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Ein «politisches Erdbeben» bei US-Vorwahl

Eric Cantor war Kronfavorit für das Amt des republikanischen Vorsitzenden im Repräsentantenhaus – nun hat er überraschend Schiffbruch erlitten.

Enttäuschende Niederlage: Der Mehrheitsführer der Republikaner im US-Repräsentantenhaus, Eric Cantor (links), hätte den republikanischen Vorsitzenden, John Boehner (rechts), beerben wollen. (20. Mai 2014)
Enttäuschende Niederlage: Der Mehrheitsführer der Republikaner im US-Repräsentantenhaus, Eric Cantor (links), hätte den republikanischen Vorsitzenden, John Boehner (rechts), beerben wollen. (20. Mai 2014)
Jonathan Ernst, Reuters

Seine Wahl als Kandidat der Republikaner für die Kongresswahlen im November galt als sicher. Doch Eric Cantor, der zweitmächtigste Konservative im Repräsentantenhaus, unterlag einem unbekannten Herausforderer der ultrakonservativen Tea-Party, David Brat.

Damit ist Cantor, derzeit zweitmächtigster Republikaner im Repräsentantenhaus, aus dem Rennen für die Kongresswahlen im Herbst, die Tea Party ist gestärkt und wichtige Projekte der Demokraten wie das Zuwanderungsgesetz sind in Gefahr.

Cantor zu wenig konservativ?

Der Wirtschaftsprofessor Brat hatte sich klar gegen lockerere Einwanderungsgesetze ausgesprochen und damit bei der Vorwahl am Dienstag offenbar den Puls in seiner Partei getroffen. Cantor galt ihnen offenbar als zu wenig konservativ. Brat wird im November nun gegen den kürzlich nominierten Kandidaten der Demokraten, Jack Trammel, für den Sitz des Bezirks Richmond im Repräsentantenhaus antreten.

Für Cantor könnte der Ausgang der Wahl das Ende seiner politischen Karriere einleiten. Theoretisch könnte er unabhängig von der republikanischen Nominierung eine eigene Kandidatur anmelden - ob er das tut, liess sein Stab zunächst offen. Unklar blieb auch, ob er seine Position als Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus bis zum Ablauf seines Mandats behält und wer ihn möglicherweise ersetzen könnte.

Neuer Schwung für Tea Party

Tröstende Worte kamen von seinem Parteikollegen John Boehner, dem republikanischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses. In einer Erklärung lobte dieser Cantor als «guten Freund und grossartigen Führer». Bei harten politischen Entscheidungen sei Cantor verlässlich.

Brats Sieg verhilft der Tea-Party-Bewegung - einer ultrakonservativen Strömung innerhalb der Republikaner - unerwartet zu neuem Schwung. Brat hatte Cantor als Washingtoner Insider bezeichnet, der zu wenig konservativ sei. «Dies ist ein Wunder Gottes, dass dies passiert ist», jubelte Brat, als sich sein Sieg abzeichnete. Cantor sagte hingegen: «Augenscheinlich sind wir gescheitert.» Cantors Niederlage war die erste eines führenden Kongressmitgliedes bei Vorwahlen in jüngeren Jahren.

Umfragen deuteten nicht auf Niederlage hin

Parteiinterne Umfragen hatten noch auf einen Sieg Cantors hingedeutet, der auch als möglicher Nachfolger für Boehner gehandelt wurde. Der 51-Jährige hatte sich lange Zeit dafür ausgesprochen, dass illegalen Einwanderern in bestimmten Einzelfällen die US-Staatsbürgerschaft gewährt werden solle. Darunter sollten vor allem Latinos fallen, die als Kinder illegal in die USA kamen. Erst als Herausforderer Brat in den vergangenen Wochen immer stärker an Profil gewann, sprach sich auch Cantor gegen eine weitreichende Lockerung der Immigrationsgesetze aus.

Mit einer gemässigteren Einstellung zur geplanten Reform des Einwanderungsgesetzes wollten die Republikaner um Cantor wichtige Stimmen der aus Lateinamerika stammenden Wähler gewinnen. Nach dem Sieg Brats könnte sich die Front unter den Konservativen gegen das Gesetz weiter verhärten.

Der Gesetzentwurf hat bereits den von Demokraten dominierten US-Senat passiert, muss aber noch vom Repräsentantenhaus gebilligt werden, in dem die Republikaner die Mehrheit haben. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte das Vorhaben nun aber bis nach den Präsidentenwahlen 2016 auf Eis liegen.

AP/thu

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