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Altersrente auf sicher Den Job verloren und trotzdem in der Pensionskasse bleiben

Ältere Arbeitslose können sich künftig auch ohne Stelle weiter in der zweiten Säule versichern. Wie das geht und welche Vorteile das bringt: Neun Fragen und Antworten.

Bleibt die Stellensuche ohne Erfolg,  verlieren Arbeitnehmende im fortgeschrittenen Alter künftig nicht mehr ihren Anspruch auf eine Rente.
Bleibt die Stellensuche ohne Erfolg, verlieren Arbeitnehmende im fortgeschrittenen Alter künftig nicht mehr ihren Anspruch auf eine Rente.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Was braucht es, um ältere Arbeitnehmende bei einem Stellenverlust besser abzusichern? Die Frage beschäftigt die Politik schon seit geraumer Zeit. In diesen Tagen entscheidet das Parlament definitiv, ob über 60-Jährige künftig eine Überbrückungsleistung bekommen, wenn sie aus der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert werden. Nachdem dieses neue Sozialwerk erst heftig umstritten gewesen ist, stehen die Chancen dafür inzwischen gut. Kommt es nicht zu einem Referendum, können die Betroffenen schon ab dem nächsten Jahr davon profitieren.

Eine andere Massnahme ist bereits beschlossene Sache. Sie tritt ebenfalls 2021 in Kraft und erlaubt Arbeitnehmenden, die wenige Jahre vor dem Rentenalter die Stelle verlieren, ihre berufliche Vorsorge in der bisherigen Pensionskasse weiterzuführen.

Eine solche freiwillige Weiterversicherung ist theoretisch schon heute möglich. Nur bieten die meisten Pensionskassen diese, wenn überhaupt, dann nur beschränkt für zwei Jahre an. Zudem ist sie für die Versicherten mit hohen Kosten verbunden, was sich die wenigsten leisten können. De facto haben Betroffene, die keine neue Stelle finden, kaum eine andere Wahl, als ihr Altersguthaben auf einem Freizügigkeitskonto zu parkieren. Von dort können sie es später nur als Kapital beziehen.

Eine Rente dagegen bietet mehr Sicherheit, da sie lebenslang garantiert ist. Und so ist das Risiko geringer, später auf Ergänzungsleistungen angewiesen zu sein. Das ist denn auch der Grund, warum diese Neuerung im Parlament kaum Anlass zu Diskussionen gegeben hat.

Was bringt sie konkret? Nachfolgend die wichtigsten Elemente.

Wer kann von der freiwilligen Weiterversicherung profitieren?

Laut Gesetz ist sie gedacht für Personen, deren Arbeitsverhältnis nach Erreichen des 58. Altersjahres vom Arbeitgeber aufgelöst wird . Die Pensionskassen können das Mindestalter auf 55 Jahre senken. Keinesfalls aber dürfen sie die Weiterversicherung nach den neuen Regeln auch für Arbeitnehmende anbieten, die selber gekündigt haben.

Wenn aber Arbeitnehmende unter Druck selber kündigten, um so einer Kündigung durch den Arbeitgeber zuvorzukommen, dann müssten sie ebenfalls die Möglichkeit haben, in der Kasse zu bleiben, schreibt das PK-Netz in einem Positionspapier. Die gewerkschaftsnahe Organisation fordert die Pensionskassen auf, dies in den Reglementen ausdrücklich so festzuhalten.

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Die Beiträge für die Risikoversicherung Tod und Invalidität sind auf jeden Fall weiterzuzahlen, wobei freiwillig Versicherte auch den Anteil der Arbeitgeberin übernehmen müssen. Sie müssen daher mit Kosten von total 1,5 bis 4 Prozent des versicherten Lohnes rechnen. Als Basis gilt grundsätzlich der zuletzt versicherte Lohn.

Müssen freiwillig Versicherte auch weiterhin Sparbeiträge zahlen?

