Viel Unschönes für Langnau

Lausanne gewinnt Spiel 4 im Emmental 2:1, es fehlt noch ein Sieg für den Halbfinal.

Nicht der Abend der schönen Tore: Langnaus Goalie Damiano Ciaccio beim ersten Gegentor (rechts Robin Leone).

Nicht der Abend der schönen Tore: Langnaus Goalie Damiano Ciaccio beim ersten Gegentor (rechts Robin Leone).

(Bild: Keystone Marcel Bieri)

Kristian Kapp@K_Krisztian_

Was ist noch besser als so ein im Playoff viel zitiertes «hässliches» Tor, dem weder ein genialer Spielzug noch ein wunderbar genauer Schuss vorangeht, sondern irgendein Ablenker, ein Gestocher, womöglich sogar etwas so gar nicht Gewolltes? Genau: zwei «hässliche» Tore. Als Lausanne in Langnau kurz nach Spielmitte 1:0 in Führung ging, war das so ein unschönes Ding, weil ein an sich harmlos scheinender Weitschuss Benjamin Antoniettis wegen des Oberschenkels des Langnauer Verteidigers Samuel Erni zum Lob über SCL-Goalie Damiano Ciaccio wurde.

Und das 2:0 der Waadtländer war aus Emmentaler Sicht so richtig hässlich: 40 Sekunden vor Ende des Mitteldrittels, nach einem veritablen Flipper-Tor, bei dem der Puck innert Sekunden Stöcke, Köpfe und Ellenbogen von an Boden liegenden Spielern, aber auch Schlittschuh-Kufen und zweimal den Pfosten berührte, bevor Joel Vermin ihn endlich über die Linie drückte. Geht noch «hässlicher»? Kaum.

Das kümmerte Lausanne am Ende natürlich nicht. Der LHC gewann, weil er gut verteidigte, Schüsse blockte, in der eigenen Zone ein disziplinierter, aber mühsamer Widersacher war. Das kennt Langnau, so gewannen die SCL Tigers ihrerseits in der Qualifikation immer wieder Spiele, nun waren sie es, die sich an einem gegnerischen Abwehrkonstrukt festliefen.

Und dann schiesst du dich auch noch selber ab …

Es war für die 6000 Zuschauer in der ausverkauften Ilfishalle eine entsprechend zähe Angelegenheit, in der zunächst beidseits die Vorsicht regierte, es aber auch nach den Toren lange Zeit nicht wirklich spektakulärer wurde.

Eine Szene in der Schlussphase fasste Langnaus Abend in zehn Sekunden zusammen: Vom Slapshot von Mitspieler Benjamin Neukom am Bein getroffen, weil er dem gegnerischen Goalie im Slot die Sicht nehmen wollte, lief Nolan Diem mit schmerzverzerrtem Gesicht Richtung Bande. Doch schnell drehte er wieder ab, biss auf die Zähne, beendete den Shift. Am Einsatz lag es also nicht, doch der Puck sprang selten für die Langnauer.

Es gab aber auch unnötig Ärgerliches für die Tigers. Nach dem 0:2 sowie mitten im Schlussdrittel, als sein Team verzweifelt den Anschlusstreffer suchte, holte sich Chris DiDomenico Strafen ab, weil er nach Provokationen persönliche Rechnungen beglich. Wenn Trainer und Spieler jeweils von den kleinen Dingen sprechen, die es richtig zu machen gilt, dann machte der Kanadier hier eben vieles falsch und raubte wertvolle Zeit bei der Aufholjagd.

Es war aber auch DiDomenico, der 161 Sekunden vor Ende per Kunstschuss aus spitzem Winkel auf 1:2 verkürzte (endlich ein schönes Tor) und eine wilde Schlussphase einleitete mit chaotischen Szenen vor Lausannes Tor. Und als alles vorbei war, der LHC den 2:1-Sieg feierte, holte sich der reklamierende Kanadier eine Spieldauerdisziplinarstrafe ab – Genie und Wahnsinn lagen da nahe beieinander.

Tages-Anzeiger

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