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Fünf Erkenntnisse aus Comeys internen Memos

Die Notizen des Ex-FBI-Chefs zeigen, was US-Präsident Trump in den ersten drei Monaten seiner Amtszeit beschäftigte.

«Donald Trump ist moralisch unfähig»: Der ehemalige FBI-Chef James Comey hat Donald Trump in einem Interview aufs Schärfste angegriffen. (Video: Tamedia, ABC)

Auf 15 Seiten zeigen die jetzt veröffentlichten Comey-Memos intime Details aus Donald Trumps ersten Tagen im Weissen Haus. Sie werfen ein Licht darauf, welche Themen ihn beschäftigten und wie er damit umging.

Comey machte sich Notizen zu sieben Gesprächen, die zwischen Januar und April 2017 stattgefunden haben. Vier der Memos unterstehen der Geheimhaltung und enthalten geschwärzte Stellen. Fünf Erkenntnisse.

1. Trumps Russland-Obsession

Das erste Memo stammt vom 7. Januar 2017 – also aus der Zeit vor Donald Trumps Amtseinführung. Der damalige FBI-Chef James Comey notierte sich im Auto, was er zuvor mit dem designierten US-Präsidenten im Trump-Tower in New York besprochen hatte. Er versuche, die tatsächlich gesprochenen Worte zu verwenden, schreibt er einleitend. «Ich sagte, die Russen hätten angeblich Aufnahmen von ihm und Prostituierten in der Präsidentensuite des Ritz Carlton in Moskau aus dem Jahr 2013», heisst es im Memo. Trump habe eingeworfen «da waren keine Prostituierten, da waren nie Prostituierte». Comey erklärte, er habe nicht gesagt, dass das wahr sei, er habe ihn nur darüber informieren wollen, dass es Berichte darüber gebe und dass diese in vielen Händen seien. Unter anderem seien Medien wie CNN im Besitz des Berichtes.

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Am 8. Februar bei einem Treffen im Oval Office in Washington brachte Trump das Russland-Tape nochmals zur Sprache. Er sagte, die Prostituierten-Sache sei Unsinn, aber Putin habe ihm gesagt, «Wir haben einige der schönsten Prostituierten der Welt». Auch in weiteren Treffen wird die Sache thematisiert. Trump erklärt, er habe mit mehreren Leuten darüber gesprochen, die an der Reise im Jahr 2013 nach Russland teilgenommen hätten. Sie hätten ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er gar nicht in Moskau übernachtet habe. Das Video könne also gar nicht existieren.

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Mehrmals beklagte Trump sich bei Comey über die «Russland-Wolke» – unter anderem am 30. März und am 10. April 2017. Er versuche, das Land zu regieren, aber die Russland-Affäre mache das schwierig.

2. Das Dossier des Ex-Spions Steele

Auch die Frage, warum Trump überhaupt vom FBI-Chef über das Russland-Tape und das Dossier des ehemaligen britischen Spions Christopher Steele in Kenntnis gesetzt worden war, beschäftigte den US-Präsidenten. Bei einem Treffen mit dessen damaligem Stabschef Reince Preibus vom 8. Februar 2017 erklärte Comey, der Entscheid habe darauf basiert, dass Geheimdienste Teile des Dossiers bestätigt hatten. «Ich erklärte, dass Analysten von drei Geheimdiensten versichert hatten, dass das Dossier relevant sei und dass Teile des Materials von anderen Nachrichtendiensten erhärtet worden seien», schreibt Comey.

Bei einem weiteren Treffen erzählt Trump, er habe rechtliche Schritte gegen Steele eingeleitet. Mehrmals drängt er den FBI-Chef auch dazu, öffentlich zu machen, dass gegen Trump selber in der Russland-Sache gar keine Untersuchung laufe.

3. Zweifel an Sicherheitsberater Flynn

Comey traf sich am 28. Januar 2017 mit Präsident Trump zu einem Abendessen im «Green Room» des Weissen Hauses. Sie seien einander an einem kleinen Tisch in der Mitte des Raumes gegenübergesessen, zwei Kellner seien nur dann im Zimmer gewesen, wenn sie Essen serviert oder Teller abgeräumt hätten. Das Gespräch sei nett gewesen, aber chaotisch. Die meiste Zeit habe der Präsident gesprochen, er habe Themen aufgenommen, wieder fallen gelassen und später wieder aufgenommen.

