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Zwei Liechtensteiner in ThunAus dem Spruch wurde Realität

Nicolas Hasler und Dennis Salanovic haben eine spezielle Beziehung zum FC Vaduz. Am Freitag treten die beiden Liechtensteiner mit dem FC Thun zum Barrage-Hinspiel gegen den Challenge-League-Club an.

Posieren mit ernstem Blick: Dennis Salanovic (links) und Nicolas Hasler wollen mit dem FC Thun gegen ihren Heimatverein Vaduz die Mission Ligaerhalt endlich beenden.
Posieren mit ernstem Blick: Dennis Salanovic (links) und Nicolas Hasler wollen mit dem FC Thun gegen ihren Heimatverein Vaduz die Mission Ligaerhalt endlich beenden.
Christian Pfander

Es ist ein Spruch unter Kollegen, eine Neckerei, etwas, das beide nicht wirklich hoffen, aber doch wissen sie: Möglich ist es. Es ist Winterpause, als sich Nicolas Hasler und Franz Burgmeier austauschen. Wie sie es öfter machen, die beiden Freunde, die beim FC Vaduz und in der Nationalmannschaft Liechtensteins zusammengespielt haben. Hasler hat da vor kurzem beim FC Thun einen Vertrag bis Saisonende unterschrieben, und Burgmeier ist seit zwei Jahren der Sportchef der Vaduzer. «Du wirst sehen», sagt Hasler zu Burgmeier, «Ende Saison spielen wir in der Barrage gegeneinander.»

Die perfekte Liga

Es ist Donnerstagvormittag, als Hasler diese Anekdote erzählt, die ein paar Monate später zur Realität geworden ist. Das Abschlusstraining liegt hinter ihm, am Freitag folgt die Reise in die Heimat, wo er um 18.15 Uhr erstmals in einem Pflichtspiel im Rheinpark-Stadion einlaufen und dabei nicht das Trikot des FC Vaduz und auch nicht jenes der Nationalmannschaft tragen wird.

Es sei schon eine spezielle Situation, sagt der Mittelfeldspieler. 159 Spiele hat Hasler zwischen 2011 und 2017 für die Vaduzer bestritten. Der FCV ist der Club, bei dem er es vom Nachwuchs in die erste Mannschaft schaffte, seinen ersten Profivertrag unterschrieb und bis zum Abstieg drei Saisons in der Super League absolvierte.

Insgesamt stand der 29-Jährige fast 11000 Minuten für die Liechtensteiner im Einsatz. Die Verbindung zum Club ist eng. Als Hasler im September aus den USA zurückkehrte und nach einer Möglichkeit suchte, sich für die Einsätze mit der Nationalmannschaft fit zu halten, wurde er in Vaduz mit offenen Armen empfangen und trainierte einige Wochen mit der Mannschaft mit. Viele im Club kennt er seit Jahren, sind zu seinen Freunden geworden. Ein Interessenkonflikt vor den wichtigsten beiden Partien der Saison?

Die Antwort kommt schnell und unmissverständlich: «Mein Verein ist der FC Thun. Klar wünsche ich dem FC Vaduz Erfolg. Aber erst, wenn diese beiden Spiele vorbei sind.» Hasler erzählt, dass der Verein mittlerweile eine andere Strategie verfolge als noch zu seiner Zeit. Eine, die ihm zusagt, weil sie vorsieht, viele junge Spieler aus der Region in der ersten Mannschaft zu integrieren und ihnen viel Spielzeit zu geben. Eigentlich, sagt Hasler, sei die Challenge League für diese Philosophie die perfekte Liga.

«Aber ich würde den FC Vaduz in Zukunft schon gern wieder in der Super League sehen. Einfach nicht in diesem Jahr.» Er grinst. Die Stimmung ist gut. Keine Spur von Anspannung oder Druck, die bei dieser Ausgangslage herrschen könnten. Diese Lockerheit sei wichtig, sagt Hasler und erinnert an die Partie am letzten Montag in Zürich, als sich die Thuner zu Beginn zu viel vorgenommen hätten und dann prompt 0:3 in Rückstand gerieten. «Es ist alles eine Frage des Kopfes.»

Eine einmalige Chance

Auch für Dennis Salanovic ist die Barrage eine spezielle Begegnungauch wenn er das Hinspiel aufgrund einer Muskelverhärtung verpassen wird. Und der zweite Liechtensteiner in Reihen der Thuner sagt: «Wenn ich ehrlich bin, hätte ich lieber gegen GC gespielt.» Der 24-Jährige hat zwar selbst nie das Trikot der Vaduzer getragen, aber auch er kennt viele Leute dort und verfolgt, wie sich Vaduz in der Challenge League schlägt.

Salanovic hat gesehen, wie sich die Mannschaft von Trainer Mario Frick in der Rückrunde ähnlich wie die Thuner steigern konnte. Vaduz holte mit 38 Punkten gar ligaweit am meisten. Deshalb warnt er, dass nicht nur Thun nach zuletzt sieben Spielen ohne Niederlage mit viel Selbstvertrauen in dieses Duell steige, sondern auch die Vaduzer. «Und sie wissen, dass so eine Chance wahrscheinlich nicht so schnell wiederkommt.»

Am Ende posieren die beiden für ein Foto. Sie sollen sich ernst in die Augen schauen, wünscht der Fotograf, denn klar: Die Mission Ligaerhalt ist eine ernste Sache. Das Lachen birst aber aus ihnen heraus, als sie sich erstmals in Pose werfen. Eben: Die Lockerheit, ein wichtiger Faktor in der mentalen Belastung Abstiegskampf, ist da. Und das Bild wenig später im Kasten.