Ärztetarif: Krankenkassen loben, Spitäler tadeln

Der Vorschlag des Bundesrates zu den Ärztetarifen habe keine Nachteile für Patienten, heisst es bei Krankenversicherern. Spitäler hingegen bezeichnen die Pläne als problematisch.

In Arztpraxen und im ambulanten Bereich der Spitäler werden ärztliche Leistungen nach der Tarifstruktur Tarmed abgerechnet. Diese steht in der Kritik.

In Arztpraxen und im ambulanten Bereich der Spitäler werden ärztliche Leistungen nach der Tarifstruktur Tarmed abgerechnet. Diese steht in der Kritik.

(Bild: Keystone)

Für nächstes Jahr will der Bundesrat den Ärztetarif Tarmed anpassen und damit bei den Gesundheitskosten 700 Millionen Franken einsparen. Laut Curafutura sind das «gute Nachrichten» für die Prämienzahler. Die Vorschläge des Bundesrates seien ohne Nachteile für Patienten umsetzbar, hielt der Krankenversicherungsverband am Montag in einer Mitteilung fest. Die Prämienrunde 2018 könne so um zwei Prozentpunkte gedämpft werden.

Haus- und Kinderärzte dürften trotzdem mit einem leichten Plus rechnen. Bei Spezialärzten reduziere sich der Tarmed-Umsatz hingegen um durchschnittlich 5,6 Prozent. Laut Curafutura setzt der geplante Eingriff an der richtigen Stelle an, der Bundesrat demonstriere Entschlossenheit und der Verband unterstütze die Vorschläge uneingeschränkt.

Anreize beim Grauen Star

Ganz anders fällt die Reaktion von H+ aus. Der Vorschlag des Bundesrates sei «problematisch», hielt der Spitalverband am Montag vor den Medien fest. Man befürchte Einbussen in der Behandlungsqualität. Insbesondere in der Notfall-, der Alters- und der Kindermedizin sowie in der Psychiatrie müssten die Bundesratspläne überarbeitet werden. H+ befürchtet, dass sich die Ärzte sonst aus finanziellen Gründen nicht mehr genügend Zeit für ihre Patienten nehmen könnten.

Auch die Kantone haben sich in die Diskussion um Gesundheitskosten eingeschaltet. Weil die finanziellen Anreize falsch seien, würden die Spitäler Patienten zu oft über Nacht im Spital behalten, teilten sie am vergangenen Freitag mit. Das treibe die Gesundheitskosten in die Höhe. Die Kantone wollen nun die Verlagerung von stationären hin zu ambulanten Eingriffen vorantreiben.

Bereits im Juli soll etwa im Kanton Luzern eine Liste in Kraft treten mit Operationen, die Spitäler nur in Ausnahmefällen stationär durchführen sollen. Auf der Liste steht unter anderen die Operation des Grauen Stars. In der Schweiz werden aber heute schon 98 Prozent dieser Operationen ambulant durchgeführt. Möglicherweise setzt Luzern den Grauen Star präventiv auf die Liste: Der Bundesrat plant, bei diesem Eingriff die ambulanten Tarife deutlich zu senken.

Ambulante Pauschalen

Im ambulanten Bereich gilt der Ärztetarif Tarmed, im stationären Bereich hingegen rechnen Spitäler mit einem anderen System – mit Fallpauschalen – ab. Um Fehlanreize zu vermeiden, die durch die unterschiedlichen Tarifsysteme entstehen, fordert H+ nun die Einführung von spitalambulanten Pauschalen. Die Kantone befürworten eine solche Lösung. Sie haben am Freitag die Versicherer, Spitäler und Ärzte gar aufgefordert, ambulante Leistungen so rasch als möglich über Pauschalen abzuwickeln.

In einem sind sich Curafutura und H+ einig: Spitäler, Ärzte und Krankenkassen sollten sich gemeinsam um eine neue Tarifstruktur bemühen. Bisher sind diese Bemühungen gescheitert. Die Vorschläge des Bundesrats zur Tarmed-Anpassung sind noch bis 21. Juni in der Vernehmlassung.

Berner Zeitung

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