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Während des Gesprächs äusserte Trump erstmals Zweifel an seinem damaligen Sicherheitsberater Michael Flynn. Dieser habe «Probleme mit seiner Urteilsfähigkeit», habe Trump gesagt, während er mit den Fingern auf seinen Kopf zeigte. Flynn hatte es nach seiner Amtseinführung offenbar unterlassen, ihn über den Anruf eines Staatsoberhauptes zu unterrichten.

Bei einem Treffen mit Priebus im Weissen Haus fragte dieser, ob das eine «private Unterhaltung» sei. Er wolle eine Frage stellen, und Comey könne entscheiden, ob es angemessen sei, darauf zu antworten. «Haben Sie einen Überwachungsauftrag zu Mike Flynn?» Comey gab ihm die Antwort – die geschwärzt ist – erklärte aber auch, dass solche Fragen über die offiziellen Kanäle abgehandelt werden müssten.

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Am 14. Februar 2017 schliesslich fand ein Vier-Augen-Gespräch im Oval Office statt. Trump sagte, Mike Flynn sei ein guter Mann und habe viel durchgemacht. Er habe den Vizepräsidenten getäuscht, aber nichts Falsches getan. «Ich hoffe, sie können die Sache fallen lassen, Flynn gehen lassen.» Kritiker sehen darin einen Versuch der Justizbehinderung. Zu diesem Zeitpunkt war Flynn bereits zurückgetreten, nachdem die «Washington Post» berichtet hatte, er habe bei seinen Telefonaten im Dezember mit Botschafter Kislyak US-Sanktionen diskutiert und danach Vizepräsident Mike Pence über den Inhalt der Telefonate belogen.

4. Die Jagd nach undichten Stellen

Im Gespräch vom 14. Februar diskutierten die beiden Männer auch ausführlich über Internas in den Medien. Unter anderem waren Abschriften von Trumps Telefongesprächen mit den Staatspräsidenten von Australien und Mexiko veröffentlicht worden. Comey erklärte ihm, er sei begierig, Informanten zu finden, und würde gern einen entlarven, um ein Exempel zu statuieren. «Ich sagte etwas darüber, dass es schwierig sei, und er antwortete, dass wir uns die Journalisten vorknöpfen müssten, und verwies auf die Tatsache, dass wir sie vor 10 oder 15 Jahren ins Gefängnis gesteckt haben, um herauszufinden, was sie wissen und wie es funktioniert.»

Trump habe Judith Miller, eine ehemalige Reporterin der «New York Times», erwähnt. Sie war im Jahr 2005 für 85 Tage inhaftiert worden, weil sie sich geweigert hatte bei der Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame ihre Quelle preiszugeben. Comey erklärte, er sei zwar ein Fan davon, aggressiv nach Lecks zu suchen, es sei aber aus rechtlichen Gründen schwierig, gegen Journalisten vorzugehen.

5. Comeys Job und die Loyalitäts-Frage

Trump sprach Comey beim Abendessen vom 28. Januar auch auf dessen Zukunft an. Es gebe eine Menge Leute – «rund 20 Personen» –, die seinen Job gerne hätten. «Er würde es verstehen, wenn ich zurücktreten wollte, nach allem, was ich durchgemacht hätte, obwohl er glaube, dass das schlecht für mich wäre, weil es dann so aussähe, als ob ich etwas falsch gemacht hätte», notiert Comey. Er habe geantwortet, Trump könne ihn jederzeit feuern, er wolle aber bleiben.

Trump habe auch gesagt, er «brauche Loyalität». Comey antwortete, er werde immer Ehrlichkeit von ihm bekommen. Nach einer Pause wiederholte Trump, das sei, was er wolle, «ehrliche Loyalität».

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Am 8. Mai 2017 war es schliesslich vorbei mit der Loyalität – Trump entliess FBI-Direktor James Comey. Später sagte er in mehreren Interviews, dass die Russland-Affäre ausschlaggebend für Comeys Entlassung gewesen sei.

Der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein ernannte den früheren FBI-Direktor Robert Mueller zum Sonderermittler in der Russlandaffäre. Mueller soll unter anderem aufklären, ob Absprachen zwischen Moskau und Trumps Wahlkampfteam getroffen wurden.

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