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Donald Trump und der «stolzeste Moment»

Seine Berater warnten ihn vor einem Treffen mit Nordkoreas Diktator. Doch der US-Präsident will Geschichte schreiben.

Die Aussicht auf den Friedensnobelpreis elektrisiert ihn: US-Präsident Donald Trump. Foto: Alex Brandon (AP, Keystone)
Die Aussicht auf den Friedensnobelpreis elektrisiert ihn: US-Präsident Donald Trump. Foto: Alex Brandon (AP, Keystone)

Im Grunde hält John Bolton, der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, wenig von einem Gipfeltreffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un. Bolton gilt als treibende Kraft hinter der ursprünglichen Absage des Treffens. Am Mittwoch, einen Tag bevor Trump die Zusammenkunft in einem Brief an Kim zunächst bis auf Weiteres verschob, hatte er dem Präsidenten seine Sicht der Dinge noch einmal dargelegt. Er warnte, dass Trump sich politisch blamieren könne, falls bei dem Treffen nichts Substantielles erreicht werde. In diesem Falle könne es Kim als PR-Erfolg für sich verbuchen, den amerikanischen Präsidenten getroffen zu haben, ohne dafür im Gegenzug nennenswerte Zugeständnisse zu machen.

Trump liess sich überzeugen, doch dass er den Gipfel ungern absagte, liess sich an den Stellen des Briefes ablesen, in denen er die Tür weit offen liess. «Zögern Sie nicht, mich anzurufen oder mir zu schreiben», teilte er Kim mit. Mit Erleichterung reagierte der Präsident, als Nordkorea äusserst massvoll auf die Absage reagierte. «Das war ein sehr schönes Statement, das sie veröffentlicht haben», sagte er, «wir sind in Gesprächen. Sie wollen es (das Treffen, Anm. d. Red.) unbedingt machen. Wir wollen es machen. Wir werden sehen, was passiert.» Dass man mal sehen werde, was passiere, ist eine von Trumps Lieblingsphrasen.

Die ultimative Schmeichelei

Dass er trotz der Warnungen von Bolton so sehr an einem Treffen interessiert ist, hat viel damit zu tun, dass sowohl einige republikanische Parteifreunde als auch Südkoreas Präsident Moon Jae-in nahegelegt hatten, Trump könnte für seine Bemühungen um Annäherung und Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel mit dem Friedensnobelpreis geehrt werden. Diese Idee geht dem Präsidenten nicht mehr aus dem Kopf. Er ist bekanntlich offen für Schmeicheleien, und der Nobelpreis wäre die ultimative Schmeichelei für sein Ego. Einer seiner Anwälte, der frühere New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani, sagte kürzlich, es werde «der stolzeste Moment» sein, wenn Trump den Nobelpreis erhalte.

Auch Bolton hat mittlerweile eingesehen, dass diese Aussicht Trump elektrisiert, weshalb er laut Regierungskreisen nicht mehr versuche, ein Treffen zu unterminieren oder, was aus seiner Sicht noch besser wäre: zu verhindern. Er versuche hingegen sicherzustellen, dass Nordkorea bereit sei, möglichst weitreichende Zugeständnisse zu machen.

Im vergangenen Monat hatte er Libyen als Beispiel dafür genannt, wie eine Entwaffnung des nordkoreanischen Regimes aussehen könnte. Das kam in Pyongyang denkbar schlecht an. Es ist davon auszugehen, dass Bolton diese Verärgerung nicht nur in Kauf genommen, sondern bewusst herbeigeführt hatte. Er gilt als aussenpolitischer Hardliner, dem es wichtig ist, dass die USA Stärke demonstrieren. Er würde auch vor militärischen Interventionen nicht zurückschrecken.

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