Warum hat Novartis 1,2 Millionen an Trumps Ex-Anwalt gezahlt?

Donald Trumps Affären um Stormy Daniels und Russland – und mittendrin steckt sein Ex-Anwalt Michael Cohen. Antworten zu vier Fragen zum Cohen-Gate.

Ein Ärgernis für Donald Trump: Pornostar Stormy Daniels.

Ein Ärgernis für Donald Trump: Pornostar Stormy Daniels. Bild: AFP

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Michael Cohen war einer von Donald Trumps Rechtsanwälten. Als «Ausputzer» hatte Cohen die Aufgabe, für Trump viele unangenehme Angelegenheiten zu bereinigen. Cohen steht inzwischen im Fokus von Ermittlungen des FBI und von Robert Mueller, dem Sonderermittler in der Russland-Affäre. Von Interesse ist die Cohen-Firma Essential Consultants, respektive die Transaktionen dieser Briefkastenfirma. Essential Consultants erhielt von Oktober 2016 bis Anfang 2018 über 4,4 Millionen Dollar.

Die neuesten Enthüllungen stammen von Stormy Daniels' Anwalt Michael Avenatti. Die «New York Times» und der TV-Sender NBC News haben Dokumente eingesehen, die Avenattis Angaben stützen. Der umtriebige Daniels-Anwalt veröffentlichte eine Zusammenfassung seiner Enthüllungen im Internet.

Welche Rolle spielt die Cohen-Firma in den Ermittlungen zur Russland-Affäre?
Die Firma Columbus Nova soll rund 500'000 Dollar in acht einzelnen Zahlungen an die Cohen-Firma überwiesen haben. Columbus Nova steht unter der Kontrolle des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg und seines Cousins Andrew Intrater. Gemäss Columbus Nova handelt es sich um Beratungshonorare für Anwalt Cohen in Zusammenhang mit Geschäften in den USA. Es ist unklar, ob die Überweisungen ungebührlich oder gar illegal gewesen sind. «Herr Cohen hat diese Zahlungen unerklärlicherweise angenommen, als er der persönliche Anwalt des Präsidenten war», heisst es in Avenattis Dokument. Vekselberg, der seit Jahren in der Schweiz lebt, gehört zu jenen Kreml-nahen Geschäftsleuten, die kürzlich mit US-Sanktionen belegt wurden. Laut Medienberichten hatte Intrater für die Amtseinführung Trumps im Januar 2017 250'000 Dollar gespendet. Dabei soll er Cohen kennengelernt haben. Nach Informationen von CNN wurden Vekselberg und Intrater von US-Beamten befragt, die zur mutmasslichen russischen Einmischung in den US-Wahlkampf ermitteln.

Was hat die Vekselberg-Zahlung mit Trumps Affäre um Stormy Daniels zu tun?
Cohen benutzte gemäss Daniels-Anwalt Avenatti und «New York Times» Essential Consultants als Tarnfirma für die Auszahlung eines Schweigegeldes von 130'000 Dollar an Stormy Daniels kurz vor den US-Präsidentschaftswahlen 2016. Stephanie Clifford, wie der Porno-Star bürgerlich heisst, hatte 2006 nach eigener Aussage Sex mit Trump. Der US-Präsident bestreitet das. Daniels' Anwalt Michael Avenatti hat nun einen Zusammenhang zwischen den 130'000 Dollar und den Vekselberg-Geldern suggeriert. In einem CNN-Interview sagte am Dienstag Avenatti, dass das vom russischen Oligarchen überwiesene Geld möglicherweise auch verwendet worden sei, um Cohens Konto nach der Zahlung des Schweigegeldes an Daniels wieder aufzufüllen.

Welche Unternehmen neben Columbus Nova überwiesen Geld an Essential Consultants?
Laut «New York Times» sollen mehrere Unternehmen Hunderttausende Dollar an die Firma von Cohen gezahlt haben. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die geschäftliche Beziehungen mit der US-Regierung unterhalten oder Anliegen vor US-Behörden haben. Darunter sind der Telekommunikationskonzerns AT&T, der Flugzeugbauer Korea Aerospace Industries sowie Novartis Investments S.A.R.L., eine Tochterfirma des Schweizer Pharmariesen Novartis. Für diese Transaktionen hat sich auch Sonderermittler Robert Mueller interessiert. Novartis hat gemäss eigenen Angaben «voll und ganz mit dem Büro des Sonderermittlers kooperiert und alle verlangten Informationen zur Verfügung gestellt». Die Angelegenheit sei erledigt.

Wieviel Geld hat Novartis an Cohens Firma gezahlt? Und warum?
Im Fall von Novartis sind rund 1,2 Millionen Dollar an Trumps Ex-Anwalt geflossen. Novartis wollte wohl Einfluss nehmen auf die US-Gesundheitspolitik, so etwa bei den Medikamentenpreisen. Der Pharmakonzern liess heute verlauten, dass ein einjähriger Vertrag mit Essential Consultants (zu marktüblichen Konditionen) im letzten Februar ausgelaufen sei. Der Konzern betonte, dass Novartis-Chef Vasant Narasimhan in keiner Weise in die Sache verwickelt sei. Narasimhan steht seit Februar an der Spitze des Unternehmens. In einer am Abend verschickten Medienmitteilung betonte Novartis, dass die Angelegenheit mit Essential Consultants keinerlei Zusammenhang habe mit dem diesjährigen WEF-Besuch von Donald Trump. Bei einem Abendessen mit Trump waren mehrere Wirtschaftsführer am Tisch, darunter Novartis-Chef Narasimhan. (vin)

Erstellt: 09.05.2018, 19:28 Uhr

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