Nein. Das Gesetz sagt ausdrücklich, dass eine Weiterversicherung auch möglich ist, ohne dass die betreffende Person weiter in die Altersvorsorge einzahlt. Sie kann dies freiwillig tun und dabei auch die Höhe der Sparbeiträge selber bestimmen.

Kann man die Sparbeiträge im Laufe der Zeit ändern?

Das ist im Gesetz nicht geregelt. Nach Ansicht des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) ist es zulässig, dass eine freiwillig versicherte Person anfänglich Sparbeiträge zahlt und sich später umentscheidet, wenn sie sich die Beiträge nicht mehr leisten kann. Ob auch das Umgekehrte möglich sei, also dass jemand zuerst die Variante ohne Sparbeiträge wähle und dies später ändere, sei nicht klar, so das BSV. Die Kassen können dies selber regeln.

Wichtig zu wissen: Wer einfach von sich aus die vereinbarten Beiträge reduziert oder nicht mehr einzahlt, der riskiert, dass die Vorsorgeeinrichtung die Versicherung kündigt. Eine Änderung der Beitragszahlung muss deshalb unbedingt mit der Kasse abgesprochen sein.

Dürfen die Beiträge auch bei den Steuern abgezogen werden?

Ja. Selbst Einkäufe in die Pensionskasse sind möglich und können vom steuerbaren Einkommen – zum Beispiel von den Taggeldern der Arbeitslosenversicherungabgezogen werden.

Wird das Kapital weiter verzinst?

Ja. Freiwillig Versicherte haben die gleichen Rechte wie die übrigen Versicherten derselben Pensionskasse. Sie haben somit Anspruch auf die gleiche Verzinsung ihres Altersguthabens. Darin liegt denn auch ein wesentlicher Vorteil der freiwilligen Weiterversicherung gegenüber heute, wo älteren Arbeitnehmenden nach einem Stellenverlust meist nichts anderes bleibt, als das Vorsorgeguthaben auf einem Freizügigkeitskonto zu deponieren. Dort sind die Zinsen inzwischen so tief, dass das Kapital bis zur Pensionierung kaum mehr wächst. Bleibt das Guthaben hingegen in der Pensionskasse, ist die Verzinsung besser. Selbst bei einem minimalen Zinssatz von einem Prozent steigt das Kapital auch ohne Beitragszahlung um mehrere Tausend Franken an, wie die nachfolgende Gegenüberstellung zeigt.

Welcher Umwandlungssatz wird für die Rente angewandt?

Auch da gilt: Freiwillig Versicherte sind den anderen Versicherten in der Pensionskasse gleichgestellt. Und wenn der Arbeitgeber Geld in die Kasse einschiesst, etwa um eine Senkung des Umwandlungssatzes abzufedern, profitieren auch die freiwillig Versicherten davon. Im Gegenzug müssen sie sich aber auch an der Sanierung beteiligen, wenn die Kasse in Unterdeckung gerät.

Wie lange ist es möglich, in der Pensionskasse zu bleiben?

Die versicherte Person kann jederzeit aus der Versicherung austreten. Ansonsten endet diese automatisch bei Erreichen des Rentenalters. Schliesslich endet die freiwillige Weiterversicherung auch, wenn die versicherte Person eine neue Stelle findet und ihr Altersguthaben in die Vorsorgeeinrichtung des neuen Arbeitgebers übertragen muss.

Wie erfahren ältere Arbeitnehmende von ihrem Recht, die Altersvorsorge weiterführen zu können, wenn sie die Stelle verlieren?

Die Pensionskassen sind verpflichtet, die Versicherten über diese Möglichkeit und die Bedingungen zu informieren. Das könnten sie zum Beispiel tun, indem sie generell alle Versicherten, deren Arbeitsverhältnis nach 58 endet, darüber aufklären, dass sie bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber in der Kasse verbleiben können.

Alle Pensionskassen müssen ab 2021 die neuen Möglichkeiten zur Weiterversicherung anbieten. Das setzt voraus, dass sie bis dahin ihre Reglemente angepasst und allfällige Detailfragen geregelt haben.