Raiffeisen: Hypotheken für vier Milliarden in sechs Monaten

Raiffeisen vermeldet ein wachsendes Geschäft fürs erste Halbjahr – auch dank den übernommenen Teilen der Bank Wegelin. Das Geschäft mit Immobilienkrediten läuft prächtig.

Der Gewinn stieg um 14 auf 354 Millionen Franken: Raiffeisen-Filiale in Zürich. (Bild: Thomas Burla)

Der Gewinn stieg um 14 auf 354 Millionen Franken: Raiffeisen-Filiale in Zürich. (Bild: Thomas Burla)

Die Übernahme von Teilen der zerbrochenen St. Galler Privatbank Wegelin beschert den Raiffeisenbanken einen höheren Ertrag. Die nunmehrige Raiffeisen-Privatbankentochter Notenstein sorgt auch für deutlich höhere verwaltete Kundenvermögen und mehr Einnahmen im Kommissions- und Handelsgeschäft.

Raiffeisen übertraf mit einem Betriebsertrag von 1,36 Milliarden Franken das Vorjahresergebnis um 8,4 Prozent. Den grössten Beitrag lieferte wie immer das Zinsgeschäft mit 1,04 Milliarden Franken. Wegen der Tiefzinsen standen aber die Margen so unter Druck, dass die Steigerung gegenüber dem Vorjahr nur 0,1 Prozent betrug.

Dank der Notenstein-Übernahme stieg dafür im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft der Erfolg um 60,2 Prozent auf 188 Millionen Franken, im Handelsgeschäft um 50,4 Prozent auf 99 Millionen Franken. Wie Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz am Donnerstag verriet, kostete der Kauf der Privatbank Anfang Jahr rund 155 Millionen Franken.

Wegelin war im Januar zerbrochen, nachdem die Justiz in den USA mit einer Klage drohte. Über Nacht verkauften die Eigentümer der Bank, der Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen wird, das ausseramerikanische Geschäft an die Gruppe der regionalen Finanzinstitute.

Mehr Mitglieder

Inmitten der Wirren um die untergegangene Bank floss im ersten Halbjahr unter dem Strich rund 1 Milliarde Franken Kundengeld aus dem ausseramerikanischen Geschäft ab. Der Abfluss habe im Juni gestoppt werden können, sagte Vincenz.

21 Milliarden Franken blieben und trugen massgeblich dazu bei, dass die Raiffeisen-Gruppe Ende Juni 170 Milliarden Franken Vermögen verwaltete, ein Plus von 23,9 Milliarden Franken im Laufe des Halbjahres.

Zum Anstieg trugen über 40'000 neue Kunden bzw. 24'000 neue Genossenschafter bei. Ende Juni zählte die Gruppe 3,6 Millionen Kunden. Trotz des Notenstein-Kaufs, der den Anteil des Zinsengeschäfts am Ertrag der Gruppe von 83 auf 76 Prozent senkte, will Raiffeisen primär eine Bank für Kleinkunden und KMU bleiben.

Kein «billiger Jakob»

Dabei bleibt das Hauptgeschäft der Gruppe das Hypothekengeschäft. Im ersten Halbjahr vergaben die Banken Hausbaukredite von 3,7 Milliarden Franken und liessen den Hypothekenbestand auf 132 Milliarden Franken steigen. Insgesamt hatte die Gruppe Ende Juni 140 Milliarden Franken an Krediten ausstehend.

Dass die Gruppe bei diesem Betrag nur 13,5 Millionen Kreditverluste zu verbuchen hatte, ist für Pierin Vincenz ein Beweis für die Solidität des Geschäfts. Ohne verbreitete Befürchtungen vor einer Immobilienblase direkt anzusprechen, sagte er: «Wir versuchen nicht im Stil des billigen Jakobs, Volumen zu generieren.»

Im Gesamtjahr dürfte die Raiffeisen-Gruppe im Schweizer Hypothekengeschäft deutlich über dem Durchschnitt der Konkurrenz wachsen. Solange die Nachfrage nach Hypotheken anhalte, könne die Gruppe starke Wachstumszahlen vorlegen. Dies sei auch der Zuwanderung zu verdanken.

Beteiligungen drücken Gewinn

Auch wenn die Eingliederung der Ex-Wegelin-Privatbanker den Geschäftsaufwand erhöhte, gelang der Gruppe eine Steigerung des Bruttogewinns um 4,3 Prozent auf 521 Millionen Franken. Beim Reingewinn machten sich allerdings die Beteiligungen an der Zürcher Bank Vontobel und der Helvetia-Versicherungsgruppe bemerkbar.

Deren Buchwert sank per Ende Juni um 22 Millionen Franken. Somit muss Raiffeisen einen Reingewinn ausweisen, der mit 332 Millionen Franken um 2,2 Prozent unter dem Vorjahr liegt. Ohne diesen Effekt wäre der Gewinn um 4,3 Prozent auf 354 Millionen Franken gestiegen.

mw/sda

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