Niemand will Neymar? Wir helfen gern bei der Jobsuche

In Paris wird seine Mutter beleidigt, in Barcelona hat es keinen Platz – und Madrid schlägt auch nicht zu. Jetzt muss Neymar kreativ werden.

Muss seinen Fokus bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber erweitern: Neymar Junior.

Muss seinen Fokus bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber erweitern: Neymar Junior.

(Bild: Keystone)

Florian Raz@razinger

Es ist traurig. In Paris beleidigen die Fans die Mutter von Neymar Junior. So, als ob die Frau Mama schuld wäre an der verfahrenen Situation ihres Sohnes. Aber klar, in der französischen Hauptstadt beim katarischen Spielzeug PSG kann der Brasilianer nicht mehr bleiben.

In Barcelona hätten sie ihn zwar vielleicht gern. Aber brauchen können sie ihn eigentlich nicht wirklich. Und bei Real Madrid ist man immer noch damit beschäftigt, einen Abnehmer für den als leicht überteuert geltenden Gareth Bale zu finden.

Das Problem sind die recht hohen Unterhaltskosten, die Neymar mit sich bringt. Fast sieht es so aus, als ob sich der 27-Jährige aus dem Markt verabschiedet hat mit seinem Nettolohn von geschätzten 30 Millionen Euro im Jahr und der wahnwitzigen Ablösesumme von 222 Millionen, die die Pariser vor zwei Jahren nach Barcelona überwiesen haben.

Möglich also, dass Neymar seinen Fokus bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber etwas erweitern muss. Wir sind gern bereit, ihm zu helfen und präsentieren fünf ideale Positionen bei Schweizer Arbeitgebern:

1. Party-Boot-Captain auf dem Zürisee

Wie viele Fliegen würden da denn bitte mit einer Klappe geschlagen? Der Schweizer Tourismus macht im Jahr zwar rund 44 Milliarden Franken Umsatz. Aber wie lange noch, bevor uns der letzte Titlisgletscher wegschmilzt und das Matterhorn abbröckelt?

Eben! Die Schweiz muss dringend eine Image-Korrektur vornehmen. Weg vom Winterwunderland. Hin zum Paradies des ewigen Sommers.

Das Geld für Neymars Ablöse und den Lohn müsste Schweiz Tourismus also zusammenbekommen. Zumal die gesamte Lohnsumme viel tiefer ausfallen wird als im Hochsteuerland Frankreich, falls Neymar in Wollerau wohnt.

Für das Boot könnte man sicher auf den in Schwyz wohnhaften Klaus-Michael Kühne setzen. Dessen Firma Kühne + Nagel verdient ihr Geld als weltweit grösste Reederei ohne Schiffe. OHNE Schiffe? Also bitte sehr. Wenigstens eines müsste doch dringend ins Portfolio.

Ausserdem möchte Kühne sicher wenigstens einmal in seinem Leben Geld für einen richtig guten Fussballer ausgeben. Der Deutsche steckt sonst Millionen in den chronisch erfolglosen Hamburger SV.

Und dass Neymar das mit dem Party-Boot-Captain draufhat, davon gehen wir jetzt einfach mal aus.

2. Flugi-Botschafter für die Schweizer Armee

Die Schweizer Armee mag Flugzeuge. Neymar Junior mag Flugzeuge. Zehn Millionen Franken liess er sich 2015 seinen Privatjet kosten. Da müsste es ihm doch möglich sein, die Flugi-skeptische Bevölkerung der Schweiz ebenfalls für neue Kampfjets zu begeistern.

Bundesrätin Viola Amherd möchte gern sechs Milliarden Franken in die neuen Kampfjets stecken. Bedeutet: Zwei, drei Flieger weniger – und Neymars Grundkosten wären gedeckt. Und je schneller die Jets, desto schneller sind auch Neymars Kumpel in Bern, wenn den Brasilianer mal wieder das Heimweh plagt.

Zwei, drei Jets weniger für einen Neymar finden Sie zu viel? Wir sagen: Keine Kampfjets, weil die miesepetrige Stimmbevölkerung wieder Nein sagt, sind noch viel weniger.

3. SVP-Ständeratskandidat

Dass da noch niemand draufgekommen ist! Neymar wäre der perfekte Kandidat für die Schweizerische Volkspartei. Er findet Steuern bis zur Hinterziehung doof. Er ist ein Selfmademan. Ja, eigentlich ist er mit seiner ganzen Entourage ein kleiner Unternehmer.

Er fliegt mehr als die ganze Klimajugend zusammen, glaubt also vermutlich noch weniger an den Klimawandel als Roger Köppel. Auch in Sachen Absenzen kann er es locker mit dem Zürcher Nationalrat aufnehmen. Und schliesslich scheinen seine Instagram-Likes im Zusammenhang mit Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro darauf hinzuweisen, dass sich Neymar in der Politik als Rechtsaussen zumindest nicht unwohl fühlt.

Das «Wahlkampfbudget» und die «Spesen» dürften von Herrliberg oder der Ems-Chemie überwiesen werden. Einziges Problem: Neymar ist (noch) kein Schweizer. Selbst bei einer Schnellheirat mit Rahel Blocher reicht es erst auf die übernächste Legislatur hin.

4. Marketing-Mensch bei Novartis

Das Basler Unternehmen hat derzeit ein paar Probleme. Einerseits gibt es tatsächlich Menschen, die 2,1 Millionen Franken für eine einzige Behandlung mit der Gentherapie Zolgensma als etwas teuer erachten. Andererseits wird gemäkelt, weil Novartis ausgerechnet bei der Entwicklung dieses Medikaments ein paar wenige Daten manipuliert hat.

Etwas gute Publicity würde dem Medikamentenhersteller am Rhein also durchaus gut tun. Und ist irgendjemand fotogener verletzt als Neymar? Kann ein anderer derart telegen im Rollstuhl sitzen? Eben.

Die Bezahlung wird für Novartis kein Problem sein. Über 12 Milliarden Franken gibt die Firma schon heute für Marketing und Vertrieb aus. Da kommt es auf ein paar Hundert Millionen mehr oder weniger auch nicht mehr an.

Und wenn der FC Basel dann mal wieder Gefahr läuft, in der Qualifikation zur Champions League gegen Linz und Kunz auszuscheiden, könnte Novartis als Hauptsponsor des FCB Neymar vielleicht mal für knapp 90 Minuten entbehren.

5. Pushmeldungen-Sender bei 20 Minuten

Gut, da ist schon auch der Wunsch Vater des Gedankens. Aber wir stellen uns das so schön vor. Neymar erhält einen grossen, roten Knopf. Und immer um 12.15 Uhr, wenn Zürich in der Mittagspause ist, haut er vor den vor dem Tamedia-Gebäude versammelten Fans eine Pushmeldung raus: «Exklusiv! Gölä trennt sich von Trauffer: ‹In der Küche habe immer nur ich gebüezt.› – Diese Pushmeldung schickt Ihnen NEYMAR.»

Und das für nur rund das Doppelte unseres Tamedia-Konzerngewinns von 2018. In diesem Sinn: Meine Herren Verwaltungsräte, übernehmen Sie!

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt