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«Diese Aussage war dumm»

Bei einem Auftritt in Houston versuchte Mitt Romney, mit der schwarzen Wählerschaft anzubandeln, scheiterte aber hochgradig: Als er die Politik von Barack Obama angriff, erntete der Republikaner gar Buhrufe.

Mitt Romney und die Afroamerikaner: eine Beziehung, die bisher wenig fruchtbar erschien. Während der Republikaner gemäss aktuellen Umfragen praktisch gleichauf mit Barack Obama liegt, gestaltet sich sein bisheriges Werben um schwarze Wählerstimmen nicht sehr erfolgreich.

Gestern wagte sich Romney gewissermassen in die Höhle des Löwen und trat in Houston vor den schwarzen Bürgerrechtsverband (NAACP). Mit seinen Äusserungen untermauerte der Republikaner seine Annäherungsversuche an die Ethnie, die in den USA mehr als 13 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. In den Südstaaten ist gar jeder Zweite afroamerikanischer Abstammung. «Wenn Sie einen Präsidenten wollen, der die Dinge für die afroamerikanische Community verbessert – dann sehen Sie ihn gerade», rief Romney den Vertretern des NAACP zu.

«Dafür gebe ich Romney die Note F»

Schwierig gestaltete sich der Auftritt des designierten Präsidentschaftskandidaten, als er die Politik von Barack Obama angriff. Konkret ging es um die umstrittene Gesundheitsreform, die Ende Juni vom Obersten Gerichtshof als verfassungskonform erklärt wurde, bei den Republikanern aber immer noch auf erbitterten Widerstand stösst: «Ich werde jedes nicht unbedingt notwendige und teure Ausgabenprogramm abschaffen, das ich finden kann. Das beinhaltet auch Obamacare», sagte Romney.

Mit seinem erneuten Wahlversprechen, die Reform des Präsidenten wieder abzuschaffen, löste er lautstarke, anhaltende Proteste aus (siehe Video). Eine derartige öffentliche Empörung war Romney bei seinen bisherigen öffentlichen Auftritten noch nicht entgegengeschlagen. «Diese Aussage war dumm», sagte ein Vertreter des NAACP. «Dafür gebe ich Romney die Note F», sagte ein anderer Zuschauer. Die Gesundheitsreform sieht vor, insgesamt rund 32 Millionen US-Bürger in das staatliche System der Krankenversicherung und Gesundheitsversorgung aufzunehmen. Die meisten Afroamerikaner unterstützen das prestigeträchtige Projekt von Obama.

Die Beziehung von Romney mit den Afroamerikanern gestaltet sich seit Beginn des Wahlkampfes schwierig. Während sich seine republikanischen Mitbewerber Gingrich, Santorum und Paul mit Auftritten vor schwarzen Verbänden aktiv auf Stimmenfang begaben, so existiere von Romney nicht einmal ein Foto, auf dem er sich mit schwarzen Vertretern zeige. «Wo sind Romneys Schwarze», schrieb die «Philadelphia Tribune» in einem Artikel, der die schwierige Beziehung von Romney mit den Afroamerikanern beschreibt.

95 Prozent der Afroamerikaner wählten Obama

Bei der gestrigen Veranstaltung in Houston erntete Romney vereinzelt auch verhaltenen Applaus. Etwa dann, als er versprach, neue Jobs zu schaffen und das Bildungssystem zu verbessern. Romneys Wahlkampfteam beschrieb die Reaktion später als «donnernden Applaus».

Bei der letzten Wahl erhielt Barack Obama noch 95 Prozent der afroamerikanischen Stimmen. Mit den Buhrufen in Houston dürfte sich an diesem Umstand vorerst wenig verändern.

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