UPC müht sich an der Swisscom ab

Der Wettbewerb im Schweizer Telecommarkt hat sich verschärft. Für Anbieter wie UPC wird die Lage ungemütlich. Das nährt Spekulationen um eine Fusion.

Die Lancierung des TV-Senders Mysports vor einem Jahr zahlte sich bislang für UPC nicht aus. Foto: Christian Merz (Keystone)

Die Lancierung des TV-Senders Mysports vor einem Jahr zahlte sich bislang für UPC nicht aus. Foto: Christian Merz (Keystone)

(Bild: Keystone)

Jon Mettler@jonmettler

Marktführerin Swisscom hat gestern die Ergebnisse fürs erste halbe Jahr vorgelegt. Erzrivale UPC hat die Zahlen vergangene Woche veröffentlicht. Das ermöglicht einen Vergleich zwischen den zwei Anbietern. Er zeigt: Der grösste Kabelnetzbetreiber der Schweiz ist bei den Anschlüssen für Telefonie, Internet und Fernsehen mit einem Kundenrückgang konfrontiert. Einzig im Mobilfunk und bei den Geschäftskunden konnte UPC neue Nutzer gewinnen. In der Folge ging der Umsatz per Ende Juni zurück.

Anders bei der Swisscom: Der blaue Riese meldet steigende Kundenzahlen bei Telefonie, Mobilfunk, Internet und TV. Der Umsatz nahm zu. Besonders deutlich zeigt sich das Buhlen um neue Abonnenten im Fernsehgeschäft. Hier knackte die Swisscom die Grenze der 1,5 Millionen Anschlüsse. Sie gewann innert Jahresfrist 54 000 neue Kunden dazu. Mit UPC schauen 1,1 Millionen Haushalte fern. Der Rückgang beträgt fast 100000 Haushalte.

Aus der Entwicklung der TV- Kundenzahlen lassen sich zwei Schlüsse ziehen. Der aggressive Einstieg im Frühling von Konkurrent Salt ins Festnetzgeschäft und damit auch in den Fernsehmarkt ist erstens aus Sicht der Swisscom kaum spürbar. Swisscom-Chef Urs Schaeppi bestätigt, dass die Wechselquote heuer tiefer sei als 2017.


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Zweitens verliert UPC quartalsweise TV-Kunden an die Swisscom. Der Kabelnetzbetreiber begründet dies mit dem intensiven Wettbewerb und dem Verlust seines Quasimonopols auf Fernsehanschlüsse in den Schweizer Haushalten. Der Rückgang habe sich im ersten Semester 2018 im Vergleich zu 2017 nicht beschleunigt und betreffe vorwiegend Kunden mit einem Grundangebot, sagt UPC-Sprecher Bernard Strapp.

Sport als Sahnehäubchen

Die Swisscom und UPC tragen den Wettbewerb im TV-Geschäft vor allem über ihr Sportangebot aus. Schaeppi verneint, dass die Swisscom wegen des kostenpflichtigen Sportangebots bei wechselwilligen Nutzern punktet. Der staatsnahe Betrieb setzt dabei auf Schweizer Fussball, währenddem sich UPC exklusiv die Fernsehrechte für Schweizer Eishockey gesichert hat. «Sportübertragungen sind das Sahnehäubchen. Entscheidend ist indes das Gesamtprodukt», sagt der Swisscom-Chef. Er meint damit die Ansprüche, welche die Kunden heute an digitales TV haben: eine einfach zu bedienende Plattform, zeitversetztes Fernsehen, das Abspeichern von Sendungen und der TV-Konsum auf mobilen Endgeräten wie Smartphone und Tablet.

Der TV-Markt ist für die Telecomanbieter zu einem Prestigegeschäft geworden. Vor knapp einem Jahr lancierte UPC den eigenen Sender Mysports, um einen sich abzeichnenden Kundenschwund zu stoppen. Es war eine Reaktion auf den Einstieg der Swisscom in den TV-Bereich. Diese Expansion hatte sich der Herausforderer mit Übertragungen von Schweizer Sport geebnet. Die Swisscom und UPC lieferten sich daraufhin einen kostspieligen Bieterwettkampf um die Sportrechte der Fussball- und Eishockeyligen. Zumindest für UPC scheint sich dieser bisher kaum ausgezahlt zu haben. Zuletzt hat das Unternehmen die Zahl von 50 000 zahlenden Kunden für Mysports publiziert. Jährlichen Einnahmen von 15 Millionen Franken stehen so geschätzte Ausgaben von allein 30 Millionen Franken pro Eishockeysaison für die TV-Rechte gegenüber. Die Kosten für Produktion und Personal sind demnach nicht mit eingerechnet.

Die Ausgangslage von UPC heizt die Spekulationen um einen Zusammenschluss mit Sunrise oder Salt wieder an. Laut Branchenkennern würde erst eine Fusion zwischen Sunrise und UPC dem neuen Unternehmen bedeutende Vorteile bringen, um den Marktführer Swisscom ernsthaft zu bedrängen. Der Chef der UPC-Muttergesellschaft Liberty Global trug vergangene Woche dazu bei, dass die Gerüchteküche brodelt. Gegenüber Analysten sagte Mike Fries, der Schweizer Telecommarkt habe eine «gewisse Konsolidierung» nötig. Sollten sich Gelegenheiten ergeben, werde Liberty Global diese prüfen.

Neue Chefin für UPC

UPC hat auf den schleppenden Geschäftsgang reagiert. Mit Severina Pascu hat das Unternehmen eine neue Chefin ernannt. Ab 1. September soll sie den Kabelnetzbetreiber auf die Erfolgsspur zurückführen. Weiter hat UPC am Dienstag mit Mysports One einen zweiten Sportsender aufgeschaltet, um auf die kommende Eishockeysaison hin neue Zielgruppen anzusprechen. Im Gegensatz zum kostenpflichtigen Mysports mit seinem kompletten Sportprogramm ist der neue Kanal ein Best-of-Sender.

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