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Amazon lässt Supermärkte erzittern

Der US-Internetriese Amazon lehrt mit der Übernahme von Whole Foods den Lebensmittelhandel in den USA das Fürchten. Der Preiskampf zwingt die Konkurrenz zum Umdenken.

Einkauf bei Whole Foods: Mit der Übernahme der US-Biokette lanciert Amazon einen Preiskampf in der amerikanischen Lebensmittelbranche.
Einkauf bei Whole Foods: Mit der Übernahme der US-Biokette lanciert Amazon einen Preiskampf in der amerikanischen Lebensmittelbranche.
Keystone

Schon beim Betreten des hippen Whole-Foods-Markts an der P-Street in Washington erfährt der Kunde, wer der neue Herr im Haus ist. In der Frischabteilung, zwischen Bananen, Blaubeeren und Broccoli, bietet die Biokette den elektronischen Einkaufsassistenten «Echo» feil. «Ernte der Saison» steht auf den Papptafeln, die das Sonderangebot bewerben.

In nicht allzu ferner Zukunft, so die Vision von Jeff Bezos, der die Edelsupermarktkette für den Rekordpreis von 13,7 Milliarden Dollar im Juni erworben hat, brauchen die Kunden daheim nur noch vor sich hinzusprechen, und schwups steht der Amazon-Lieferant mit den Lebensmitteln vor der Tür.

So weit ist es noch nicht. Aber die Schnittmenge ist da. Nach Schätzungen von Branchenexperten verfügten 70 Prozent aller Whole-Foods-Kunden schon vor der Übernahme über das «Prime» genannte Lieferabo von Amazon. Allerdings gibt sich der neue Besitzer keinen Illusionen hin, dass ein guter Teil der Kundschaft einfach gerne in die Läden kommt.

Kampfansage an Walmart

Ein Teil des Erfolgs der 460 ­Whole-Foods-Märkte in Amerikas besten Geschäfts- und Wohnlagen basiert auf dem Einkaufserlebnis. So auch in der P-Street in der US-Hauptstadt, wo Kunden neue Produkte kosten und fertige Gerichte konsumieren können. Wer es bis jetzt noch nicht mitbekommen hat, weiss spätestens seit diesem Wocheneinkauf, dass sich etwas verändert hat. Zum Beispiel die rote Tafel, die in einem Berg aus organisch angebauten «Fuji»-Äpfeln steckt. «Früher 3,49 Dollar das Pfund», informiert das Schild. «Der neue niedrige Preis: 1,99 Dollar.»

Für Analysten liegt es auf der Hand, dass Amazon an der Stelle ansetzt, die zuletzt das Wachstum von Whole Foods zum Stocken brachte. Mit Preisen, die laut Morgan Stanley im Schnitt 15 Prozent über denen der Konkurrenz lagen, bewegte sich die Kette in einem Biotop aus Besserverdienern und Überzeugungstätern. Amazons Einstieg in das 600-Milliarden-Dollar-Geschäft für Lebensmittel ist eine Kampfansage an Giant, Publix, Safeway, Target, Walmart und all die anderen Supermärkte, die in Whole Foods bisher keine Gefahr sahen.

Nach Ansicht von Branchenkenner Mark Ordan hat der Wettbewerb allen Grund, die Expansionspläne Amazons zu fürchten. «Ein guter Händler wie Amazon, der bei weitem über die beste Logistik verfügt, kann sehr viel effizienter als jede Supermarktkette sein.»

Schon jetzt bietet Amazon die unverderblichen Eigenmarken von Whole Foods über seinen Lieferdienst «Amazon Fresh» an. Eine Alternative ist «Amazon Fresh Pick-up», bei der Kunden die vorher im Internet bestellte Ware im Geschäft fertig gepackt abholen. Der Konzern experimentiert unter dem Logo «Amazon Go» auch mit kassenlosen Bezahlsystemen.

«Das gesamte Erlebnis wird sich verändern», sagt Ordan nicht weniger als eine Zeitenwende in der Branche voraus. «Die Art, wie Menschen einkaufen und bezahlen, wird sich revolutionieren.»

Konkurrent reagiert

Die Walmart-Kette, die zehnmal so viel Geschäfte wie Whole Foods betreibt, reagierte umgehend. Kurz nach der Übernahme kündigte Walmart eine Kooperation mit Google an, das den lukrativen Onlinemarkt nicht Bezos überlassen will. Schon bald sollen Walmart-Kunden ihre Waren via der «Google Home»-Assistenten bestellen können.

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