Gymnastik im Familienpack

Oberburg

Die ganze Familie Digirolamo turnt im Verein. Waren die Eltern einst selbst Meister, so helfen sie jetzt den nationalen Wettkampf zu organisieren. Und die Tochter kämpft um die Medaille.

Dynamisch: Benito, Madeleine, Dario, Riana und Franco Digirolamo (von links) machen sich fit für die Schweizer Meisterschaften im Vereinsturnen.

Dynamisch: Benito, Madeleine, Dario, Riana und Franco Digirolamo (von links) machen sich fit für die Schweizer Meisterschaften im Vereinsturnen.

(Bild: Thomas Peter)

Regina Schneeberger

Ein Foto, auf dem alle gleichzeitig vom Bänkli springen, mit Händen und Armen nicht die Gesichter verdecken und zugleich nett in die Kamera lächeln – gar nicht so einfach. Aber die Familie Digirolamo ist da unkompliziert, hüpft, was das Zeug hält. Auch Hund ­Balu gefallen die Turnübungen, ganz aufgeregt bellt er. Wäre der Mischling nicht an der Leine angebunden, würde er wohl gleich mitmachen.

Solche Übungen sind für die Familie keine grosse Herausforderung, sind oder waren sie doch alle Mitglieder des Turnvereins Oberburg. So ist jedes Familienmitglied auf die eine oder andere Weise in die Schweizer Meisterschaften im Vereinsturnen involviert. Diese organisiert nämlich der Turnverein Oberburg im kommenden Jahr. 3500 Turner und gegen 5000 Besucher werden erwartet. Für so viele Leute bieten die Sportplätze in der kleinen Gemeinde keinen Platz, darum werden die Schweizer Meisterschaften auf der Schützenmatte in Burgdorf durchgeführt.

Die grossen Wettkämpfe

Bis es so weit ist, dauert es aber noch eine Weile. Am 8. September 2018 fällt der Startschuss. Und bis dahin gibt es für die Familie Digirolamo einiges zu tun. Vater Franco ist im Organisationskomitee, viele Sitzungen warten in nächster Zeit auf ihn. Mutter Madeleine und Grossvater Benito sind als Helfer engagiert. Und Sohn Dario freut sich schon auf eines besonders: «Lösli verkaufen mache ich am liebsten», so der 13-Jährige.

«Damals haben wir wie verrückt trainiert.»Madeleine Digirolamo

In der ersten Liga mitturnen wird Tochter Riana. Die Gymnasiastin ist eine der Jüngsten in der Aktivriege. Viermal die Woche Training steht auf ihrem Plan. Und das Talent kommt nicht von ungefähr. Waren doch schon die Eltern bei den Aktivturnern. So haben sie den Schweizer-Meister-Titel in der Kleinfeldgymnastik viermal gewonnen. «Damals haben wir wie verrückt trainiert», sagt Mutter Madeleine. Nicht ohne Stolz zeigt sie die Abzeichen und Bilder. Auf einem Foto macht das Team eine Pyramide, trägt schwarze Turnkleider mit knallbunten Spickeln.

«Jedes Detail hat gezählt», so die 49-Jährige. Alles musste bis in die Fingerspitzen abgestimmt sein, sonst hätte das wertvolle Punkte gekostet. Ob die Erfolge von damals an der nächstjährigen Schweizer Meisterschaft wiederholt werden? «Kleinfeldgymnastik ist immer noch die Spezialität des TV Oberburg», sagt Vater Franco. Im Geräteturnen hingegen sei es heute viel schwieriger, einen Titel zu gewinnen, denn immer mehr würden sich die Sportler auf eine Disziplin spezialisieren, so werde die Messlatte immer höher angesetzt.

Tochter Riana hingegen ist polysportiv unterwegs. Fast alles, was die Gymnastik und das Geräteturnen zu bieten haben, gefällt der 15-Jährigen. «Nur Reckturnen mag ich weniger», sagt sie. Wichtig sei nebst dem Sport auch die Freundschaft. Viele Kolleginnen hat die Schülerin aus dem TV.

Freunde fürs Leben

Genauso schlossen die Eltern im Turnverein Bekanntschaften fürs Leben. «Ein Grossteil unserer Freunde sind heute noch die Aktivturner von damals», sagt Madeleine. In den 90er-Jahren sei die halbe Schule im Turnverein gewesen. Und viele davon seien jetzt in der Männerriege oder im Damenturnverein. Auch Franco und Madeleine. «Fast an jedem Abend ist jemand von uns in der Turnhalle», so der Vater.

Nur Grossvater Benito ist mittlerweile nicht mehr bei den Turnern. «Die Knie», sagt er. Bloss ruhig sitzen kann er aber nicht. Walken, Fahrrad fahren, Bewegung muss sein. Nun steht aber für die Familie eine Pause an. Mit dem Wohnwagen fahren sie quer durch Spanien und Portugal. Nur am Strand liegen und faulenzen ist aber nicht angesagt. Fahrradtouren und Joggingrunden stehen auf dem Programm. «Schliesslich muss ja der Hund bewegt werden», sagt Franco Digirolamo und lacht.

Berner Zeitung

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