Wie russische Trolle die Amerikaner beeinflussten

Die Anklageschrift der US-Justiz gegen ein Dutzend Russen listet detailliert auf, wie findig die Aktivisten im Wahlkampf 2016 offenbar vorgingen.

In diesem Gebäude in St. Petersburg soll sich die «Trollfabrik» befinden, welche sich seit 2016 in den US-Wahlkampf eingemischt haben soll. (AP Photo/Mstyslav Chernov)

In diesem Gebäude in St. Petersburg soll sich die «Trollfabrik» befinden, welche sich seit 2016 in den US-Wahlkampf eingemischt haben soll. (AP Photo/Mstyslav Chernov)

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An einem Samstag im August 2016 gab es bei einer Kundgebung in Florida etwas Besonderes zu sehen. Eine Frau, die aussah wie Hillary Clinton, stand in Häftlingskleidung in einem Käfig, der auf der Ladefläche eines Trucks aufgebaut war. Die Frau war eine Schauspielerin, angeheuert von den Organisatoren der Kundgebung, die sich «Florida for Trump» nannte.

Was niemand, der an der Kundgebung teilnahm, wusste: Mit der Kampagne des republikanischen Präsidentschaftskandidaten hatte die Aktion nichts zu tun. Es handelte sich um eine verdeckte Operation russischer Aktivisten.

Hauptsächlich Angriffe auf Hillary Clinton

Die Episode ist eine von zahlreichen, die sich in der 37 Seiten langen Anklageschrift finden, welche die Behörde von Sonderermittler Robert Mueller am Freitag veröffentlicht hat. Er hat gegen 13 russische Personen und drei Organisationen Anklage erhoben wegen des Versuchs, die US-Präsidentschaftswahlen zu beeinflussen.

Dazu gehörten demnach getarnte Aktivitäten vor Ort: Kundgebungen wie in Florida veranstalteten die Russen auch in New York und in Pennsylvania, dort als «Miners for Trump», Minenarbeiter für Trump. Dazu gehörte auch eine umfangreiche Online-Operation, die sich besonders auf soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram, Twitter und Youtube konzentrierte.

Geplant und durchgeführt wurde die Operation gemäss Anklageschrift von der Internet Research Agency, einer Firma mit mehreren Hundert Mitarbeitern in St. Petersburg, deren Aktivitäten nicht erst seit Muellers Ermittlungen bekannt sind. Neu ist dagegen, wie detailliert die Ermittler nachzeichnen, wie die Trollfabrik in Amerika operierte.

Deren Angestellte, die sich stets als US-Bürger ausgaben, kauften im grossen Stil Werbung auf Facebook. Und sie richteten in sozialen Netzwerken Profile ein, die vorgaben, von Amerikanern zu stammen: das inzwischen gelöschte Twitter-Konto @TEN_GOP etwa, das aussah, als stamme es von der Republikanischen Partei in Tennessee.

Die Russen erreichten Hunderttausende

In einigen Fällen waren die Russen damit sichtlich effektiv. @TEN_GOP hatte mehr als 100'000 Follower, wobei viele von ihnen wahrscheinlich automatisierte Bots waren. Laut US-Medienberichten wurden Tweets dieses Kontos mehrfach auch von Donald Trump Jr. und der Trump-Beraterin Kellyanne Conway verbreitet.

Aktiv waren die Russen auch auf der Plattform Instagram. Die Anklageschrift nennt ein Profil mit dem Namen «Woke Blacks», mit dem versucht worden sei, Begeisterung für die Kandidatin Hillary Clinton unter Schwarzen zu dämpfen. «Hass auf Trump führt die Leute in die Irre und zwingt Schwarze, Killary zu wählen», hiess es dort etwa – «Killary» setzt sich aus den Wörtern «kill», töten, und Clintons Namen zusammen.

Identitäten echter US-Bürger geklaut

Angriffe auf Clinton gehörten laut der US-Justiz zu einer der Hauptaktivitäten der Russen. Diese engagierten sich demnach in den demokratischen Vorwahlen für Clintons Konkurrenten Bernie Sanders, später auch für Drittkandidaturen wie die der Grünen Jill Stein. Grosse Reichweite erzielten diese Kommentare, weil die Zentrale in St. Petersburg ausgeklügelte Mechanismen verwendet haben soll, um die eigenen Aktivitäten zu optimieren. So wurde der russische Betreuer einer Anti-Clinton-Gruppe auf Facebook gerügt, weil er zu wenige kritische Beiträge verfasste.

Ein Ziel der Russen war dabei laut Anklageschrift stets, nicht enttarnt zu werden. Dafür stahlen sie Identitäten echter US-Bürger und benutzten amerikanische IT-Infrastruktur, um ihren Standort in Russland zu verschleiern. Dennoch wurden bis September 2017 Anzeichen für russische Beeinflussungsversuche öffentlich bekannt, auch die US-Justiz ermittelte bereits.

In Muellers Anklageschrift ist nachzulesen, wie eine der nun angeklagten Russinnen an einen Verwandten schrieb: «Wir hatten hier eine kleine Krise bei der Arbeit: Das FBI hat unsere Aktivitäten auffliegen lassen (kein Witz). Ich war deshalb damit beschäftigt, Spuren zu verwischen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.02.2018, 21:12 Uhr

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