Der Anwalt für die grossen Fische

Trump holt mit Emmet Flood einen hartgesottenen Anwalt ins Weisse Haus. Es ist das Signal zum Gegenangriff auf Robert Mueller.

Emmet T. Flood weiss, wie es ist, für einen Präsidenten zu arbeiten, der in Problemen steckt.

Emmet T. Flood weiss, wie es ist, für einen Präsidenten zu arbeiten, der in Problemen steckt. Bild: Marissa Rauch/Keystone

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Er beriet Bill Clinton während seines Amtsenthebungsverfahrens, er vertrat Dick Cheney in der Plame-Affäre, als es um die Enttarnung einer CIA-Agentin ging, deren Mann den Irak-Krieg kritisiert hatte, er diente im Weissen Haus unter George W. Bush, und er vertrat Hillary Clinton im E-Mail-Skandal: Emmet T. Flood ist ein Anwalt für die grossen Fische. Deshalb holt ihn nun auch US-Präsident Donald Trump. «Flood wird den Präsidenten und die Regierung in der Russland-Hexenjagd vertreten», teilte das Weisse Haus am Mittwoch mit.

Damit erhält Sonderermittler Robert Mueller einen renommierten Gegner. Mueller möchte Trump zu den möglichen Verstrickungen des Präsidenten und seines Wahlkampfteams mit Russland befragen. Falls Trump nicht freiwillig mit ihm rede, könne er ihn auch vorladen, teilte der ehemalige FBI-Direktor dem Weissen Haus mit. Ein Horrorszenario für Trumps Anwälte, denn sie befürchten, dass sich der impulsive Präsident bei einer Anhörung in Widersprüche verstricken und zu einem verbalen Schlagabtausch hinreissen lassen könnte.

Gerüstet für den Krieg

Diese Gefahr soll Emmet Flood abwenden. Er weiss, wie es ist, für einen Präsidenten zu arbeiten, der in Problemen steckt. Und vor allem weiss er, wie man eine juristische Verteidigungslinie aufbaut. «Jetzt werden die Handschuhe ausgezogen», zitiert die «Washington Post» einen hochrangigen Trump-Berater. Nach Monaten des Abtastens beginne nun eine neue Phase. Und falls sich der Sonderermittler dafür entscheide, den Präsidenten vorzuladen, wolle Trump einen «kriegserfahrenen» Berater an seiner Seite wissen. «Emmet ist der perfekte Consigliere für Kriegszeiten.» Der wenig schmeichelhafte Begriff stammt aus dem Film «Der Pate», worin der Consigliere als rechte Hand des Mafia-Bosses fungiert.

Tom Hagen (gespielt von Robert Duvall) ist in der Film-Reihe «Der Pate» der Consigliere des Corleone-Clans. Foto: Paramount

Von Emmet Flood wird erwartet, dass er – anders als sein Vorgänger – die Konfrontation sucht mit Mueller. Ty Cobb, bis gestern Trumps führender Anwalt in der Russland-Sache, hatte mehrfach dazu geraten, mit Sonderermittler Mueller zu kooperieren, dadurch könne die Untersuchung abgekürzt werden. Das ist nicht gelungen, im Gegenteil. Robert Mueller sei noch lange nicht fertig mit seiner Arbeit, schreibt die «New York Times».

Cobb, der selber nie von einer «Hexenjagd» gesprochen hat, muss sein Büro im Weissen Haus bis Ende Monat räumen. Derweil sehen die Trump-Berater zusätzliche Gefahr heraufziehen: Falls die Demokraten im November die Zwischenwahlen gewinnen und die Kontrolle im Repräsentantenhaus übernehmen, könnten sie Vorladungen aussprechen oder gar ein Amtsenthebungsverfahren einleiten.

Erstes Job-Angebot von Trump abgelehnt

Trumps neuer Anwalt hat in Dallas, Austin und an der renommierten Yale Law School studiert. Emmet Flood begann seine Karriere am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten als Rechtsreferent für den konservativen Richter Antonin Scalia. Zuletzt gehörte er einer Washingtoner Anwaltskanzlei an, die sich auf Fälle hochkarätiger Mandanten spezialisiert hat. Offenbar hatte Flood, der der Republikanischen Partei angehört, im Sommer 2017 ein Job-Angebot der US-Regierung noch abgelehnt. Anfang März wurde er erneut kontaktiert, worauf ihn Trump im Weissen Haus empfing. Nun also hat der Wunsch-Consigliere zugesagt.

Der Feind: Robert Mueller ermittelt in der Russland-Affäre. Foto: Reuters

Trump würde Sonderermittler Mueller wohl am liebsten feuern, um dessen «totale Bullshit-Untersuchung» zu beenden. Noch ist unklar, wie Emmet Flood als promovierter Jurist das sieht. Die Entlassung eines Sonderermittlers durch den Präsidenten – das wäre ein Frontalangriff auf die amerikanische Demokratie mit ihrem System der Checks and Balances, der die USA erschüttern würde. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.05.2018, 16:36 Uhr

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