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Donald Trump setzt auf beruhigende Tweets

Die Fallzahlen sind tief – weil in den Vereinigten Staaten wenig getestet wird.

«Das Virus ist gut unter Kontrolle»: Donald Trump Foto: Keystone
«Das Virus ist gut unter Kontrolle»: Donald Trump Foto: Keystone

Nancy Messonnier ist Ärztin. Sie arbeitet für die führende amerikanische Gesundheitsbehörde, die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta. Dort leitet sie jene Abteilung, die sich mit ansteckenden Krankheiten befasst, welche die Atemwege betreffen. Es gibt in der US-Regierungsbürokratie nicht viele Menschen, die sich mit Krankheitserregern wie dem Coronavirus besser auskennen als Nancy Messonnier.

Insofern war es alles andere als trivial, als Messonnier am ­25. Februar vor einer massiven Corona-Krise in den Vereinigten Staaten warnte. «Wir werden eine Verbreitung in diesem Land sehen», sagte sie. «Jetzt ist es an der Zeit, dass Krankenhäuser, Schulen und auch alle Bürger sich darauf vorbereiten.»

Im Weissen Haus war man über diese Warnung, die den Aktienmarkt einbrechen liess, alles andere als erfreut. Präsident Donald Trump war Berichten zufolge verärgert über die Beamtin, deren Botschaft seiner eigenen diametral widersprach. «Das Coronavirus ist gut unter Kontrolle in den USA», hatte der Präsident noch am Tag zuvor getwittert. Offensichtlich ist aber, dass die Trump-Regierung die Bedrohung durch das Virus viel zu lange unterschätzt oder sogar heruntergespielt hat. Der Präsident, so berichten amerikanische Medien, habe sich um die Epidemie kaum gekümmert, solange nur andere Länder betroffen gewesen seien.

Zahlen tief halten

Er habe gedacht, das Coronavirus lasse sich durch Einreisebeschränkungen stoppen. Als das Virus dann in den USA angekommen war, habe Trumps Interesse vor allem darin bestanden, die Fallzahlen im Vergleich zu denen im Ausland möglichst gering zu halten, heisst es in Berichten. Und dieses Ziel ist dem Präsidenten, der mitten im Wahlkampf steckt, offenbar immer noch wichtig. Am Freitag beklagte er, dass die Evakuierung eines Kreuzfahrtschiffes, das mit Corona-Infizierten an Bord vor Kalifornien liegt, dazu führen würde, dass die Zahl der Patienten in den USA steigen würde.

Dabei kann man wohl davon ausgehen, dass die derzeitigen Fallzahlen in den USA ohnehin nur deshalb verhältnismässig gering sind, weil im Land kaum getestet wird. Anstatt einen vorhandenen Test der Weltgesundheitsorganisation zu nutzen, um möglichst viele Verdachtspersonen auf das Virus zu überprüfen und die Übertragungsketten zu finden, entwickelten die CDC zunächst einen eigenen Test. Dieser stellte sich allerdings als fehlerhaft heraus.

Eine grosse Zahl von unentdeckten Infizierten, die weiter zur Arbeit gehen – das ist freilich eine Garantie dafür, dass die Epidemie grösser wird.

Ob es inzwischen ausreichend grosse Testkapazitäten gibt, ist unklar. Trump behauptete am Freitag, dass alle Personen, die getestet werden wollen, auch getestet werden können. Allerdings gibt es Berichte, dass in manchen Gegenden, in denen besonders viele Corona-Fälle aufgetaucht sind, immer noch nicht alle Betroffenen getestet werden können.

Die offiziellen Fallzahlen bilden die Realität vermutlich nicht sehr genau ab. Zumal diese Zahlen stark schwanken: Nach Angaben der CDC hat das Coronavirus in den USA bisher – Stand Sonntag – 164 Menschen infiziert, elf Amerikaner sind daran gestorben. Die Johns-Hopkins-Universität hat deutlich höhere Zahlen ermittelt: 436 Infizierte und 17 Tote. Welche dieser Zahlen stimmen und wie hoch die Dunkelziffer ist, weiss niemand.

Das hat auch mit dem Gesundheitswesen in den USA zu tun. Da es in Amerika keine allgemeine Krankenversicherung gibt, verzichten viele Menschen auf eine medizinische Behandlung, zumal wenn sie nur Fieber oder Husten haben. Die meisten Amerikaner können es sich auch nicht leisten, eine oder zwei Wochen zu Hause zu bleiben. Eine grosse Zahl von unentdeckten Infizierten, die weiter zur Arbeit gehen – das ist freilich eine Garantie dafür, dass die Epidemie grösser wird. Mit beruhigenden Tweets lässt sich das Virus nicht eindämmen.

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