Jugendliche umarmen den Papst spontan

Kolumbien ist im Papstfieber. Franziskus hat die Jungen zur Versöhnung aufgerufen.

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Papst Franziskus hat jungen Kolumbianern eine Führungsrolle bei der Versöhnung nach dem Bürgerkrieg zugewiesen. Junge Leute seien eher als Erwachsene in der Lage, Verletzungen hinter sich zu lassen und ohne die Last des Hasses in die Zukunft zu blicken, sagte das Kirchenoberhaupt am Donnerstag in Bogotá.

«Es hat zu viel Hass und Gewalt gegeben», sagte er. Präsident Juan Manuel Santos machte sich die Botschaft des Papstes zu eigen und forderte seine Landsleute auf, den ersten Schritt zur Versöhnung zu tun.

Franziskus will bei seinem fünftägigen Besuch dazu beitragen, den vor einem Jahr abgeschlossenen Friedensvertrag zwischen Regierung und linken Frac-Rebellen zu festigen. Das Abkommen hatte zwar den mehr als 50 Jahre langen Bürgerkrieg beendet, doch die Kolumbianer sind sich uneins über die Bedingungen. Viele halten die Konditionen, die den Rebellen angeboten worden sind, für zu grosszügig.

Papst scherzt mit der Menge

Etwa 22'000 Menschen bereiteten Franziskus auf der Plaza de Bolívar in Bogotá eine lautstarken Empfang. Als der Papst eintraf, verliessen jugendliche Chorsänger ihre Plätze und umarmten ihn. Die Menge unterbrach ihn mehrmals. Unter den Menschen waren behinderte Kinder und Soldaten, denen Gliedmassen amputiert worden waren. Franziskus nahm Sicherheitsverstösse und Durcheinander gelassen und scherzte mit der Menge.

Die Kolumbianer müssten sich versöhnen, sagte der Papst. «Die Einsamkeit des ständigen Zerstritten-Seins ist seit Jahrzehnten altvertraut und ihr Geruch hat sich 100 Jahre gehalten», sagte Franziskus in Anspielung auf den Roman des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez. «Wir wollen nicht, dass irgendeine Art von Gewalt noch ein Leben begrenzt oder zerstört.»

Bei einem Empfang im Präsidentenpalast hatte Santos das Anliegen des Papstes bereits aufgegriffen und seine Landsleute aufgerufen, den Groll der langen Jahre des bewaffneten Konflikts hinter sich lassen. Kolumbien sei ein Beispiel für eine von Konflikt und Krieg geprägte Welt, in der Waffen gegen Worte eingetauscht worden seien und die sich somit zu einem Denkmal des Friedens entwickelt habe, sagte Santos. Es gebe jedoch noch viel zu tun.

Treffen mit venezolanischen Bischöfen

«Tausende Leben sind gerettet worden, Tausende Opfer verschont geblieben, aber wir müssen immer noch diesen ersten, erneuernden Schritt tun, das ist das Allerwichtigste: der Schritt in Richtung Versöhnung», sagte Santos. Dass die Waffen schweigen, sei bedeutungslos, wenn die Herzen der Kolumbianer weiter bewaffnet blieben. «Das Ende des Krieges ist wertlos, wenn wir uns weiter als Feinde betrachten», fügte er hinzu.

Franziskus sagte, alle Bürger seien aufgerufen, «Wunden zu heilen, Brücken zu bauen, Beziehungen zu stärken und einander zu unterstützen». Zugleich mahnte er «gerechte Gesetze» an, um die strukturellen Ursachen der Armut zu überwinden, an denen sich der Konflikt entzündet habe. «Lasst uns nicht vergessen, das Ungleichheit die Wurzel sozialer Krankheiten ist», sagte er.

Im weiteren Verlauf des Donnerstags wollte Franziskus Bischöfe aus der Region treffen, unter anderem aus dem benachbarten Venezuela, das von einer Wirtschaftskrise und politischen Auseinandersetzungen erschüttert wird. Zu einer Messe am Abend wurden Hunderttausende Menschen erwartet.

Papst aus Margarine

Papst Franziskus ist zu Besuch in Kolumbien angekommen. Einen ganz besonderen Gruss hat das Konditorei-Team des Hotels Tequendama Franziskus bereitet. Im Foyer grüsst eine sieben Kilogramm schwere Franziskus-Skulptur aus Margarine die Gäste aus aller Welt.

«Wir haben fünf Tage dafür gebraucht», berichtete Natalia Galvis. Mit drei Kollegen schuf sie eine sehr detailgenaue Abbildung des Papstes. Es sei eine spezielle Margarine benutzt worden, die nicht so schnell zerlaufe, sagte Galvis. Das Hotel-Team sei bekannt für seine Skulpturen aus Margarine und Schokolade, gerade in der Weihnachtszeit.

Auf den Einwand, dass Franziskus, der sich als Papst der Armen sieht, so eine Verschwendung kritisch sehen könnte, betonte Galvis, dass die Margarine danach nicht entsorgt werde, sondern anschliessend im Kühlschrank für das Schaffen neuer Skulpturen aufbewahrt werde. (nag/chk/sda/AP)

Erstellt: 07.09.2017, 20:20 Uhr

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