Riedbach ist nicht vom Tisch

Der Grosse Rat hat am Mittwoch ein Zeichen gegen die in Bern-Riedbach geplante BLS-Werkstätte gesetzt. Mehr aber auch nicht. Damit bleibt der umstrittene Standort Riedbach noch im Rennen.

Auf der grünen Wiese von Bern-Riedbach soll die neue BLS-Werkstätte entstehen – ausser die Begleitgruppe findet eine bessere Lösung.

Auf der grünen Wiese von Bern-Riedbach soll die neue BLS-Werkstätte entstehen – ausser die Begleitgruppe findet eine bessere Lösung.

(Bild: Urs Baumann)

Bei der BLS dürfte man gestern aufgeatmet haben: Der Grosse Rat hat das Projekt einer in Bern-Riedbach geplanten neuen Werkstätte nicht gestoppt. Dies wäre wohl die Konsequenz gewesen, wenn das Parlament den überparteilichen Vorstoss von Grünen, GPB, BDP, SVP, GLP, EVP und EDU sowie jenen der SVP in der verbindlichen Form von Motionen überwiesen hätte.

Denn dann hätte die Regierung in Ausübung ihrer Aktionärsrechte dahingehend wirken müssen, dass die BLS das Projekt in Riedbach einstellt. Zudem hätte sie andere Standorte etwa in Wald- oder Naturschutzgebieten ermöglichen müssen. Standorte, die bislang wegen raumplanerischer Einschränkungen nicht infrage kamen.

Der Regierungsrat hätte dies dem Bahnunternehmen deshalb befehlen können, weil der Kanton Bern BLS-Mehrheitsaktionär ist.

Begleitgruppe soll arbeiten

Allerdings sprachen sich die meisten Grossratsfraktionen gegen einen Projektstopp aus, indem sie erklärten, sie würden die Vorstösse lediglich in der weniger verbindlichen Form eines Postulats unterstützen.

So etwa die FDP. «Wir wollen keine Denkverbote, die BLS soll das machen, was sie im Markt für nötig befindet», so Fraktionssprecher Peter Moser (Biel). SP-Sprecher Luc Mentha (Köniz) zeigte zwar Verständnis für den Widerstand gegen den Standort Riedbach.

Dieser sei nicht optimal, und der Landbedarf von 20 Hektaren sei immens. Mentha verwies jedoch auf die von der BLS im August eingesetzte und vom Langnauer Gemeindepräsidenten und Ex-Grossrat Bernhard Antener (SP) geleitete Begleitgruppe, in der auch Grossräte Einsitz haben. Mentha plädierte dafür, diese Gruppe nun ihre Arbeit machen zu lassen.

Ein Aufruf, dem sich auch Bau- und Verkehrsdirektorin Barbara Egger (SP) anschloss. Die Begleitgruppe habe den Auftrag, das Projekt noch mal von Anfang an zu prüfen und möglichst alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Der Grosse Rat solle dies nun nicht «mit irgendeinem Zeichen stören», so Egger.

Gemeinsame Lösung mit SBB

Die Motionäre liessen sich überzeugen und wandelten schliesslich ihre Vorstösse in den wesentlichen Punkten in einen Prüfungsauftrag um. Als verbindlicher Auftrag bleibt noch die Forderung, die Regierung müsse mit SBB, BLS und allenfalls weiteren Bahnunternehmen Lösungen für eine Zusammenarbeit beim Unterhalt suchen.

Dies mit dem Ziel, dass kein Kulturland für den Bau einer Werkstätte verloren geht. Die BLS sucht deshalb einen neuen Standort, weil sie mit dem Ausbau des Bahnhofs Bern ab 2020 ihre S-Bahn-Werkstätte in der Aebimatte verliert.

Während das Bahnunternehmen in Bern-Riedbach den idealen Standort sieht, wehren sich Bauern, Umweltschützer und Parteien dagegen.

Die Begleitgruppe tagte erstmals Ende August. Laut Bernhard Antener sollen Mitte des nächsten Jahres die Ergebnisse vorliegen.

Berner Zeitung

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