Ivanka beim Staubsaugen

Eine Ausstellung in Washington zeigt ein blondes Model bei der Haushaltsarbeit. Die Trump-Tochter beklagt sich über die Performance-Kunst.

Je mehr Krümel die Besucher hinwerfen, desto mehr saugt Ivanka.

Je mehr Krümel die Besucher hinwerfen, desto mehr saugt Ivanka.

(Bild: Keystone)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Wenn in der Washingtoner Flashpoint Galerie der Abend kommt, geht Ivanka an die Arbeit: Auf einem pinken Teppich saugt sie Brotkrumen auf, in der Hand einen grossen Staubsauger. Die Besucher der Gallerie werden ausdrücklich ermuntert, einem bereitstehenden Becher weitere Brotkrumen zu entnehmen und frech auf den Teppich werfen.

Ivankas Sisyphosarbeit hört nie auf, denn immer findet sich ein jemand, der neue Krumen auf den Teppich wirft. Die Künstlerin Jennifer Rubell hat die Performance in der Galerie nicht einmal einen Kilometer vom Weissen Haus eingerichtet, Sponsor ist die Washingtoner Kulturorganisation CulturalDC. Und als Ivanka Trump fungiert ein elegantes blondes Model in Pumps und Kostüm, wie die Tochter und Beraterin Donald Trumps sie trägt.

Das Stück sei «eine visuelle Zelebrierung einer weiblichen Ikone», meint die Galerie, derweil CulturalDC die Besucher auffordert, sie sollten zusehen, «wie Ivanka die Sauerei aufsaugt, ohne ihr Lächeln zu verlieren».

Die wahre Ivanka war freilich nicht sonderlich erbaut von Rubells famoser Idee. «Frauen können sich entweder gegenseitig zu Boden ziehen oder sie können sich gegenseitig aufrichten – ich ziehe das Zweite vor», twitterte die First Daughter am Dienstag. Offenbar war ihr die Performance unter die Haut gegangen.

Aber warum? Dachte Ivanka, hier werde suggeriert, sie müsse endlos hinter dem Vater aufputzen? Oder vertrug sie einfach nicht, dass sie ein wenig veräppelt wurde? Oder sollten die Brotkrumen gar an Marie Antoinette und ihren angeblichen Kuchen erinnern?

Die Performance löste natürlich Spekulationen aus, ob Ivanka, dieser Augapfel des Vaters, überhaupt jemals einen Staubsauger in der Hand gehabt hat. Fragen über Fragen, gestellt sicherlich auch deshalb, weil sich Ivanka kritisch per Tweet geäussert hatte.

Nicht überall kommt das Kunstwerk an. Im renommierten konservativen Blatt National Review beklagte sich Marlo Safi bitter über die Geschmacklosigkeit der Darstellung. Immerhin werde «Ivanka beim Staubsaugen» in der Hauptstadt aufgeführt, «wo internationale Touristen zu Besuch kommen». Das sei so, als lade man die Schwiegereltern zum Dinner ein, «ohne das Haus geputzt zu haben». Das kann «Ivanka» ja besorgen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt