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John McCains Wahlchancen sinken stündlich

Mangelnde Kompetenz in Wirtschaftsfragen: Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner sieht in der Finanzkrise alt aus.

Der Wahlkämpfer: John McCain auf einer Veranstaltung der Republikaner in Jacksonville, Florida.
Der Wahlkämpfer: John McCain auf einer Veranstaltung der Republikaner in Jacksonville, Florida.
Keystone
Er will das amerikanische Präsidentenamt für die Republikanische Partei verteidigen: John Mc Cain.
Er will das amerikanische Präsidentenamt für die Republikanische Partei verteidigen: John Mc Cain.
Keystone
Politiker im Glanz von populären Sportlern: John McCain stellt seiner Frau Cindy den Autorennfahrer Carl Edwards vor.
Politiker im Glanz von populären Sportlern: John McCain stellt seiner Frau Cindy den Autorennfahrer Carl Edwards vor.
Keystone
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Verglichen mit George W. Bush führt unser Samuel Schmid in der Schweizer Politik geradezu ein Herrenleben. Dem US-Präsidenten wurde gestern drastisch vor Augen geführt, dass sein Einfluss auf die amerikanische Politik inzwischen auf unterirdische Werte gesunken ist. Der von ihm unterstützte Plan zur Bankenrettung wurde von den Hardlinern seiner eigenen Partei versenkt.

Drastischer kann man die durch die Finanzkrise ausgelöste Verwirrung in den politischen Köpfen nicht illustrieren: Die republikanischen Abgeordneten haben einen Tagesverlust an der Börse in der Höhen von mehr als 1000 Milliarden in Kauf genommen, weil ihnen das Vorgehen ihres eigenen Präsidenten als zu «sozialistisch» erscheint.

Der eigentliche Verlierer der gestrigen Abstimmung im amerikanischen Kongress heisst aber nicht Bush sondern John McCain. Das Chaos an den Finanzmärkten lässt seine Chancen, Bushs Nachfolger im Weissen Haus zu werden, schmelzen wie Schnee an der Sonne. McCain wird dort getroffen, wo es ihm weh tut.

Er hat schlechte Karten

John McCain ist ein Kriegsheld, ein unabhängiger Politiker und erfahren in der Aussenpolitik. Alles schön und gut, aber von Wirtschaft versteht er wenig, wie er einmal selbst offen zugegeben hat, und was er heute allerdings bestreitet. Mit einem drohenden finanziellen Kollaps an Wallstreet ist die Wirtschaft jedoch wieder in den Fokus der Präsidentschaftswahlen geraten. Dabei hat McCain schlechte Karten.

Am Tag nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und der Übernahme von Merrill Lynch, hat McCain die US-Wirtschaft als «fundamental gesund» bezeichnet, eine geradezu absurde Fehleinschätzung. Er hat sie selbst deshalb zurückgenommen und die Wallstreet als Casino bezeichnet, verknüpft mit dem Versprechen, mit einem eisernen Besen aufzuräumen.

Dumme Versprecher

Den markigen Tönen fehlt zudem die Glaubwürdigkeit. McCain neigt zu dummen Versprechern. So hat er angedroht, als Präsident würde er den Chef der Börsenaufsicht SEC feuern, obwohl das gar nicht in die Kompetenz des Präsidenten gehört. McCain ist auch falsch vernetzt. Sein wichtigster Berater in Finanzfragen heisst Phil Gramm. Der ehemalige Senator aus Texas ist mit den Banken aufs innigste verbandelt. Selbst das «Wall Street Journal» macht sich deshalb über das Duo McCain/Gramm als Sheriffs im Finanzbezirk lustig: «Das ist ausgerechnet der Mann, der als Senator ein Gesetzt autorisiert hat, das die alte Regulierungsstruktur zerstört hat.»

Zum grössten Handicap wird Sarah Palin, die von ihm ausgewählte Kandidatin für das Amt einer Vize-Präsidentin. Nach dem Hype um die Gouverneurin aus Alaska und ihre christlichen Werte und ihr Talent als Eishockey-Mutter und Elchjägerin schlägt die Stimmung um. Langsam sickert auch bei normalen Amerikanerinnen und Amerikanern durch, dass die Finanzkrise wirklich gefährlich werden und wahrscheinlich nicht allein mit Bibel und Lippenstift bezwungen werden kann. Die Wahl von Sarah Palin wird deshalb immer öfters als Fehlentscheid McCains gedeutet und stellt seine Führungsqualitäten in Zweifel.

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