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AusflugstippAuf dem (fast) steilsten Bähnli Europas

Die ehemalige Werkbahn der Kraftwerke Oberhasli zieht Schwindelfreie fast senkrecht den Felsen zum Gelmersee hoch. Oben kann man wandern, baden oder einfach geniessen.

Atemberaubende Aussicht hoch über der Grimselpassstrasse.
Atemberaubende Aussicht hoch über der Grimselpassstrasse.
Foto: David Birri (KWO)

106 Prozent Steigung. Das bedeutet, dass pro 100 Metern horizontaler Strecke 106 Höhenmeter bewältigt werden. So steil gehts mit der Gelmerbahn den Berg hoch. Im Internet ist man sich nicht ganz einig, welcher Rekord damit erreicht wird: Die steilste Standseilbahn in der Schweiz ist sie seit der Eröffnung der Stoosbahn nicht mehr. Allerdings könnte die Gelmerbahn an der Passstrasse hoch zur Grimsel noch für sich beanspruchen, der steilste Schrägaufzug Europas zu sein. Wie auch immer: Spektakulär ist die Fahrt mit der ehemaligen Werkbahn der Kraftwerke Oberhasli (KWO) alleweil.

Seit 2001 ist das Bähnli für das Publikum zugänglich, 2004 wurde es ausgebaut und kann seither 24 Personen auf einmal transportieren. Trotzdem versprüht die Bahn, die 1926 für den Bau der Staumauer und der Wasserleitung in den Fels gebaut wurde, immer noch ihren ursprünglichen Charme. Ein Dach haben nur die hintersten drei Sitzreihen über dem Kopf, vorne sitzt man mit ungehinderter Aussicht im Wagen und kann die Füsse über den Abgrund baumeln lassen.

Blick in die schwindellerregende Tiefe an der steilsten Stelle der Bahn.
Blick in die schwindellerregende Tiefe an der steilsten Stelle der Bahn.
Foto: David Birri (KWO)

Doch alles beginnt ganz gemächlich. An der Talstation kann man sein Ticket kaufen oder das vorsichtshalber im Voraus gebuchte Billett in eine Platzkarte mit der Abfahrtzeit umtauschen. Ist das Bähnli startklar, beginnt der Run auf die vordersten Plätze mit der besten Aussicht. Dann werden die Passagiere mit einer waagrechten Stange gesichert und los gehts. Das Bähnli ruckelt an und wird in gemütlichem Tempo hochgezogen, die ersten Meter noch nicht mal so steil. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu den Bahnen in Vergnügungsparks: Es geht wirklich langsam voran. Für die 1028 Meter lange Strecke braucht das Gelmerbähnli zehn Minuten.

Doch die gemächliche Fahrt ist abenteuerlich. Nach den ersten Metern wird es immer steiler, man begreift nun, weshalb die Sitzbank beim Einsteigen so unbequem gegen hinten geneigt war. Wer nicht mehr nach unten schauen will, kann das grandiose Panorama rundherum bestaunen. Und dann, gerade wenn man ganz sicher ist, dass die Bahn jeden Moment frei in der Luft baumelt, zieht das Seil sie über eine Kante, und der Spuk ist vorbei. Die letzten Meter bis zur Bergstation geht es durch einen Einschnitt, wo sich die alpine Flora von nahem bewundern lässt. Dann heisst es mit mehr oder weniger wackeligen Knien aussteigen.

Es lohnt sich, nicht kurz nach der Ankunft wieder hinunterzufahren, sondern am Stausee zu verweilen. Das türkisfarbene Wasser ist zwar eiskalt, sorgt aber an heissen Tagen für willkommene Abkühlung. Ein Klassiker ist die Seeumrundung, ein alpiner Spaziergang von knapp zwei Stunden mit ein, zwei ausgesetzten Stellen. Auf der hinteren Seeseite gibt es zig schöne Plätze für ein Picknick. Ambitioniertere Wanderer können bis zur Gelmerhütte hochsteigen, die auf einer Felsnase hoch über dem See thront und ihrerseits Ausgangspunkt für Bergtouren ist.

Rund um den Stausee führt ein Wanderweg, der gut auch mit (trittsicheren) Kindern zu begehen ist.
Rund um den Stausee führt ein Wanderweg, der gut auch mit (trittsicheren) Kindern zu begehen ist.
Foto: David Birri (KWO)