Trump sorgt für Rekord-Wahlbeteiligung

Noch nie in der Geschichte der USA haben so viele Leute an Zwischenwahlen teilgenommen wie in diesem Jahr.

An den Kongresswahlen stand eine Rekordzahl an weiblichen Kandidaten zur Wahl. Video: Reuters

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Die aktuellen Midterm-Wahlen werden wegen der hohen Stimmbeteiligung in die Geschichtsbücher eingehen: Mehr Bürgerinnen und Bürger denn je haben teilgenommen. Nicht überall waren die Behörden gleich gut gewappnet auf den Ansturm: So bildeten sich vor einigen Wahllokalen lange Schlangen. In einigen Staaten mussten die Wahlen kurzfristig verlängert werden.

Noch sind die Zahlen zur Wahlbeteiligung nicht definitiv. Laut den Statistikern der «New York Times» dürften aber rund 114 Millionen Bürgerinnen und Bürger an den Parlamentswahlen teilgenommen haben – über 30 Millionen mehr als bei den letzten Zwischenwahlen im Jahr 2014. Auf leicht tiefere Werte kommt Michael McDonald von der Universität von Florida, der im Elect-Projekt die Wahlbeteiligungen untersucht: Er rechnet mit dem Rekordwert von 111,5 Millionen Wählerinnen und Wählern, was einer Beteiligung von 47,3 Prozent entspricht.

In der Regel liegt die Wahlbeteiligung bei den US-Zwischenwahlen mit durchschnittlich 8 Prozent weitaus tiefer als bei den stark polarisierenden Präsidentschaftswahlen. Bei Zwischenwahlen geht es darum, das Repräsentantenhaus ganz und Teile des Kongresses neu zu besetzen. An die hitzige Präsidentschaftswahl von 2016 kommt die Wahlbeteiligung bei den aktuellen Midterms auch nicht heran – aber immerhin nahe an die eher lauen Wahlkämpfe von 1988, als sich George Bush gegen Michael Dukakis durchsetzte, und von 1996, als Bill Clinton sich zur Wiederwahl stellte.

Auch wenn die diesjährige Wahl einen neuen Rekord setzt: Gemessen an der Bevölkerungsgrösse lag die Wahlbeteiligung früher weitaus höher. 1866 legten laut den Zahlen des Projekts Elect über 70 Prozent der zur Wahl zugelassenen Bürger ihre Stimme ein. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts brach die Wahlbeteiligung dann stark ein. Die Projektverantwortlichen weisen indes darauf hin, dass die Aufzeichnungen aus der Frühphase lückenhaft seien.

Video: Das bedeutet der Wahlausgang für Trump und die USA

Auslandchef Christof Münger in der Video-Analyse. Video: Lea Koch und Anja Stadelmann

Vergleichbar sind zweifellos die Zahlen aus den letzten 100 Jahren. Im Mittel nahmen in dieser Zeitspanne 40 Prozent des US-Stimmvolks an Zwischenwahlen teil. Am wenigsten Leute, bloss 33 Prozent, wählten in der Boomphase der «Roaring Twenties». Die höchste Beteiligung an einer Zwischenwahl wurde 1966 verzeichnet, als die USA mitten im Vietnam-Krieg steckten und sich allmählich Protestbewegungen formierten: 49 Prozent der Bürgerinnen und Bürger schritten damals zur Urne.

Heute ist die politische Debatte in den USA wieder sehr hitzig. Die beiden gegnerischen Lager mobilisierten kräftig. Entsprechend nahe kommt die Wahlbeteiligung an den Jahrhunderthöchstwert heran. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 07.11.2018, 14:22 Uhr

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