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Al Capone im Weissen Haus

Informanten als Ratten, standfeste Zeugen als Vorbilder: Donald Trump pflegt den Jargon der Mafia.

Pflegte früher Geschäftsbeziehungen zur russischen sowie US-Mafia: Präsident Trump spricht mit der Presse vor dem Weissen Haus am 17. August 2018.
Pflegte früher Geschäftsbeziehungen zur russischen sowie US-Mafia: Präsident Trump spricht mit der Presse vor dem Weissen Haus am 17. August 2018.
Mark Wilson/Getty Images
Richard Nixons Rechtsbeistand John Dean wurde von Trump explizit als «Ratte» beschimpft: Dean am 11. Juni 2012 in Washington.
Richard Nixons Rechtsbeistand John Dean wurde von Trump explizit als «Ratte» beschimpft: Dean am 11. Juni 2012 in Washington.
AP Photo/Alex Brandon, Keystone
Man versuche, Donald Trump «in Al Capone» zu verwandeln: NRA-Sprecherin Dana Loesch an einer Konferenz in Maryland im Februar 2018.
Man versuche, Donald Trump «in Al Capone» zu verwandeln: NRA-Sprecherin Dana Loesch an einer Konferenz in Maryland im Februar 2018.
EPA/Jim Lo Scalzo, Keystone
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Wenn der Präsident mit einem Mafia-Boss verglichen wird, stehen die Zeichen in Washington erkennbar auf Sturm. Nach Donald Trumps schrecklicher Woche, in der alte Verbündete von ihm abfielen, um gegen Immunität oder vielleicht Strafminderung ihr Wissen preiszugeben, kündigen sich den Amerikanern interessante Zeiten an.

Das Niveau der politischen Auseinandersetzung ist auf ein Rekordtief gesunken, es wird gewiss noch weiter fallen. Denn Trump selbst belebt den Vergleich seiner Präsidentschaft mit einer Mafia-Veranstaltung. So beschimpfte er vergangene Woche Richard Nixons Rechtsbeistand John Dean als «Ratte», weil Dean beim Watergate-Skandal 1973 die Seiten gewechselt und als Zeuge gegen Nixon ausgesagt hatte. Auch Trumps früherer Anwalt Michael Cohen ist für den Präsidenten offensichtlich eine Ratte. Wer in den 70er, 80er und 90er Jahren beim Krieg des US-Staats gegen die Mafia-Familien umfiel und «sang», galt intern als «Ratte».

Trumps Anwalt vertrat zuvor «Fat Tony» und Gotti

Das Vokabular der «ehrenwerten Gesellschaft» beherrscht Trump nicht nur, weil er Geschäftsbeziehungen zur russischen wie zur einheimischen Mafia pflegte. Sein Anwalt und Mentor Roy Cohn, als Helfer des Kommunistenjägers Joe McCarthy in den 50er Jahren einer der infamsten Figuren in der Geschichte der amerikanischen Hauptstadt, vertrat später Mafia-Grössen wie Anthony «Fat Tony» Salerno und Carmine «The Cigar» Galante. Auch John Gotti, Boss der Gambino-Familie, war ein Mandant Cohns.

Der Präsident «handelt und klingt wie ein Mafia-Boss», reagierte John Dean auf Trumps Beleidigung. Geteilt wird diese Einschätzung vom ehemaligen FBI-Direktor James Comey, der in seinen im April erschienenen Erinnerungen das erste Zusammentreffen mit dem neuen Präsidenten mit einem Besuch bei einem Mafia-Don verglich. Trump hatte von Comey absolute Loyalität eingefordert, obschon der Posten des FBI-Direktors traditionell politische Unabhängigkeit verlangt.

Unbedingte Loyalität gegenüber dem Boss ist in der Tat ein Markenzeichen der Mafia. Vor Jahren verbrachte ich mehrere Tage mit Salvatore «Bill» Bonanno, dem Sohn des berühmten Kopfs der Bonanno-Familie, Joe «Bananas» Bonanno. Bill, der zuerst in die Fusstapfen des Vaters getreten war, ehe er sich anders besann, rühmte die Loyalität innerhalb der Mafia-Familien. Als sie zu bröckeln begann und Mafiosi ihre Kumpane und Bosse bei den Staatsanwälten verpfiffen, um ihre eigene Haut zu retten, implodierte die ehrenwerte Gesellschaft.

«Ich kenne mich aus beim ‘Umdrehen’»

Nicht viel besser steht es um Trump: Langjährige Gefährte des Präsidenten packen aus, Trump wiederum pries Paul Manafort, weil der Ex-Wahlkampfmanager bislang standhaft geblieben und nicht zum Russland-Sonderermittler Robert Mueller übergelaufen ist. «Ich kenne mich aus beim ‘Umdrehen’, ich habe 30, 40 Jahre lang Wendehälse beobachtet», kommentierte der Präsident das Schuldgeständnis seines Ex-Anwalts Michael Cohen.

Natürlich war es Trump nicht entgangen, als nach 1980 ein New Yorker Mafioso nach dem anderen seinen Treueschwur brach und bei der Justiz auspackte. Sie wurden «umgedreht» wie etwa Salvatore «Sammy the Bull» Gravano, der John Gotti hinter Gitter zu bringen half. Informanten seien «Läuse», schrieb Joe Bonanno in seinen 1983 publizierten Memoiren: Wenn ein Mann seine Freunde verrate und der Polizei vorsinge, «betrügt er sich selbst».

Trump hätte es nicht treffender sagen können. Das «Umdrehen» von Leuten sollte «fast illegal» sein, twitterte er vergangene Woche. Man versuche, Donald Trump «in Al Capone» zu verwandeln, klagte Dana Loesch, Sprecherin der Schusswaffenlobby NRA und eine wortstarke Anhängerin des Präsidenten. Wie der Ober-Gangster aus Chicago werde Trump solange verfolgt, bis ihm etwas angehängt werden könne, so Loesch.

«Meine Reputation ist grösstenteils ein Produkt von Übertreibung und Ignoranz, viel davon ist kompletter Unsinn, denn das Leben ist reicher, tiefer und unermesslich komplexer, als es die Medien wahrhaben wollen», rechtfertigte sich Joe Bonanno in seiner Autobiografie. Trump würde ihm hundertprozentig zustimmen.

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