Schlammschlacht, Sonnenbrand und Spektakel

Samstagnacht ist in Interlaken das Greenfield Festival zu Ende gegangen. Es war ein vielfältiges Openair, sowohl musikalisch, wie auch in Sachen Wetterbedingungen.

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Martin Bürki@tinubuerki27

Es war, als wollte Petrus die Besucher des diesjährigen Greenfield Festivals auf die Probe stellen: Liess er es am Mittwoch noch wie aus Kübeln regnen, verwandelte die brütende Sonne das Festivalgelände ab Donnerstagmittag in ein Treibhaus.

Viele Festivalgänger hatten ihr Zelt im Regen aufstellen müssen – und auch wenn dieses im Laufe der Woche wieder getrocknet wurde, der schlammige Untergrund, der ist bis zuletzt geblieben. «Der Stimmung tat der Regen keinen Abbruch, grosses Kompliment», sollten die Organisatoren später sagen.

Kalifornische Turnstunde

Denn obschon die Besucher vor dem Auftritt der Red Hot Chili Peppers (RHCP) richtig aufgeweicht sein mussten, flippten sie zum Sound der Kalifornier aus. Mit ihrer Energie steckten sie sogar die Cracks auf der Bühne an: RHCP-Bassist Flea legte spontan einen Handstand hin. Und 25'000 Rockfans schauten zu, womit das Greenfield von Anfang an auf Rekordkurs war.

An allen vier Tagen zusammengezählt waren 100'000 Personen auf dem Flugplatz in Interlaken. Die wiedergewonnene Vielfalt im Lineup verfehlte ihre Wirkung nicht. Waren im Vorjahr Bands aus dem Bereich Metalcore/Hardcore übervertreten, gabs heuer wieder für jeden etwas. Paradebeispiel ist der Freitag auf der Hauptbühne: Neue Deutsche Welle (Eisbrecher) folgte auf Punk (Anti-Flag), danach gabs rassigen Ska (NOFX), ehe die Viking-Metaller von Amon Amarth härtere Saiten aufzogen. Anschliessend rockten Billy Talent, Nightwish krönten den Tag mit bombastischen Melodien.

Finnisches Feuerwerk

Sowieso verdienen die Finnen von Nightwish eine besondere Erwähnung. Schon seit 1996 im Geschäft, sind sie alte Hasen, durchliefen nach der Trennung von Sängerin Tarja Turunen 2005 aber eine Schöpfungskrise. Nicht, dass Nightwish mit Nachfolgerin Anette Olzon keinen kommerziellen Erfolg gehabt hätte, aber die Harmonie war irgendwie futsch. Seit 2013 heisst die etatmässige Sängerin Floor Jansen.

Und am Greenfield stellte Jansen ihre Stimmgewalt unter Beweis. In ihrem Lederoutfit stand sie wie eine Amazone auf der Bühne, peitschte das Publikum an, meisterte sowohl die tiefen, als auch die Mehrheit der hohen Töne – an Turunen mit ihrer Ausbildung zur Opernsängerin kommt aber auch sie nicht ganz heran – und liess ihre lange Mähne im Kreis drehen, wenn die Band wieder einmal zu einem instrumentellen Intermezzo ansetzte. Komplettiert wurde das musikalische Feuerwerk mit einer Vielzahl pyrotechnischer Effekte. Ein bombastischer Auftritt, dem die anderen Headliner wie Volbeat oder The Prodigy das Wasser nicht reichen konnten.

Deutsche Fassungslosigkeit

Zu den erinnerungswürdigen Momenten gehören auch die schätzungsweise 20'000 Kehlen, die zu «Rose Tattoo» von den Dropkick Murphys mitsangen, der erfrischend mitreissende Italo-Punk von Talco oder wie selbst Obersprücheklopfer und Eisbrecher-Sänger Alex Wesselsky die Worte fehlten, als er eigens von der zwei Meter hohen Bühne runterkraxelte, um die Fans in der ersten Reihe zu «1000 Narben» mitsingen zu lassen – und niemand den Text kannte.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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