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Die neue «10 vor 10»-ModeratorinAus dem Mutterschaftsurlaub direkt vor die Kamera

«Arena»-Chefin Franziska Egli ersetzt Susanne Wille als Moderatorin der Nachrichtensendung. Ein toller Schritt, um sich weiterzuentwickeln, findet sie .

Sie empfand sich einst als scheu: Franziska Egli, ab Spätherbst neue «10 vor 10»-Moderatorin.
Sie empfand sich einst als scheu: Franziska Egli, ab Spätherbst neue «10 vor 10»-Moderatorin.
Foto: Oscar Alessio (SRF)

Lange hat sie sich nicht vor die Kamera getraut. Und das, obwohl sie schon seit zwölf Jahren für das Schweizer Fernsehen arbeitet. «Früher war es für mich unmöglich, in einem Grossraumbüro zu telefonieren – ich hielt es nicht aus, dass mir andere dabei zuhörten», sagt Franziska Egli. «Ja, ich war etwas scheu.» Jetzt macht sie den Schritt auf die ganz grosse Fernsehbühne. Ab Spätherbst ersetzt sie Susanne Wille auf dem Nachrichten-Flaggschiff «10 vor 10».

Bisher ist Egli Redaktionsleiterin der «Arena», also die Chefin von «Arena»-Aushängeschild Sandro Brotz. Für die verunglückte vorletzte Sendung zum Thema Rassismus war sie allerdings nicht zuständig. Im April wurde die 36-Jährige Mutter einer kleinen Tochter. Während ihres Mutterschaftsurlaubs leitet ihr Stellvertreter Brotz die Diskussionssendung.

Mutter und 100-Prozent-Pensum

Wenn Egli nach den Sommerferien ins Fernsehstudio am Leutschenbach zurückkehrt, wird sie wieder voll, zu 100 Prozent, arbeiten. Die «Arena»-Leitung behält sie bei. Daneben moderiert sie mit einem Anteil von etwa 20 Prozent «10 vor 10». «Mein Mann, die Grosseltern und ich, wir werden uns organisieren», sagt Egli, «und ich bin ja durchaus auch noch da.»

Warum vor die Kamera, warum ausgesetzt in der Öffentlichkeit, warum gerade jetzt? «Das ist für mich ein toller Schritt, mich weiterzuentwickeln», sagt Egli. «Ich habe mich in den letzten Jahren doch stark verändert.» Tatsächlich: Am Telefon plaudert Egli als frisch erkorene «10 vor 10»-Moderatorin spontan, fröhlich, frei und mit hohem Tempo über ihren Werdegang – während im Hintergrund eine Kollegin mithört.

Egli ist in der Nähe von Zürich aufgewachsen. Am Esstisch zu Hause wurde schon viel und eifrig über Politik diskutiert – die Eltern waren ursprünglich beide Lehrer. In Zürich und Genf studierte Egli Politologie. «Mich interessiert, wie die Abläufe miteinander zusammenhängen, gerade auch die historischen.» Ihre Abschlussarbeit schrieb sie über die Art, wie Bürgerkriege beendet werden können.

Ein Organisationstalent

Um sich den Lebensunterhalt zu verdienen, jobbte sie nebenher als Produktionsassistentin bei «Schweiz aktuell». Nach dem Abschluss kamen Stationen als Produktionsleiterin, Redaktorin und Projektleiterin. «Da ging es oft auch um sehr technische Dinge: wie man Drehs im Detail vorbereitet, dafür sorgt, dass eine Sendung reibungslos abläuft.» Ohne Organisationstalent geht das nicht.

2013 stiess Franziska Egli zum «Arena»-Team, seit 2018 leitet sie es. «SRF hat mich für Führungsaufgaben immer gefördert, und ich habe meine Scheu mehr und mehr abgelegt», sagt die Politjournalistin. Aber als vor gut einem Jahr «Arena»-Moderator Jonas Projer ersetzt werden musste, war nur schon die Teilnahme am Casting – eine Eignungsprüfung für die Aufgabe vor der Kamera – noch keine Option für sie.

Dann wurde der Job von Susanne Wille frei, die jetzt die Abteilung Kultur leitet. Dieses Mal ging Franziska Egli zum Casting und erhielt den Zuschlag.

Dazu gehören aber auch noch andere Aufgaben in der Öffentlichkeit. Egli hat zwar ein Twitter-Profil, aber noch keinen einzigen Tweet abgesetzt. «Ja, auch das wird zu meinem Job gehören», sagt Egli. Sie wird sich weiterentwickeln.