Wenn Muslime am 11. September fröhlich feiern

Der Mondkalender, nach dem sich im Islam die Abfolge religiöser Feiertage richtet, sorgt in diesem Jahr in den USA für eine pikante Konstellation: Das Fest Eid al Fitr fällt auf die Zeit um den 11. September.

Hier gab es noch keine Konflikte: Muslime in Brooklyn, New York, feiern Eid al Fitr am 20. September 2009.

Hier gab es noch keine Konflikte: Muslime in Brooklyn, New York, feiern Eid al Fitr am 20. September 2009.

(Bild: AFP)

Eid al Fitr ist einer der wichtigsten muslimischen Feiertage, eine Zeit fröhlichen Feierns. Muslimische Würdenträger befürchten nun, dass das Fest des Fastenbrechens in diesem Jahr von Aussenstehenden falsch interpretiert werden könnte - nämlich als Feier der Terroranschläge vor neun Jahren.

Die Fastenzeit dauert je nach Mondphase 29 oder 30 Tage, Eid al Fitr beginnt mit dem Auftauchen der neuen Mondsichel. Die Sichtbarkeit des zunehmenden Mondes kann in verschiedenen Teilen der Welt variieren. In Nordamerika könnte das Fastenbrechen in diesem Jahr auf Donnerstag, den 9., Freitag, den 10., oder Samstag, den 11. September, fallen. Die Feierlichkeiten dauern drei Tage.

Wie die christlichen Weihnacht

In seiner Bedeutung für Muslime wird Eid al Fitr mit der christlichen Weihnacht verglichen. Selbst viele Muslime, die sonst selten Gebetshäuser aufsuchen, gehen dann in die Moschee. Man kleidet sich festlich, in der Familie werden Geschenke ausgetauscht. Häufig wird die Wohnung geschmückt, Freunde und Verwandte werden zum Essen und geselligen Beisammensein eingeladen.

Doch in diesem Jahr könnte das Feiern missverstanden werden. Der Muslimische Rat für öffentliche Angelegenheiten in Los Angeles hat bereits Kontakt zu Polizei und Justizbehörden aufgenommen und auf die zeitliche Überschneidung des Festes mit dem Jahrestag der Anschläge aufmerksam gemacht. Der Islamische Rat von Nordamerika, der sonst zu Eid al Fitr Veranstaltungen für muslimische Familien in Vergnügungsparks organisiert, plant für diesen 11. September nichts. Einer der Initiatoren der Veranstaltungsreihe, Tariq Amanullah, arbeitete im World Trade Center und kam bei den Anschlägen vor neun Jahren ums Leben.

«Wie gehen wir angemessen damit um?»

Der Rat für amerikanisch-islamische Beziehungen (CAIR), eine Bürgerrechtsgruppe mit Sitz in Washington, hat Moscheen dazu aufgerufen, die Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. Er sehe förmlich schon die Hass-Seiten im Internet vor sich, auf denen Dinge zu lesen seien wie «Diese Muslime feiern am 11. September», sagt CAIR-Sprecher Ibrahim Hooper. «Es wird wirklich immer beängstigender.»

In diesem Jahr sind viele Muslime in den USA besonders besorgt um ihre Sicherheit. In den vergangenen Monaten wurden Moscheen in verschiedenen Landesteilen Zielscheibe von Protesten und Vandalismus. Und die Debatte um eine geplante Moschee und ein islamisches Zentrum in der Nähe von Ground Zero erhitzt landesweit die Gemüter.

Den Beginn der Feiertage verschieben?

Haroon Moghul, ein führender islamischer Geistlicher in New York, sagt, der diesjährige Eid al Fitr sei in den Moscheen seit Monaten ein Thema. «Als wir gemerkt haben, dass der Ramadan zu etwa dieser Zeit enden würde, haben sich viele Leute zusammengesetzt und überlegt: Wie gehen wir damit angemessen um?», sagt Moghul. Die meisten New Yorker Muslime würden wohl nicht so feiern, wie sie das normalerweise täten, sagt er und verweist darauf, dass viele bei der Zerstörung des World Trade Centers Angehörige verloren hätten. Viele Imame in der Stadt planten Predigten über den Umgang mit Verlust und Trauer. «Es ist für alle ein sehr schmerzhafter Tag.»

Dennoch wollen er und viele andere führende Muslime das Fest nicht so verändern, dass es den Anschein erwecke, als ob sie jenen nachgäben, die Vorbehalte gegen jegliche muslimische Religionsausübung haben. Einige Kritiker haben vorgeschlagen, die Muslime sollten den Beginn der Feiertage verschieben. «Das ist, als ob man beleidigt wäre, wenn 9/11 und Weihnachten auf den selben Tag fielen», sagt Safaa Zarzour, Generalsekretär der Islamischen Gesellschaft von Nordamerika, die Zehntausende Mitglieder hat. «Das hat etwas Beunruhigendes.»

Predigten gegen Terror und Extremismus geplant

Die 35-jährige Yvonne Maffei aus Des Plaines in Illinois sagt, sie und ihr Mann wollten Eid al Fitr wie immer begehen - mit Gebeten in einer Moschee, einem anschliessenden Brunch und dann Besuchen bei Freunden. «Ich glaube, die meisten Amerikaner verstehen den Wert religiöser Feiertage im Leben eines Menschen», sagt Maffei, Herausgeberin des Blogs «My Halal Kitchen», der islamisch korrekte Rezepte vorstellt. Und schliesslich werde mit dem Fest das Ende des heiligen Monats Ramadan gefeiert, in dem Gläubige fasteten und versuchten, Allah näher zu kommen.

Rizwan Jaka, Vorstandsmitglied der Muslimischen Gesellschaft im Grossraum Dulles bei Washington, sagt, dass sich der Moscheeverein vorab mit andersgläubigen Partnern in Verbindung setzen werde. Der Vorstand habe vor einigen Wochen beschlossen, in den Feiertagspredigten Terror und Extremismus zu verurteilen. Ausserdem werde die Moschee wie jedes Jahr ökumenische Gedenk- und Friedensveranstaltungen zum Jahrestag der Anschläge veranstalten. «Wir werden sicherstellen, dass unsere Nachbarn und Freunde verstehen, dass wir alle als Amerikaner fest für Frieden und eine Atmosphäre des Respekts einstehen.»

dapd Rachel Zol

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