Nach dem Klimastreik nun die Demo

Bern

In einer von mehreren Schweizer Städten findet in Bern am Samstag eine Demonstration für bessere Massnahmen zu Klimaschutz statt.

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Im Dezember und Januar streikten in Bern Tausende Schülerinnen und Schüler, um ein Zeichen zu setzen für besseren Klimaschutz. Während diese beiden Streiks jeweils an einem Freitag stattfanden, steigen heute Samstag gleich in mehreren Schweizer Städten grossangelegte Demonstrationen: Von Basel, Genf bis Zürich. Auch in Bern (13 Uhr) und Biel (15 Uhr) gehen Menschen auf die Strasse.

Berner Klima-Schüler bringen Waisenhausplatz zum Erzittern

Schätzungsweise 1500 bis 2000 Personen haben am Samstag in Bern an einer von Schülern organisierten Klima-Kundgebung teilgenommen. Die Teilnehmer brachten im wahrsten Sinn des Wortes den Waisenhausplatz zum Erzittern.

Hüpfen und skandieren bei winterlichen Temperaturen: Der Auftakt zur Klimademo in Bern (Video: Jürg Spori)

Auf die Aufforderung eines der Organisatoren fassten sich die Teilnehmer nämlich an den Schultern, hüpften und skandierten "On est plus chauds, plus chauds, plus chauds que le climat!". Übersetzt heisst das "Wir sind heisser, heisser, heisser als das Klima." Der Boden zitterte, weil der Waisenhausplatz das Dach des unterirdischen Berner Metro-Parkings bildet.

Zur Kundgebung aufgerufen hatten Schüler, doch nahmen an der Demo Personen jeglichen Alters teil. Bewilligt war eine Platzkundgebung, doch machte sich der Grossteil der Teilnehmer nach der Kundgebung auf einen Marsch durch die Innenstadt. Es war bereits die dritte von Schülerinnen und Schülern organisierte Kundgebung für ernsthafte Schritte gegen den Klimawandel in Bern innert weniger Wochen. Am Samstag fanden in einem Dutzend Schweizer Städten von Schülern organisierte Klima-Demos statt.

Die Organisatoren orientieren sich am Vorbild der jungen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Lautstark marschieren die Demonstranten in Richtung der Berner Reitschule.

Nach der Versammlung auf dem Waisenhausplatz, marschieren die Demonstranten durch die Berner Altstadt. Schlussendlich landen sie vor der Reitschule in Bern, wo sich die Gruppe langsam auflöst.

Für autofreies Bern

An der Berner Kundgebung waren am Samstag Transparente zu sehen wie "Ich will mich nicht vor meinen Enkeln schämen" und "Mama, was isch ä Pinguin?" Ein Redner sagte, Klimaschutz bedeute auch Verzicht. Es könne nicht immer alles geben - für die Natur sei das normal.

Die Wirtschaft brumme auf Kosten der Natur. Wenn der Kampf gegen den Klimawandel nicht im jetzigen System gewonnen werden könne, brauche es einen Systemwechsel. Ein anderer Redner forderte, die Schweiz müsse den nationalen Klimanotstand ausrufen. Die Schweiz müsse bis 2030 das Ziel erreichen, null Treibhausgasemissionen auszustossen.

Eine weitere Rednerin forderte die Stadtberner Politik auf, noch viel stärker Umweltpolitik zu betreiben als heute. Es genüge nicht, "ein bisschen" die Velos zu fördern. Vielmehr müsse die Stadt Bern komplett autofrei werden. Das Geld, das Bern für die Tourismusförderung aufwende, solle in Solarzellen fliessen.

Im Internet formuliert die sogenannte Klima-Jugendbewegung ihre Forderungen folgendermassen:

  • Ausrufung des Klimanotstands: «Die Schweiz anerkennt die Klimakatastrophe als zu bewältigende Krise: Sie hat folglich auf die Krise zu reagieren die Gesellschaft folglich auch über diese Krise zu informieren.»
  • Null Treibhausgasemissionen bis 2030
  • Falls diesen Forderungen im aktuellen System nicht nachgekommen werden kann, braucht es einen Systemwandel.

Wie sich der spontane Schülerstreik zu einem organisierten Klimaschutz-Netzwerk entwickelte, haben Luca De Carli und Stefan Häne in diesem Artikel zusammengefasst (Abo+).

Alles zu den Klima-Demos auf Klima-Allianz.ch.

Sudanesen demonstrieren auf Casinoplatz

Schätzungsweise hundert Menschen versammelten sich am Samstag auch auf dem Berner Casinoplatz. An dieser ebenfalls bewilligten Demo drückten Exilsudanesen ihre Unterstützung aus für die aktuellen Proteste gegen das Regime von Staatschef Omar al-Baschir in Sudan.

Seit Mitte Dezember kommt es dort immer wieder zu Protesten. Auslöser war, dass der Brotpreis verdreifacht wurde. Sudan befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise. Hunderte von Menschen wurden während der Proteste festgenommen. Menschenrechtlern zufolge sind Dutzende bei Zusammenstössen mit Sicherheitskräften umgekommen.

jsp/mb

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