«Ich arbeite immer noch für die NSA»

Sechs Monate nachdem Edward Snowden den US-Geheimdienstskandal ins Rollen brachte, sieht er seine Aufgabe als erledigt an. Ein «Washington Post»-Reporter traf ihn in Moskau.

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Edward Snowden hat schon immer betont, dass er sich weder als Verräter noch als Überläufer sieht. Jetzt setzt er aus seinem Moskauer Exil noch eins drauf: «Ich arbeite daran, die NSA zu verbessern». Hofft Snowden noch auf eine Rückkehr in die USA?

Seit Edward Snowden vor gut einem halben Jahr die Lawine von Enthüllungen über die ausufernde Überwachung des US-Geheimdienst NSA losgetreten hatte, hielt er sich mit Interviews zurück. Im Vordergrund sollen die von ihm beschafften Informationen und nicht seine Person stehen, sagte Snowden, nachdem er in einem langen Video-Interview mit dem «Guardian» seine Motive erklärt hatte.

Jetzt verteidigt er in einem zweiten grossen Gespräch sein Vorgehen noch ausdrücklicher als zuvor – und besteht darauf, dass er ein guter Amerikaner und Geheimdienstler sei.

Ziel erreicht

«Ich versuche nicht, die NSA kaputt zu machen; ich arbeite daran, die NSA zu verbessern», sagte der 30-Jährige der «Washington Post». «Ich arbeite momentan noch immer für die NSA. Sie sind die einzigen, die es nicht bemerken.» Sein Ziel sei es gewesen, dass die Öffentlichkeit wieder darüber mitentscheiden könne, wie sie regiert werde. «Was meine persönlichen Bedürfnisse betrifft, ist das Ziel erreicht. Ich habe bereits gewonnen», bilanziert er.

Möglicherweise zieht Snowden mit dem Gespräch, das laut dem «Post»-Reporter Barton Gellman insgesamt rund 14 Stunden dauerte, nur eine Halbjahresbilanz. Oder die ungewöhnlich vielen Rechtfertigungen könnten der Beginn einer Kampagne für die Rückkehr in die USA sein. Sein Asyl-Jahr in Russland läuft im kommenden Sommer aus.

Und auch wenn die Russen vielleicht wieder mit sich reden liessen – Moskau war nicht Snowdens Wunschziel. Weder EU-Länder noch Brasilien sprangen bisher auf die Idee an, dem Informanten Zuflucht zu gewähren. Im Heimatland aber teilen inzwischen viele seine Ansicht, dass die NSA in ihrer Datensammelwut zu weit gegangen sei.

Unterstützung aus dem Heimatland

So erklärte jüngst ein US-Richter die flächendeckende Sammlung von Telefondaten für verfassungswidrig. Und die von Präsident Barack Obama eingesetzte Experten-Gruppe, der von Kritikern anfangs zu grosse Nähe zur Geheimdienstwelt vorgeworfen wurde, forderte deutliche Einschränkungen vor allem für die Bespitzelung von Amerikanern.

Sieht man das als Eingeständnis, dass am bisherigen System etwas faul war – was macht man dann mit dem Mann, der sein bisheriges Leben aufgab, um die Gesellschaft zu warnen?

NSA-Chef Alexander gibt den Hardliner

Selbst bei einem Treffen Obamas mit Schwergewichten der Internet-Branche soll Vergebung für Snowden ein Thema gewesen sein. Mark Pincus, Gründer der für Online-Spiele wie «Farmville» bekannten Spielefirma Zynga, schlug nach CNN-Informationen vor, Snowden nicht zu bestrafen. Obama habe abgelehnt.

Ein interessantes weiteres Detail in dem Artikel der «Washington Post» ist aber, dass sogar Geheimdienstdirektor James Clapper, der stets von einem grossen Schaden durch Snowdens Enthüllungen spricht, sich in nicht öffentlichen Gesprächen zurückhaltender äussere.

Während NSA-Chef Keith Alexander den Hardliner gibt, brachte einer seiner Spitzenbeamten jüngst in einem TV-Interview eine Amnestie für Snowden ins Gespräch, wenn dieser die noch unveröffentlichten Dokumente zurückgebe. Randaspekt: Die NSA weiss laut US-Medienberichten immer noch nicht, wie viel und was genau Snowden mitgehen liess.

Nicht verfassungswidrig

Der Informant selbst sagt, er habe der Verfassung die Treue gehalten. «Das ist ein Schwur, den ich eingehalten habe – und Keith Alexander und James Clapper nicht.» Er stehe in keiner Beziehung zur russischen Regierung und habe mit ihr keine Deals gemacht. «Wenn ich überhaupt irgendwohin übergelaufen bin, dann von der Regierung zur Öffentlichkeit.»

Einer seiner Rechtsvertreter, Ben Wizner von der Bürgerrechtsvereinigung ACLU, hält denn auch die Tür für Washington offen: «Die Regierung weiss, wo sie uns findet, wenn sie ein produktives Gespräch über Lösungen haben will, bei denen Edward Snowden nicht hinter Gitter kommt.»

wid/sda

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