Erdogan: «Wir haben eure Spielchen erkannt»

Der türkische Präsident wurde als Parteichef der AKP wiedergewählt. In einer Rede attackierte er die USA und kündigte neue Militäroffensiven an.

Gibt sich streitlustig: Erdogan an einer Pressekonferenz in Ankara.

Gibt sich streitlustig: Erdogan an einer Pressekonferenz in Ankara. Bild: Reuters

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Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist auf dem Kongress seiner islamisch-konservativen AKP als Parteichef wiedergewählt worden. Dabei teilte er am Samstag gegen die USA aus und gab sich angesichts der Währungskrise kampfeslustig.

Die Türkei werde sich weder von US-Sanktionen noch von schlechten Noten für ihre Bonität einschüchtern lassen, sagte Erdogan in Ankara. «Einige Leute drohen uns über die Wirtschaft, durch Sanktionen, Wechselkurse, Zinssätze und Inflation», sagte der Präsident. «Wir sagen ihnen: Wir haben eure Spielchen erkannt und wir fordern euch heraus.»

Man werde nicht vor denen kapitulieren, die vorgäben, ein «strategischer Partner» zu sein, die Türkei aber zu einem «strategischen Ziel» machten. Erdogans Tirade trifft sowohl die USA als auch zwei grosse Ratingagenturen.

Standard & Poor's (S&P) sowie Moody's hatten die Kreditwürdigkeit des Landes noch weiter herabgestuft. S&P senkte die Benotung kürzlich von BB- auf B , Moody's von Ba2 auf Ba3. Damit gelten Staatsanleihen der Türkei als spekulative oder hoch spekulative Objekte mit entsprechendem Ausfallrisiko.

Im Streit mit Washington geht es unter anderem um den in der Türkei unter Hausarrest stehenden US-Pastor Andrew Brunson. Der evangelikale Pastor war 2016 in Izmir unter Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft genommen und kürzlich unter Hausarrest gestellt worden.

Zankapfel: Andrew Brunson wurde im Juli unter Hausarrest gestellt. Foto: Keystone

US-Präsident Donald Trump fordert seine Freilassung und verhängte Sanktionen und Strafzölle gegen die Türkei, die das Land erwiderte. Wegen der Krise mit den USA ist der Kurs der türkischen Lira eingebrochen, was die Inflation treibt. Aussenminister Mevlüt Cavusoglu sagte am Sonntag, die Probleme mit den USA könnten gelöst werden, aber nicht durch Drohungen.

Uneinigkeit über Kurden in Syrien

Ein weiterer Streitpunkt mit Washington ist der türkische Militäreinsatz in Nordsyrien und im Nordirak. Erdogan will diese grenzüberschreitenden Einsätze ausweiten. Er werde «die Quelle der Bedrohung» für sein Land trockenlegen, sagte der Präsident. Bedroht fühlt sich die Türkei vor allem durch die Kurdenmiliz YPG, den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Doch während auch die USA die PKK als Terrororganisation einstufen, unterstützen sie die YPG in Syrien.

Die Kurdenmiliz hat im Kampf gegen die Terrormiliz IS grosse Erfolge erzielt. Sie beherrscht ein Gebiet von Hunderten Kilometern südlich der türkischen Grenze. Zweimal marschierten türkische Truppen mit verbündeten syrischen Rebellen bereits in den Nordwesten Syriens ein und eroberten unter anderem kurdisch kontrolliertes Gebiet, zum Beispiel in Afrin. In den vergangenen Wochen ging das türkische Militär auch verstärkt gegen PKK-Stellungen im Nordirak vor, wo diese ihr Rückzugsgebiet hat.

Millionenschwere Infrastrukturprojekte

Erdogan kündigte in seiner Rede zudem an, millionenschwere Bau- und Infrastrukturprojekte voranzutreiben. Darunter sind Pläne für einen Kanal in Istanbul parallel zum Bosporus.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurde Erdogan auf dem Parteitag mit fast allen der mehr als 1300 abgegebenen Stimmen im Amt bestätigt. 29 von 50 Spitzenpositionen innerhalb der AKP wurden demnach mit Blick auf die Regionalwahlen im kommenden März neu besetzt. (hvw/sda)

Erstellt: 19.08.2018, 14:13 Uhr

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