in der Arbeit der Geheimdienste. «Das ist kein herkömmlicher Krieg», sagte der Londoner Sicherheitsexperte. «al-Qaida kann nur mit Hilfe besserer Geheimdienstinformationen besiegt werden.»

dapd/ske

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