1000 Jahre Bümpliz und ein Stadtfest – Berns Westen im Fokus

Bümpliz

Aus Armut wurde die selbstständige Gemeinde Bümpliz 1919 in die Stadt Bern eingemeindet. Viele Bümplizer bezeichnen ihren Stadtteil aber auch heute noch als Dorf.

Bümpliz gehört heute zur Stadt Bern, war jedoch bis 1919 ein eigenes Dorf.

Bümpliz gehört heute zur Stadt Bern, war jedoch bis 1919 ein eigenes Dorf.

(Bild: Stefan Anderegg)

Ralph Heiniger

Ins Dorf gehen. Das sagen manche alteingesessene Bewohner des Stadtteils Bümpliz, wenn sie in ihrem Quartier einkaufen, Freunde treffen oder einen trinken gehen. Bis 1919 war Bümpliz tatsächlich ein eigenes Dorf. Die Gebiete Bümpliz, Bethlehem, Bottigen und Riedbach gehörten zur Gemeinde Bümpliz. Es war die Armut, welche Bümpliz vor knapp 100 Jahren der Stadt Bern in die Arme trieb.

Die Einwohnerzahl von Bümpliz ist Anfang des 20.Jahrhunderts rasant gewachsen. Wegen der Industrialisierung zog es mehr und mehr Leute in die Stadt. Doch Bern konnte die Masse der Arbeitssuchenden nicht aufnehmen, viele von ihnen liessen sich deshalb in Bümpliz nieder.

Das kleine Bauerndorf war mit dem Bevölkerungswachstum finanziell überfordert. Nach dem alten Steuergesetz mussten nämlich viele der neuen Bümplizer an ihrem Arbeitsort, also in der Stadt Bern ihre Steuern bezahlen. Die Kosten für Strassen, Schulen, Gas- und Wasserleitungen stiegen explosionsartig. Im Gegensatz dazu stagnierten die Steuereinnahmen.

Zwischen 1882 und 1909 musste Bümpliz drei neue Schulhäuser bauen. Ein viertes war dringend notwendig, doch es fehlten die Mittel. Der letzte Gemeindepräsident von Bümpliz, Friedrich Messerli, wollte deshalb ein Darlehen aufnehmen. Doch die Bümplizer Stimmbevölkerung verweigerte ihm die Gefolgschaft und lehnte den Kredit ab.

Der Kanton griff ein

Da sah sich der Kanton Bern zum Eingreifen gezwungen. Zuerst wurden der Gemeinde Bümpliz einzelne Verwaltungsbefugnisse entzogen, dann ordnete der Regierungsrat eine Art Zwangsverwaltung an. Im Jahr 1914 leitete der Regierungsrat schliesslich das Verfahren zur Eingemeindung von Bümpliz in die Stadt Bern ein.

Bern wollte Bümpliz nicht

Doch die Berner Stadtregierung wollte die verarmte Braut aus dem Westen zuerst nicht heiraten. Oder zumindest nicht nur. Die Stadtväter wollten, dass auch andere Gemeinden, die ins geografische Gefüge der Stadt Bern passen würden, eingemeindet werden – namentlich Ostermundigen, Muri, Ittigen und Teile von Köniz.

Der Kanton zeigte sich dieser frühurbanen Vision eines Grossberns nicht abgeneigt. Der Regierungsrat verfügte aber, dass die Stadt zuerst die Hochzeit mit Bümpliz vollziehen muss. Sozusagen als ersten Schritt in einem grossen Eingemeindungsprojekt. Die Pläne von weiteren Gemeindeübernahmen blieben aber schliesslich auf der Strecke.

Am 28. und 29.September 1918 stimmten die Stadtberner der Eingemeindung von Bümpliz mit 7559 Ja gegen 2901 Nein zu. Eine Woche danach gaben auch die Bümplizer ihr Jawort (613 zu 17). «In aller Stille und ohne Begeisterung diesseits und jenseits» sei die Eingemeindung von Bümpliz am 1.Januar 1919 vollzogen worden, schrieb der Bümplizer Ortsarchivar Max Werren in der Schrift zum 90-Jahr-Jubiläum dieses Ereignisses.

Berner Zeitung

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