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«Im Zweifelsfall für das Leben»

Rick Perry führt das Rennen um den Posten des republikanischen Herausforderers von Barack Obama an. Die Verordnung einer umstrittenen Schulmädchen-Impfung bringt ihn nun in Bedrängnis.

Kommt bei den konservativen Republikanern nicht gut an: Rick Perry bei der TV-Debatte auf CNN.
Kommt bei den konservativen Republikanern nicht gut an: Rick Perry bei der TV-Debatte auf CNN.
Keystone

Laut Umfragen führt der texanische Gouverneur Rick Perry derzeit das Rennen um den Posten des republikanischen Herausforderers von US-Präsident Barack Obama bei der Präsidentschaftswahl 2012 an. Seine Konkurrenten haben aber noch nicht aufgegeben. Bei einer Diskussionsrunde am Montag in Tampa im US-Staat Florida griffen vor allem der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, und die Kongressabgeordnete Michele Bachmann von der Tea-Party-Bewegung den gebürtigen Texaner an.

Dabei schiessen sich seine Gegner auf ein Thema ein, das schon seit längerem und auch in anderen Ländern kontrovers diskutiert wird. Zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs kann Mädchen im Teenageralter ein Impfstoff verabreicht werden. Die Immunisierung gegen HPV (Humane Papillomaviren) wurde in Texas von Perry für alle Schulmädchen verordnet.

Mysteriöse Todesfälle

Fachpersonen beurteilen die Impfung als kritisch. Auch die USA wurden schon mit ungewünschten Nebenwirkungen des Impfstoffs Gardasil konfrontiert, als vor vier Jahren drei Mädchen gestorben sind, nachdem sie eine Impfung bekommen hatten. Ob tatsächlich der Impfstoff selbst zum Tod der Mädchen geführt hatte, konnte nie nachgewiesen werden. In Australien hatten zudem 25 Mädchen, nachdem sie geimpft worden waren, Reaktionen wie Kopfschmerzen, Schwindel und Erbrechen. Bei manchen waren die Reaktionen so schlimm, dass sie hospitalisiert werden mussten, wie das Onlineportal Prisonplanet berichtete.

Staatliche Gesundheitsabgeordnete sprachen jüngst aber eine Entwarnung aus. Der Impfstoff sei schon mehr als 35 Millionen Mal gespritzt worden, ohne dass dabei ernsthafte Nebenwirkungen aufgetreten seien, schreibt die «Washington Post».

Perrys Gegner kritisieren ihn nicht nur deshalb, weil er einen umstrittenen Impfstoff verordnet. Anhängern der Tea Party stösst es sauer auf, dass Perry einer Krankheit vorbeugen will, die durch Geschlechtsverkehr weitergegeben wird. Die ultrakonservative Präsidentschaftskanditatin Michele Bachmann bezichtigt Perry der Vetternwirtschaft, wie die «Washington Post» schreibt. Als die Impfung im Jahr 2007 lanciert wurde, soll dies auf ein Angebot des Herstellers Merck erfolgt sein, dessen Lobbyist einst ein enger Mitarbeiter von Perry war. «Es ging um Millionen Dollar und vielleicht Milliarden für einen Pharmakonzern», so Bachmann.

«Im Zweifel für das Leben»

Auf die Vorwürfe reagierte Perry mit Transparenz: Der Impfstoffhersteller Merck habe nur 5000 der 30 Millionen Dollar zu seiner Wahlkampfkasse beigetragen, antwortete Perry. «Wenn sie sagen, dass ich für 5000 Dollar gekauft werden kann, bin ich beleidigt», fügte er hinzu. Als gänzlich schuldlos an der angeordneten Impfung von Schülerinnen gegen Gebärmutterhalskrebs sieht er sich aber nicht: Er hätte vorher das Parlament konsultieren sollen, sagte er. Aber «im Zweifel werde ich mich immer für das Leben entscheiden», verteidigte sich Perry.

Die umstrittene Impfung ist nicht der einzige Kritikpunkt an Umfrage-Leader Perry. Romney, der in Umfragen hinter dem Texas-Gouverneur liegt, versuchte am Montagabend auch die starke Arbeitsmarktbilanz des Texaners zu relativieren. Er verglich ihn mit einem Pokerspieler: «Wenn man vier Asse ausgeteilt bekommt, macht einen das nicht automatisch zu einem grossartigen Pokerspieler.» Doch selbst damit sei es nicht leicht, eine Million Arbeitsplätze zu schaffen, verteidigte sich Perry und verwies auf zahlreiche Massnahmen, die er zur Stärkung des Arbeitsmarkts unternommen habe.

Auch wegen seiner Äusserungen zur Sozialversicherung, dem staatlichen Rentenprogramm, geriet Perry unter Druck. «Glaubt Gouverneur Perry weiterhin, dass die Sozialversicherung kein Bundesprogramm mehr sein sollte, dass sie verfassungswidrig ist und in die Hände der Staaten gehört?», fragte Romney.

Perry relativiert Äusserungen zum Rentensystem

Perry reagierte beschwichtigend. Die Bundesregierung habe Fehler gemacht, als sie vor Jahrzehnten die Sozialversicherung eingeführt habe, sagte er. Aber «offensichtlich werden wir das Programm nicht abschaffen», weil Rentner seit 70 Jahren darauf vertrauten. Beide Kandidaten warfen dem jeweiligen Kontrahenten vor, den älteren Menschen Angst einjagen zu wollen.

Unterschiedliche Positionen zur Einwanderungspolitik

Auch bei dem für die US-Konservativen immer heissen Thema, der illegalen Einwanderung, schieden sich die Geister. Es sei nicht machbar, einen Grenzzaun entlang der gesamten Länge der Grenze zwischen Mexiko und Texas zu errichten, sagte Perry. Er verteidigte auch seine Entscheidung, dass illegal in die USA eingereiste Menschen, die die US-Staatsbürgerschaft anstreben, nur dieselben niedrigeren Schulgebühren wie Einheimische zahlen müssen.

Perrys Position ähnelt darin stark der seines Vorgängers George W. Bush. Und genauso wie Bush stösst er damit bei der konservativen Klientel auf Ablehnung. «Natürlich bauen wir einen Zaun, und natürlich berechnen wir Menschen, die illegal hierher kommen, nicht die günstigeren Schulgebühren», sagte Romney. «Das zieht nur noch mehr Leute an, die kommen, um die amerikanische Mildtätigkeit auszunutzen», sagte er.

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