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Haiti ermittelt gegen «Baby Doc»

Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier muss sich vor Gericht verantworten. Die Ermittler werfen ihm Korruption und Veruntreuung vor. Unterdessen versucht ein anderer Ex-Machthaber nach Haiti zurückzukehren.

Dementiert: Jean-Claude Duvalier will nichts von einem Schweizer Bankkonto wissen.
Dementiert: Jean-Claude Duvalier will nichts von einem Schweizer Bankkonto wissen.
Keystone
Jean-Claude Duvalier winkt vom Hotelbalkon in Haiti seinen seinen Anhängern zu.
Jean-Claude Duvalier winkt vom Hotelbalkon in Haiti seinen seinen Anhängern zu.
Keystone
Wieder zu Hause: Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier im Lift des Hotels, wo er vorübergehend wohnt. Wenig später wird er von einem Gericht verhört. (18. Januar)
Wieder zu Hause: Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier im Lift des Hotels, wo er vorübergehend wohnt. Wenig später wird er von einem Gericht verhört. (18. Januar)
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Ein haitianischer Richter hat am Dienstag den früheren Diktator Jean-Claude «Baby Doc» Duvalier vernommen. Dem am Samstag nach 25-jährigem Exil in seine Heimat zurückgekehrten ehemaligen Staatschef werden Korruption, Veruntreuung und Diebstahl vorgeworfen.

Duvalier war am Dienstag von der Polizei aus dem Hotel abgeführt worden, in dem er sich seit seiner überraschenden Rückkehr nach Haiti am Sonntag aufgehalten hatte. Anschliessend wurde er in ein Gerichtsgebäude im Zentrum der Hauptstadt Port-au-Prince gebracht. Nach vier Stunden verliess Duvalier am Dienstagabend das Gerichtsgebäude.

Auf freiem Fuss

Duvalier darf das Land nicht verlassen, denn er muss sich den Justizbehörden zur Verfügung halten. Ein Gericht muss entscheiden, ob es genug Beweise für einen Prozess gibt. Einer von Duvaliers Anwälten betonte in einem Radiointerview, sein Mandant sei nicht nur vorübergehend, sondern definitiv freigelassen worden. Er kenne die Vorwürfe, die aber wegen Verjährung nicht verfolgt werden könnten.

Der frühere Potentat soll während seiner 15-jährigen Herrschaft dreistellige Dollar-Millionen-Beträge abgezweigt haben, was Duvalier während seines Exils in Frankreich stets bestritt. Nach Angaben des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte (UNHCHR) könnte Duvalier zudem wegen der brutalen Verbrechen belangt werden, die während seiner 15-jährigen Amtszeit verübt wurden.

Treffen mit Staatsanwalt

Vor seiner Verhaftung war «Baby Doc» im Hotel Karibe mit Vertretern der Justiz zusammen gekommen, darunter mit dem leitenden Staatsanwalt. Worum es in den Gesprächen ging, wurde nicht bekannt gegeben. Dutzende Polizisten waren im Hotelgebäude und in der Nähe postiert.

Als der Ex-Diktator zum Gericht gefahren wurde, versuchten Dutzende seiner Anhänger die Strasse mit umgeworfenen Mülleimern zu blockieren, ausserdem schleuderten sie Steine. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich mehrere Hundert Unterstützer des 59-Jährigen, setzten Reifen in Brand und forderten die Festnahme des derzeitigen Präsident René Préval.

«Baby Doc» war nach dem Tod seines Vaters, Francois «Papa Doc» Duvalier, 1971 mit 19 Jahren an die Macht gekommen. Er hat immer noch Anhänger in Haiti, und Millionen Einwohner sind zu jung, um sich an das Leben unter seinem Diktat zu erinnern.

Auch Aristide vor Rückkehr

Duvalier ist nicht der einzige Ex-Präsident des bitterarmen Karibiklandes, den es in die Heimat zurückzieht. Auch der frühere Staatschef Aristide bemüht sich nach Medienberichten erneut um eine Rückkehr aus seinem südafrikanischen Exil. Doch hätten die Behörden ihm die Ausstellung eines haitianischen Passes verweigert.

Aristide war im Februar 2004 nach einem bewaffneten Aufstand und massivem internationalen Druck ins Exil gegangen.

dapd/sda/jak/miw

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