Plagiatsvorwürfe: Berner Schriftsteller muss vor Gericht

Bern

Anfang August wurde bekannt: Der Berner Urs Mannhart hat Motive für seinen Roman den Texten eines Kollegen entnommen, ohne dies angemessen zu deklarieren. Nun hat dieser den Fall vor Gericht gezogen.

Thomas Brunnsteiner (links), sieht seine Urheberrechte verletzt. Urs Mannhart (rechts), hat es versäumt, Quellen auszuweisen.

Thomas Brunnsteiner (links), sieht seine Urheberrechte verletzt. Urs Mannhart (rechts), hat es versäumt, Quellen auszuweisen.

Die Diskussion um Urheberrechtsverletzungen in Urs Mannharts Roman «Bergsteigen im Flachland», der diesen Frühling publiziert wurde, hat eine neue Wende genommen. Statt einer gütlichen Einigung laufen derzeit juristische Abklärungen. Der österreichische Reporter Thomas Brunnsteiner, der seine Urheberrechte verletzt sieht, hat mit seinem Anwalt gegen Urs Mannhart und dessen Verlag beim Zürcher Handelsgericht ein Gesuch um sogenannte vorsorgliche Massnahmen eingereicht.

Damit will er einen Auslieferungsstopp bewirken und weitere Lesungen zur Bewerbung des Buches verhindern, bis eine Einigung erzielt ist. Gestern reichte die Gegenpartei, vertreten durch den Berner Anwalt Willi Egloff, ihre Stellungnahme beim Gericht ein.

Vorwort genügt nicht

Das Angebot des Verlags, der bestehenden Auflage von Mannharts Buch ein Vorwort beizulegen und dieses in einen allfälligen Nachdruck zu integrieren, genügte Brunnsteiner nicht. «Ein solches Vorwort bietet Urs Mannhart nur eine weitere Plattform, sein Vorgehen zu rechtfertigen», sagt er. Brunnsteiner sieht sich als «Bestohlener». Für ihn müssten die Übernahmen aus seinen Reportagen detailliert ausgewiesen werden. Zudem müsste er aus den Verkäufen von Mannharts Buch entschädigt werden, denn: «Da wird meine Arbeit mitverkauft.»

Dass Mannhart Themen und Motive von Thomas Brunnsteiner übernommen hat, bestätigte dieser Anfang August öffentlich. Zudem entschuldigte er sich für sein «ihm unerklärliches Versäumnis», diese Quelle angemessen auszuweisen. Seither haben Mannhart und Brunnsteiner Listen mit Textvergleichen erstellt, bei Mannhart umfasst diese fünf A4-Seiten, bei Brunnsteiner 114 kurze Passagen, beide Listen ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Willi Egloff, Anwalt von Mannhart und dessen Verleger, sagt jedoch, von Abschreiben könne keine Rede sein. Mannhart habe Figuren wiederverwendet, sein Vorgehen sei aber keine juristisch belangbare Urheberrechtsverletzung.

Mit dem Schritt ans Gericht scheint eine gütliche Einigung vom Tisch. Ein Vorwort als Beilage gibt es bisher nicht. Sie stehe auch nicht mehr zur Diskussion, erklärt Mannharts Verleger Joachim Zepelin: «Wir werden nur noch allen eventuellen gerichtlichen Auflagen Folge leisten , sollte es welche geben.» Brunnsteiner hält dagegen, ein Auslieferungs- und ein Bewerbestopp würden erst die Voraussetzungen zu eigentlichen Verhandlungen schaffen. Das juristische Prozedere sieht eine Hauptklage vor.

Gütliche Einigung vom Tisch

Wann mit einem Entscheid gerechnet werden kann, ist offen. Branchentechnisch sinnvoll wäre ein Termin vor der Frankfurter Buchmesse Anfang Oktober. Was Mannhart, der sein Buch als Hommage an den Reporter verstanden wissen will, über die aktuelle Entwicklung denkt, ist nicht zu erfahren. Solange das juristische Verfahren läuft, darf er sich auf Anraten seines Verlegers nicht weiter äussern.

Berner Zeitung

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