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Muss Trump plötzlich doch um den sicher geglaubten Sieg zittern?

Eine Corona-Pandemie wäre «eine signifikante Bedrohung» für Trumps Wiederwahl, sagen Experten. Wer dafür vom Virus profitieren könnte.

Der Präsident fürchtet, dass ihn eine Wirtschaftskrise als Folge einer Pandemie seiner Wiederwahl berauben würde: Donald Trump. Foto: Keystone
Der Präsident fürchtet, dass ihn eine Wirtschaftskrise als Folge einer Pandemie seiner Wiederwahl berauben würde: Donald Trump. Foto: Keystone

Wenn am heutigen Dienstag die Demokraten in 15 US-Staaten und Territorien über ihren Präsidentschaftskandidaten abstimmen, liefert die rasante Verbreitung des Coronavirus einen unerwarteten Begleittext. Denn längst ist das Virus zum Politikum geworden: Seine Auswirkungen auf die US-Wirtschaft wie auch die politische Ausschlachtung der Viruserkrankung werden die Präsidentschafts- und Kongresswahlen im November mit Sicherheit beeinflussen.

Hätte ein demokratischer Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders trotz seiner radikalen Positionen eine bessere Chance gegen einen geschwächten Donald Trump? Und wie stark müsste sich das Virus ausbreiten, um die Wahlchancen des republikanischen Präsidenten wirklich zu schmälern?

Trump spielte die Gefahr herunter

Trump hat den Amerikanern über Jahre hinweg eine heile Welt gemalt, die von Börsenrekorden, niedriger Arbeitslosigkeit und einem diffusen amerikanischen Comeback auf der grossen Weltbühne geprägt war. Passte etwas nicht in dieses Bild, leugnete es der Präsident oder tat es als eine Erfindung politischer Feinde ab.

Mit dem Coronavirus verhielt es sich zunächst ebenso: Trump spielte die potenzielle Bedrohung des Erregers für Wirtschaft und Gesellschaft herunter, ja er unterstellte seinen Widersachern, absichtlich Panik zu schüren. Eine Pandemie aber wäre «eine signifikante Bedrohung» für Trumps Wiederwahl, urteilte Mark Zandi von der Ratingagentur Moody’s.

Bedrohlich wäre sie schon, weil die erste Reaktion der Regierung Trump auf die Verbreitung des Virus nicht sonderlich vertrauenseinflössend war, zum Beispiel wegen verspäteter Tests und widersprüchlicher Aussagen von Verantwortlichen. Politisch nachteilig könnte sich zudem die anfängliche Verharmlosung der Krankheit durch konservative Medien wie Fox News oder rechte Radio-Talker wie Rush Limbaugh und Mark Levin auswirken.

Trumps Feinde wiederum flochten aus all dem im Eiltempo eine gegenteilige Story: Der Präsident beweise einmal mehr, dass er ignorant und inkompetent und deshalb ausserstande sei, die Nation durch die Krise zu führen. Nicht nur versetzte diese Darstellung Trump in Rage. Sie animierte seinen Sohn Donald junior dazu, den Demokraten am Freitag vorzuwerfen, sie nähmen «Millionen» von Toten hin, um die «Gewinnserie» des Vaters zu beenden.

Einen angeschlagenen Trump könnte vielleicht auch ein demokratischer Sozialist besiegen.

Am Sonntag zu dieser Aussage befragt, entgegnete Vizepräsident Mike Pence, sie sei angesichts der in liberalen Medien und von Demokraten erhobenen Vorwürfe «verständlich». Der Präsident schob am Montag nach: Die Demokraten hätten ihn kritisiert, als er «vor Wochen» die Verbindungen zu China wegen des Virus gekappt und damit «viele Leben» gerettet habe. Und jetzt schürten sie die Angst vor dem Virus, twitterte Trump.

Natürlich ist dem Präsidenten bewusst, dass ihn eine Wirtschaftskrise im Gefolge einer Pandemie seines Trumpfs für die Wiederwahl berauben würde. Ähnliches aber könnte auch für Joe Biden gelten: Seine Behauptung, er sei wählbarer als sein Rivale Bernie Sanders, erhielte einen Dämpfer, wenn die Ausbreitung des Virus den Präsidenten politisch schwächen würde.

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Denn einen angeschlagenen Trump könnte vielleicht auch ein demokratischer Sozialist besiegen, umso mehr als die amerikanischen Wähler in einer Rezession womöglich empfänglicher wären für die politischen Rezepte von Bernie Sanders.

Was immer das Endresultat sein mag: Eine von einer Pandemie verursachte Krise könnte den Verlauf des US-Präsidentschaftswahlkampfs mitsamt dem Wahlergebnis im November beeinflussen.

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