Insider sagen, weshalb der Umsturz in Venezuela gescheitert ist

Anonyme Quellen beschuldigen den Oppositionsführer Leopoldo López.

Kurz nach der Befreiung aus dem Hausarrest: Der Übergangspräsident Venezuelas, Juan Guaidó, mit seinem politischen Ziehvater Leopoldo López (rechts) während des Putschversuchs in Caracas. (30. April 2019)

Kurz nach der Befreiung aus dem Hausarrest: Der Übergangspräsident Venezuelas, Juan Guaidó, mit seinem politischen Ziehvater Leopoldo López (rechts) während des Putschversuchs in Caracas. (30. April 2019)

Sandro Benini@BeniniSandro

Vergangene Woche ist es dem venezolanischen Interimspräsidenten Juan Guaidó erneut missglückt, seinen Widersacher Nicolás Maduro zu stürzen. Über die Hintergründe dieser in Teilen noch immer rätselhaften Aktion hat die spanische Zeitung «El País» mit rund einem Dutzend venezolanischer und ausländischer Politiker, Diplomaten und Militärs gesprochen. Obwohl die Quellen auf Anonymität bestehen, ist die in «El País» erschienene Rekostruktion der Ereignisse durchaus ernst zu nehmen, allein schon wegen des hohen internationalen Ansehens der Publikation.

Laut den Quellen von «El País» waren drei Stützen des Regimes bereit, Maduro fallenzulassen: Verteidigungsminister Vladimir Padrino, der Präsident des Obergerichtes Maikel Moreno sowie der Chef der präsidialen Leibgarde, Iván Hernández Dala. Zwei Zeugen behaupten, auch Innenminister Néstor Reverol sei zumindest informiert gewesen. Die Männer hätten aber auf einer «institutionellen Lösung» bestanden, die Maduro einen «würdigen Abgang» ins Exil ermöglicht hätte. Ausserdem hatten sie für sich selber eine Amnestie ausgehandelt. Ebenfalls auf die Seite der Regimegegner hatte sich der Chef des Inlandsgeheimdienstes gestellt.

Überraschte Verschwörer

Was sich dann am Dienstag am frühen Morgen in Caracas ereignete, hat laut den anonymen Quellen die Verschwörer aus Maduros innerem Machtzirkel überrascht: Guaidó befreite den Oppositionsführer Leopoldo López aus dem Hausarrest und rief die Militärs Seite an Seite mit seinem politischen Ziehvater zum Überlaufen aus. Damit sei der Umsturzversuch früher erfolgt und anders abgelaufen, als es abgesprochen gewesen war.

Einige Stimmen aus der Opposition behaupten, die Regierung habe vom Geheimplan erfahren und sei drauf und dran gewesen, Guaidó verhaften zu lassen. Deshalb habe man früher als ursprünglich geplant agieren müssen. Eine andere Quelle hält es indessen für unwahrscheinlich, dass der Interimspräsident tatsächlich festgenommen worden wäre, wenn er so wichtige Alliierte im Machtapparat hatte.

Guaidó habe sich unter Druck setzen lassen

Wie auch immer: Die Mehrheit der Quellen sehen in López’ überraschender Befreiung den Hauptgrund für das Scheitern des Umsturzplanes. Guaidó habe sich von seinem langjährigen Förderer unter Druck setzen lassen. Anhänger und Mitarbeiter anderer wichtiger Oppositioneller, etwa von Henrique Capriles oder Julio Borges, werfen López nun angeblich vor, mit seinem Vorpreschen und seiner Profilierungssucht die Mitverschwörer aus dem Regierungslager im entscheidenden Moment kopfscheu gemacht zu haben.

Leopoldo López, den das Regime 2015 wegen Anstiftung zur Gewalt zu einer fast vierzehnjährigen Haftstrafe verurteilt hatte, hat sich mittlerweile in die spanische Botschaft in Caracas geflüchtet. Ein Asylgesuch hat er bisher nicht gestellt.

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