Hillary Clinton fand Trost im Chardonnay

Die frühere US-Präsidentschaftskandidatin vergleicht Trump mit Nixon und verrät, was ihr über ihrer Wahlniederlage hinweggeholfen hat.

Von tosendem Applaus begleitete Rede: Hillary Clinton in Massachusetts. (26. Mai 2017)

Von tosendem Applaus begleitete Rede: Hillary Clinton in Massachusetts. (26. Mai 2017) Bild: Josh Reynolds/Keystone

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Hillary Clinton hat ihre bislang schärfste politische Rede seit ihrer Wahlniederlage gehalten: Darin warf sie Präsident Donald Trump am Freitag eine Politik zu Lasten der sozial Schwachen sowie die systematische Verbreitung von Falschinformationen vor. Auch zog die frühere US-Präsidentschaftskandidatin Parallelen zum zurückgetretenen Präsidenten Richard Nixon. Über ihre Wahlpleite scherzte Clinton, unter anderem der Konsum von Wein habe ihr darüber hinweggeholfen.

Clinton sprach bei einer Abschlussfeier des Wellesley College im Bundesstaat Massachusetts. Diese private Hochschule für Frauen hatte sie selbst einst besucht. In ihrer immer wieder von tosendem Applaus begleiteten Rede erinnerte Clinton an die damaligen Zeiten - um indirekt eine Parallele zu Trump zu ziehen: Sie und ihre Kommilitoninnen seien Ende der sechziger Jahre «wutentbrannt» über die Wahl Nixons gewesen, «dessen Präsidentschaft schliesslich in Schande endete».

Watergate-Skandal

Nixon war 1974 im Zuge des Watergate-Skandals um einen Lauschangriff auf die Demokraten zurückgetreten, nachdem der Kongress ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eingeleitet hatte. Trump steht derzeit wegen der Affäre um mutmassliche russische Einmischungen in den US-Wahlkampf und die dubiosen Russland-Kontakte von Mitarbeitern seiner Kampagne massiv unter Druck.

Clinton war während des Wahlkampfs mehrfach durch mutmasslich von russischen Hackern verübte Cyberangriffe und die daraus resultierende Veröffentlichung von Interna in Bedrängnis geraten. Auf die Russland-Affäre und die Umstände ihre Wahlniederlage ging sie in ihrer Rede aber nicht näher ein.

Stattdessen witzelte die 69-Jährige, zwar seien die Dinge für sie «nicht ganz so gelaufen wie geplant», doch sei sie «okay». Seit der Wahl im November habe sie viel Zeit mit ihren Enkelkindern verbracht, lange Waldspaziergänge unternommen und ihre Kleiderschränke in Ordnung gebracht. Clinton fügte hinzu: «Ich werde nicht lügen, Chardonnay hat auch ein bisschen geholfen», womit sie ihre Lieblings-Weinsorte verriet.

Clinton über Fake-News

In einer weiteren Anspielung auf Trump sagte die Demokratin, in den heutigen Zeiten finde ein «Totalangriff auf die Wahrheit und die Vernunft» statt. Dabei leugneten manche sogar Dinge, «die wir mit unseren eigenen Augen sehen können, wie etwa die Grösse von Menschenversammlungen». Clinton bezog sich damit auf Trumps Versuche, die Grösse der Zuschauermenge bei seiner Vereidigung aufzubauschen.

Die Ex-Präsidentschaftskandidatin griff auch das von der Trump-Beraterin Kellyanne Conway geprägte Unwort von den «alternativen Fakten» auf: «Wenn Menschen an der Macht ihre eigenen Fakten erfinden und jene angreifen, die dies in Frage stellen, kann dies der Anfang vom Ende einer freien Gesellschaft sein», warnte sie.

Die besten Momente ihrer Rede. (Quelle: Facebook/Daily Beast)

Trumps Haushaltsentwurf geisselte Clinton als «Angriff von unvorstellbarer Grausamkeit» auf die «verwundbarsten» Gruppen. Die Kürzungen von Haushaltsmitteln träfen «die Jüngsten, die Ältesten, die Ärmsten und hart arbeitende Menschen, die ein bisschen Hilfe brauchen».

Clinton hatte kürzlich eine eigene politische Organisation gegründet. Mit Onward Together («Gemeinsam voran») will sie Menschen ermutigen, sich politisch zu engagieren und Widerstand gegen Trump zu leisten. (nag/AFP)

Erstellt: 26.05.2017, 21:50 Uhr

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