Der mächtigste Schwiegersohn der Welt

Jared Kushner (35) darf sich mit Fug und Recht der «mächtigste Schwiegersohn der Welt» nennen. Donald Trump machte den Immobilien-Unternehmer zum Chefberater im Weissen Haus. Lieblingstochter Ivanka wird Hausfrau.

Ein unbestechlicher Berater, der seine Ambitionen ganz in den Dienst des Präsidenten stellt: Jared Kushner, Trumps Chefberater im Weißen Haus.

Ein unbestechlicher Berater, der seine Ambitionen ganz in den Dienst des Präsidenten stellt: Jared Kushner, Trumps Chefberater im Weißen Haus. Bild: Keystone

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Der junge Mann mit den freundlichen Lachgruben im Gesicht hat vieles mit dem künftigen US-Präsidenten gemeinsam. Wie dieser kam er als Sohn eines erfolgreichen Bau-Unternehmers zur Welt. Sein Vater Charles Kushner machte wie Fred Trump Milliarden mit Immobilien in New York. Doch beiden Söhnen fehlte die Anerkennung in der High Society am Big Apple.

Donald Trump strebte sein ganzes Leben danach, Zugang zu den Eliten der Stadt zu finden. Er fand mit dem Trump-Tower seinen Platz im Herzen Manhattans, das ihn bis heute nicht liebt. Auch Jared Kushner jagt einer Reputation hinterher, die seine Familie verlor, als sein Vater vor zehn Jahren wegen Steuerhinterziehung, Korruption und Zeugenbeeinflussung hinter Gitter wanderte.

Während Trump es nie schaffte, das Halbseidene hinter sich zu lassen, litt Kushner darunter, akademisch nicht Ernst genommen zu werden. In einem Bestseller über die Käuflichkeit der Ivy-League-Schulen («The Price of Admission») hatte der Autor Daniel Golden 2006 die Aufnahme Jared an die Harvard-University zum Musterbeispiel für die Bestechlichkeit der Elite-Universitäten gemacht.

Die jüngere Version von Trump

Jared fand sich wie sein Schwiegervater in der Rolle des Aussenseiters wieder. Das mag erklären, warum sich die beiden Männer einander so nahe fühlen. Zusätzlich verbunden durch eine Frau, die Vater und Schwiegersohn abgöttisch verehren.

«Er sieht in Mr. Kushner eine jüngere Version von sich selbst», schreibt die New York Times über das narzisstische Verhältnis Trumps zu dem Mann, der gerade einmal halb so alt ist wie er selber.

Matthew Yglesias, der mit Jared in Harvard studierte, beobachtet in einem Porträt für das Online-Magazin VOX, die beiden seien getrieben von der «Rache an der kulturellen Elite, die sich über sie lustig machten».

Genau das ist das psychologische Bindeglied zwischen den beiden Milliardären und ihren oft wenig betuchten Anhängern in der Provinz. Wie diese pflegen Donald und Jared ausgeprägte Ressentiments gegen die High Society, die ihnen die Anerkennung verweigerte.

Des Vaters Nähe zum Ku-Klux-Klan

Charakterlich unterscheiden sich die beiden in vielerlei anderer Beziehung. Kushner ist ein orthodoxer Jude, dessen Grosseltern Überlebende des Holocaust sind. Trump stammt aus einer Familie, die ihre Wurzeln im pfälzischen Kallstadt hat. Sein Vater wird eine Nähe zum Ku-Klux-Klan nachgesagt, der nicht nur rassistisch, sondern auch anti-semitisch war.

Kein Wunder, dass es dem Schwiegersohn zufällt, Trump vom Vorwurf des Antisemitismus freizusprechen. Beobachter meinen, Kushners Hilfe bei der Formulierung der Rede vor der einflussreichen Israel-Lobby «AIPAC» sei gewesen, die ihm seinen Platz im Universum des künftigen Präsidenten für immer gesichert habe.

Gerade weil die Rede nicht auffiel, half sie dem Kandidaten, der sich kurz vorher mit dem Versprechen der Neutralität im Palästinenserkonflikt in die Nesseln gesetzt hatte. Kushner zementierte damit seine Rolle als Intimus Trumps, der täglich den Rat seines politisch genauso unerfahrenen Schwiegersohns einholt.

Analysten räumen ein, dass dieser gar nicht so schlecht war. So sorgte Jared dafür, den unflätigen Wahlkampfmanager der Vorwahlen, Corey Lewandowski, kaltzustellen. Dann riet er seinem Schwiegervater, Loyalisten zu übergehen, und stattdessen den Konservativen Mike Pence als «Running Mate» zu berufen.

Ohne jegliche Erfahrung

Schliesslich rächte sich Kushner an Chris Christie, der als Generalstaatsanwalt von New Jersey seinen Vater ins Gefängnis schickte. Jared sorgte nach dem Wahlsieg Trumps dafür, Christie und dessen Verbündete aus dem Übergangsteam zu entfernen.

Nach dem Motto «wer zuletzt lacht, lacht am besten» findet sich Kushner nun in einer unwahrscheinlichen Rolle wieder. Von niemandem gewählt, ohne jegliche Erfahrung mit öffentlichen Ämtern oder Verbündete in der Politik nimmt er nun Einfluss auf die Politik der Supermacht.

Trump traut ihm, weil er so ist, wie er selber: Niemandem ausser sich selbst verpflichtet. Wobei sein Schwiegersohn im Unterschied zu ihm eine eher ausgleichende Persönlichkeit hat. Dennoch ist die Wahl Kushner nicht unumstritten. Einige Analysten sehen in ihr ein Verstoss gegen ein Gesetz das Vetternwirtschaft ausdrücklich verbietet. Im Umfeld Trump hiess es, bei der Berufung seiner Ratgeber habe der Präsident mehr Spielraum.

An dem mächtigen Schwiegersohn wird im Weissen Haus kein Weg vorbeiführen. Als Chefberater könnte er für Trump werden, was Robert Kennedy für seinen Bruder John F. war - ein unbestechlicher Berater, der seine Ambitionen ganz in den Dienst des Präsidenten stellte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.01.2017, 09:20 Uhr

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