Guam bereitet sich auf den Ernstfall vor

Bisher haben die Bewohner der US-Pazifikinsel Guam erstaunlich ruhig auf die Drohungen aus Nordkorea reagiert. Doch jetzt hat das Heimatschutzministerium klare Anweisungen für den Ernstfall an die Bürger erteilt.

Die Homeland Security gibt auf ihrer Facebook-Seite Tipps für den Notfall.

Die Homeland Security gibt auf ihrer Facebook-Seite Tipps für den Notfall. Bild: zvg/Facebook/Guam Homeland Security

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Sollte Nordkorea Guam tatsächlich angreifen, so würden die Raketen etwa 14 Minuten brauchen, um die kleine Insel zu erreichen, sagte die Sprecherin des Heimatschutzministeriums, Jenna Gaminde, lokalen Medien. Auf Guam würden sofort alle 15 Sirenen losgehen, die die Insel ansonsten nur im Falle einer Naturkatastrophe wie einem Tsunami zum Einsatz bringen würde.

Guam ist Gefahren gewöhnt

Denn Guam ist auf Gefahren vorbereitet: Erdbeben, Wirbelstürme und Tsunamis können die Insel im Westpazifik heimsuchen. Und jetzt auch noch Raketen aus Nordkorea. Grundsätzlich wissen die rund 160'000 Bürger Guams: Wenn die Sirenen losgehen, dann sofort verfügbare Medien – Radio, Zeitung und Fernsehen – einschalten und auf weitere Instruktionen warten.

Guam hat für alle Eventualitäten einen Generalstabsplan, auch falls Nordkorea seinen Plan wahrmachen und vier Mittelstreckenraketen in die unmittelbare Nähe Guams abfeuern sollte „Unser Büro wird sofort vom Militär informiert und wird alle Formen der Massenkommunikation einsetzen, um die Nachricht an die Bevölkerung weiterzugeben“, sagte Gaminde.

Informationsblätter für den Ernstfall

Laut Informationsblättern, die das Ministerium am Freitag verbreitete, sollen die Bürger ein Notfallpaket vorbereiten, in dem neben haltbarem Essen, Wasser und einem Erste Hilfekasten beispielsweise auch ein batteriebetriebenes Radio sein sollte. Zudem sollen sich alle über sichere Gebäude Gedanken machen – idealerweise Betongebäude, in denen sie im Falle eines Nuklearschlages Unterschlupf suchen könnten. «Die Wände und das Dach müssen dick genug sein, um die Strahlung zu absorbieren, die radioaktive Partikel abgeben», hiess es auf einem der Informationsblätter.

Unter allen Umständen sollten die Bürger im Inneren bleiben und den Schutzraum im Notfall mindestens für 24 Stunden nicht verlassen. Im eigenen Haus wird empfohlen, Spalten bei Fenstern und Türen mit dickem Klebeband zu verschliessen und sich in einem Raum im Inneren des Hauses aufzuhalten.

Die Tipps der Homeland Security für den Notfall.

Sollte man sich draussen aufhalten, wenn es zu einem Einschlag kommt, so dürfe man auf keinen Fall direkt in das Licht oder die Explosion schauen, da man davon erblinden könne. Falls man nicht irgendwo Schutz suchen könne, solle man sich auf den Boden legen und den Kopf schützen. War man draussen radioaktiver Strahlung ausgesetzt, so wird empfohlen, die Kleidung so schnell wie möglich auszuziehen und in einer Plastiktüte zu verschliessen.

Danach gilt falls möglich duschen und gründlich mit Seife und Shampoo waschen, aber keine Spülung zu verwenden, da diese radioaktives Material im Haar binden würde. «Allein die äussere Kleidung abzulegen, kann 90 Prozent des radioaktiven Materials entfernen», schreibt das Heimatschutzministerium.

US-Luftwaffenstützpunkt öffnet seine Türen

Das US-Militär präsentierte am Freitagmorgen seine Stärke, um die Bewohner der Insel, die rund 3400 Kilometer von Nordkorea entfernt ist, zu beruhigen. Der Luftwaffenstützpunkt Andersen Air Force Base lud Medienvertreter ein, das Routinetraining verschiedener Kampfjets zu beobachten. Der lokale Fernsehsender Kuam News berichtete, dass beim Training auch japanische Soldaten eng mit den US-Soldaten zusammengearbeitet hätten. Japan hatte wie auch Australien den USA zuvor volle Unterstützung zugesagt.

Die meisten Bewohner der tropischen Insel, die ein beliebtes Urlaubsziel für Südkoreaner und Japaner ist, bewahrten weiterhin die Ruhe. «Ich esse weiter meine Eiscreme und entspanne mich», schrieb Eric De Plata auf Facebook. Andere äusserten durchaus Sorge angesichts der angespannten Situation. «Es ist furchterregend», sagte Angela Castro. Aber die Bewohner würden auf Gott und das auf Guam stationierte Militär vertrauen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.08.2017, 16:19 Uhr

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