Donald, der Fischer

Der US-Präsident hat seinen Porträtisten gefunden: Der Maler Jon McNaughton zeigt ihn als einzigartige Lichtgestalt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nirgendwo wird Donald Trump inniger verehrt als auf der religiösen amerikanischen Rechten. Dort wird das frühere Lotterleben des Präsidenten mit einem Achselzucken entschuldigt, dort blüht eine beachtliche Hagiographie und wird der Präsident bisweilen sogar als Devotionalie gehandelt.

Vorneweg bei dieser Veredelung marschiert Trumps Hofkünstler Jon McNaughton, ein patriotisch-christlicher Maler aus dem Staat Utah, dessen Œuvre Anleihen beim grossen amerikanischen Kitsch-Produzenten Thomas Kinkade verrät. Derweil Kinkade von seinen Helfern jedoch sentimentale Landschaften und lichtverströmende Kuschelhäuser malen liess, ist McNaughton ein hochpolitischer Meister der Leinwand

Zuerst fiel er auf mit groben Anti-Obama-Werken, die den afroamerikanischen Präsidenten unter anderem beim Zertreten der amerikanischen Verfassung zeigten. Richtig in Fahrt geriet der Mann aus Utah sodann nach dem Amtsantritt Donald Trumps. Im Stil des Sozialistischen Realismus der Sowjet-Ära (siehe “Der erste Traktor» von Wladimir Krichatski) adelt McNaughton den Präsidenten zu einer Lichtgestalt sondergleichen.

Didaktisch zeigt er Trump als einen bescheidenen Lehrer, ein Gutmensch mit einem sanftmütigen Gesicht, der sich den Verlorenen widmet und nebenbei US-Amerika vor inneren Feinden bewahrt. Hans Holbein der Jüngere oder Andy Warhol ist McNaughton nicht, sein eindimensionaler Zugang zu seinem Helden im Weissen Haus aber erbaut viele Bewunderer auf der amerikanischen Rechten. Zu ihnen zählt Sean Hannity, Moderator bei «Fox News» und ein enger Freund des Präsidenten, der ein Gemälde McNaughtons für eine sechstellige Summe erwarb.

Wie segensreich der Präsident wirkt, stellte McNaughton in einem Schlüsselwerk mit dem Titel «Du bist nicht vergessen» dar: Da ist der gute Hirte Trump, wie er seine Hand zart in Richtung einer weissen Familie ausstreckt, die ein Pflänzlein in einem kargen Boden wässert. Zu Trumps Entourage zählen Vize Mike Pence, Pentagon-Boss James Mattis sowie Veteranen und ein salutierender Marineinfanterist.

Ein Präsident, «der zerschmettert»

Der Präsident zerdrückt ganz nebenbei in biblischer Pose mit seinem Fuss den Kopf einer Schlange, eine gewagte Darstellung, die den Maler offensichtlich bewegte: «Ich fragte mich, ob das zu weit geht». Die Antwort darauf blieb McNaughton nicht schuldig: «Ich möchte einen Präsidenten, der die Feinde der Freiheit, der Gerechtigkeit und des amerikanischen Wohlstands zerschmettert».

Eher traurig und seltsam orentierungslos kommt Trump dagegen im Gemälde «Respektiere die Flagge» daher: Ein geplagter Mann auf einem Football-Feld, in den Händen eine zerzauste US-Flagge. McNaughton spielt damit auf den Protest afroamerikanischer Football-Profis gegen Rassismus und Polizeigewalt an, sein Trump gerät jedoch zu einer trübseligen Gestalt, die vermissen lässt, was den Präsidenten auszeichnet, etwa Egomanie und Aggressionspotential.

Schon besser kommt Trump in McNaughtons neuestem Werk daher: Ein gütiger Mensch, der einem jungen Mann eine Angel überreicht, auf dass dieser das Fischen erlerne. Dass der junge Mann ein Buch mit dem Wort «Sozialismus» bei sich hat, ist gewiss Zufall. Oder auch nicht. Trump schlüpft damit in die Rolle des chinesischen Philosophen Laozi. «Gebe einem Mann einen Fisch und du fütterst ihn für einen Tag; wenn du ihn aber zu fischen lehrst, fütterst du ihn ein Leben lang», sagte der Begründer des Taoismus bekanntlich. Man darf gespannt sein, wie McNaughton den Präsidenten künftig malen wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.05.2018, 11:16 Uhr

Artikel zum Thema

Netanyahus Iran-Show vor Trumps Entscheidung

Israels Premier hat angeblich Beweise für ein geheimes iranisches Atomprogramm. US-Präsident Trump fühlt sich bestätigt. Mehr...

Trump zieht den Unmut der Schotten auf sich

In einer von Trumps Golfanlagen in Schottland darf ein beliebtes Nationalgetränk nicht mehr angeboten werden. Dahinter steckt ein ganz profaner Grund. Mehr...

«Für mich hat Trump wirklich geliefert»

INTERVIEW Michael Wolff, Autor des Bestsellers «Fire and Fury», findet den Finsterling Bannon sehr viel lustiger als den Clown Trump. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Baum fällt: Eine Frau geht an einem Baum vorbei, der während eines Sturms in Kiew umgeknickt ist. (16. August 2018)
(Bild: Valentyn Ogirenko) Mehr...