Die Umfahrung mitten im Feld

Aarwangen

Im Dorfkern hofft man auf die Umfahrung. Etwas anders sehen es betroffene Land- und Waldbesitzer am Rand von Aarwangen. Etwa Thomas und Ursula Aeschlimann, deren Land am Moosberg die neue Strasse zerschneiden würde.

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Es ist ein Idyll, das so manchen Oberaargauer insgeheim reut: Ausgerechnet durch das urtümliche Landwirtschaftsgebiet zwischen Aarwangen Dorf und dem Weiler Meiniswil würde die neue Strasse führen, welche die verkehrsgeplagte Bevölkerung von Aarwangen dereinst von Lastwagen und unnötigem Durchgangsverkehr befreien könnte.

Der Erhalt dieser Landschaft ist denn auch eines der Hauptargumente, das die bislang ohnehin nur zögerlich auftretenden Gegner einer Umfahrungsstrasse ins Feld führen (wir berichteten).

Klar gegen den Bau der Strasse gemäss den aktuellen Plänen sind Ursula und Thomas Aeschlimann. Weil eine einzigartige Landschaft zerstört würde einerseits. Vor allem aber, weil eine Umfahrung für sie auch eine Wertverminderung im eigentlichen Sinn bedeutet: Die neue Strasse brächte für die Landwirte am Moosberg nämlich nicht nur Lärmimmissionen mit sich, sondern führte vom Rand des Banwalds auch mitten durch ihr Landwirtschaftsland zum Tunneleingang im Spichigwald. «Uns trifft es voll», sagt Aeschlimann.

Angst vor der Renaturierung

Vor zehn Jahren haben Aeschlimanns den Betrieb, den sie zuvor gepachtet hatten, gekauft. Gewehrt gegen die geplante Umfahrung haben sie sich schon im Rahmen der Mitwirkung zur Zweckmässigkeitsstudie 2007. Auch jetzt werde er alle Mittel auszuschöpfen versuchen, sagt Thomas Aeschlimann.

Nicht nur gegen die Strasse will er sich wehren, sondern auch gegen die vorgesehenen Renaturierungsmassnahmen. Auch diese würden zum grössten Teil ihn betreffen, erklärt der Landwirt. Die Umfahrung vertrage sich nur auf Kosten der Bauern mit dem dortigen Smaragdgebiet, hält Aeschlimann fest.

Er weiss: Gross sind seine Chancen nicht. «Dass der Verkehr aus dem Dorf herausgenommen werden soll, ist nachvollziehbar», räumt er ein. Entgegenkommen würde ihm aber bereits eine andere Linienführung.

Gemäss den heutigen Plänen würde ein Landstück von 2,5 Hektaren Fläche der Landwirte diagonal durchschnitten. Ein zweites von geringerer Grösse würde frontseitig beschnitten. «Letzteres ist weniger tragisch», sagt Thomas Aeschlimann. Die Zerstückelung der grossen Parzelle indes ist er nicht einfach hinzunehmen bereit.

Nicht ohne Realersatz. Doch den zu erhalten, dürfte im Falle von Aeschlimanns ohnehin schwierig werden. «Heute ist mein Land arrondiert, besser geht es gar nicht», erklärt der Landwirt. «Mir kann man die heutige Situation nur verschlechtern.»

Ersatz nicht zwingend

Ob es beim Bau der Umfahrungsstrasse überhaupt zum Landumlegungsverfahren käme oder zum blossen Landkauf ohne Umparzellierung, ist offen. Aktuell prüfe das Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons in einer Vorstudie, wie gross der für die Strasse notwendige Perimeter tatsächlich wäre und wie viel Wert die Parzellen haben, erklärt Projektleiter Daniel Zoller vom kantonalen Tiefbauamt.

Klarer sei die Ausgangslage beim Wald: «So viel Wald, wie gerodet wird, muss auch wieder aufgeforstet werden.» Betroffen wäre derzeit nur das Waldgebiet nördlich der Aare. Ansonsten verlaufe die Strasse, soweit oberirdisch, dem Waldrand entlang.

Keine wirtschaftlichen Konsequenzen hätte der Bau der Umfahrung insofern für Barbara und Martin Born vom Bannwiler Klebenhof, durch deren Wald die Strasse ab dem neuen Kreisel auf der heutigen Hauptstrasse auf die neue Aarebrücke führen würde. Allerdings: «Es tut weh wegen des Kulturlandverlusts anderer Landwirte. Und es ist schade um das gesamte Naherholungsgebiet vom Kleben bis hinüber ins Bützbergtäli, das durch eine Umfahrung beeinträchtigt würde», sagt die Bäuerin.

«Gegen die Strasse an sich werden wir wohl nichts machen können», zeigt Barbara Born Verständnis für die Probleme in Aarwangen – trotz Zweifeln, ob die Strasse die Verkehrsproblematik tatsächlich lösen würde. «Aber wir können zumindest versuchen, eine bessere Lösung zu bewirken.»

Berner Zeitung

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