Mittelfinger gegen Trump verhilft zu politischem Amt

Eine wüste Geste gegen den US-Präsidenten hat sie berühmt gemacht – jetzt hat Juli Briskman bei einer Lokalwahl in Virginia triumphiert.

Erlangte viel Aufmerksamkeit mit ihrer Aktion: Juli Briskman. Foto: Brendan Smialowski

Erlangte viel Aufmerksamkeit mit ihrer Aktion: Juli Briskman. Foto: Brendan Smialowski

Ende 2017 hatte die 52-jährige Juli Briskman bei einer Velotour der vorbeirauschenden Autokolonne von Trump den Stinkefinger gezeigt. Nachdem sie das Bild eines AFP-Fotografen mit ihrem erhobenen Mittelfinger im Internet geteilt hatte, verlor die alleinerziehende Mutter ihren Job bei einer Firma, die für die US-Regierung arbeitet.

Dafür hätten sich aber «andere Türen geöffnet», darunter die Aufforderung der Demokratischen Partei, sich für ein politisches Amt zu bewerben, sagte Briskman während des Wahlkampfes.

Die Entscheidung lohnte sich, wie sich am Dienstagabend zeigte. Briskman feierte ihren Sieg in einer Botschaft auf Twitter, die mit dem damaligen Stinkefinger-Foto verknüpft war. Sie errang einen Sitz im sogenannten County Board of Supervisors. Das Gremium steuert grosse Teile der Politik in dem Bezirk nahe der Hauptstadt Washington. Loudoun County ist der wohlhabendste Verwaltungsbezirk der USA.

In dem Bezirk liegt auch einer von Trumps Golfclubs: «Ist das nicht süsse Gerechtigkeit?» kommentierte Briskman dies in einem Interview der «Washington Post».

Weitere Siege für US-Demokraten in Kentucky und Virginia

Bei der Gouverneurswahl in Kentucky erklärte der demokratische Herausforderer Andy Beshear am Dienstagabend (Ortszeit) seinen Wahlsieg. In Virginia gelang es den Demokraten, die bislang knapp von den Republikanern gehaltene Mehrheit in beiden Parlamentskammern zu übernehmen.

Den vorläufigen Ergebnissen zufolge unterlagen in Virginia mindestens in zwei Bezirken republikanische Senatoren des Bundesstaates ihren jeweiligen demokratischen Herausforderern. Im Repräsentantenhaus erlangten die Demokraten demnach mindestens fünf zusätzliche Mandate.

Der bisherige republikanische Gouverneur in Kentucky, Matt Bevin, der als Unterstützer von US-Präsident Donald Trump gilt, wollte wegen des engen Rennens zunächst keine Niederlage einräumen. Er sprach von «mehr als nur einigen Unregelmässigkeiten» und kündigte am Mittwoch an, eine Überprüfung zu beantragen. Das offizielle Ergebnis steht noch aus.

Sorge um Republikaner-Hochburg

Dennoch löste Bevins schwaches Abschneiden Besorgnis unter seinen Parteikollegen aus. Auf US-Bundesebene ist Kentucky eine Republikaner-Hochburg. Bei der Präsidentschaftswahl 2016 lag der Republikaner Trump in Kentucky fast 30 Prozentpunkte vor seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton. Bei vergangenen Gouverneurswahlen gab es aber immer wieder Wechsel zwischen Republikanern und Demokraten.

Für Trump, der wegen der Ermittlungen der Demokraten für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren unter Druck steht, sind es keine guten Nachrichten. Allerdings warnten Beobachter vor einer Überbewertung der Ergebnisse mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im November 2020.

Dass die Demokraten in Kentucky möglicherweise haarscharf gegen einen «unpopulären» Gouverneur der Republikaner gewinnen, könne nicht als Zeichen für den Ausgang der Wahl auf Bundesebene gewertet werden, schrieb der Analyst Dave Wasserman vom «Cook Political Report» am Mittwoch auf Twitter. Auch in Virginia habe es «sehr viel schlechter» für die Republikaner ausgehen können.

step/sda

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