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Der US-General, der seinem Präsidenten widerspricht

Von Donald Trump heftig kritisiert, erhält Deutschland Unterstützung von einem, der es wissen muss: dem Nato-Oberbefehlshaber.

«Deutschland ist eine Geisel Russlands»: Trump eröffnete den Nato-Gipfel mit Kritik an Deutschland. (Video: AFP/Tamedia)

Nach heftigen Attacken durch US-Präsident Donald Trump hat Nato-Oberbefehlshaber Curtis Scaparrotti Deutschland gegen Kritik in Schutz genommen. «Deutschland ist ein exzellenter Alliierter», sagte Scaparrotti gegenüber Redaktion Tamedia. Es sei der zweitgrösste Truppensteller in der Allianz, hob der US-General hervor. Ausserdem spiele es in den baltischen Staaten wie auch in Afghanistan eine wichtige Rolle. Scaparrotti lobte auch den beim Nato-Gipfel beschlossenen Aufbau eines Kommandozentrums für Material- und Truppentransporte in Ulm. «Das ist grossartig und macht wirklich einen Unterschied für die Allianz», sagte er.

Trump hatte beim Nato-Gipfel am Mittwoch und Donnerstag vor allem an Deutschland scharfe Kritik geübt, weil es seine Verteidigungsausgaben zu langsam anhebe. An Deutschland habe es während des Gipfels nicht nur Kritik gegeben, betonte Scaparrotti. «Wir wissen in der Allianz, welchen Beitrag Deutschland leistet, welche Fähigkeiten es beisteuert.»

Scaparrotti betonte allerdings, dass auch aus seiner Sicht Deutschland seine Anstrengungen verstärken muss. «Wir als Nato weisen auf Fähigkeitslücken hin. Die werden im Einklang mit den eigenen Plänen geschlossen. Ich bin zuversichtlich, dass Deutschland das tun wird», sagte er. Kanzlerin Angela Merkel bekannte sich beim Nato-Gipfel zum erneuerten Ziel der Nato, Verteidigungsausgaben bis 2024 von mindestens 2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) anzustreben. Als eigenes Ziel nannte Berlin bislang lediglich einen Anstieg von derzeit 1,24 auf 1,5 Prozent des BIP bis 2024.

«Harmonie? Das ist nicht die Welt, in der wir leben»

Überlegungen für eine Verlegung der US-Truppen aus Deutschland gibt es gemäss Scaparrotti nicht. Als US-Kommandant sei er «sehr zufrieden mit der Beziehung, die wir haben». Im Juni hatte die «Washington Post» berichtet, das US-Verteidigungsministerium prüfe auf Geheiss von Trump die Verlegung des grössten Teils der 35'000 US-Soldaten in Deutschland nach Osteuropa. Stationierungen würden «immer im Licht der Lage» überprüft, sagte Scaparrotti.

In den Auseinandersetzungen beim Nato-Gipfel sieht Scaparrotti keine Gefahr für die Allianz. «Würden wir uns nicht alle Harmonie wünschen? Aber das ist nicht die Welt, in der wir leben. Die Stärke unserer Allianz besteht darin, dass wir Klartext reden und eine Lösung finden können.» Scaparrotti fügte hinzu: «Deshalb gibt es diese Allianz seit 70 Jahren und wird sie weiter geben. Eine Allianz, die Konflikten aus dem Weg geht, würde mir mehr Sorgen bereiten.»

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