Klee-Zentrum: Direktor hat genug von der Dachstiftung

Peter Fischer gibt sein Amt an der Spitze des Zentrums Paul Klee ab. Der Entscheid wirft ein schlechtes Licht auf die mit dem Kunstmuseum neu geschaffene Dachstiftung.

Habe den «idealen Zeitpunkt» für den Rücktritt gefunden. Noch-ZPK-Direktor Peter Fischer.

Habe den «idealen Zeitpunkt» für den Rücktritt gefunden. Noch-ZPK-Direktor Peter Fischer.

(Bild: Stefan Anderegg)

Oliver Meier@mei_oliver

So klingt ein Mann mit Plänen. Anfang Mai gab Peter Fischer der Berner Zeitung ein längeres Interview. Er sprach von der Weiterentwicklung des Zentrums Paul Klee (ZPK), von seiner Idee, der Gegenwartskunst mehr Raum zu geben – «nach dem Vorbild der Tate Modern» in London. Und er machte keinen Hehl daraus, dass er eine gemeinsame künstlerische Leitung mit dem Kunstmuseum bevorzugen würde.

Fischer sagte aber auch: «Ich arbeite hier, solange ich im vorhandenen Rahmen etwas Interessantes und aus meiner Sicht Sinnvolles machen kann.» Nun ist das offenbar nicht mehr der Fall. Am Mittwoch wurde per Communiqué Fischers Rücktritt auf Ende Februar 2016 bekannt gegeben – und er selbst mit den Worten zitiert: «Ein idealer Zeitpunkt für meinen Rücktritt.»

Konsequenzen gezogen

Was ist geschehen? Vieles spricht dafür, dass der Direktor mit seinen Ideen letztlich aufgelaufen wäre und nun frühzeitig die Konsequenzen gezogen hat. «Ich gehe ohne Verbitterung, denn ich kann auf vier unvergleichliche Jahre zurückblicken. Nun mache ich Platz für neue Kräfte», sagt Fischer auf Nachfrage. Aber er sagt auch: «Ich mag die Geduld, die dieser neue Annäherungsprozess naturgemäss verlangt, nicht mehr aufbringen. Dass der Prozess anders gelaufen ist, als ich es mir wünschte, weiss ich aber schon zu akzeptieren.»

Schwierige Annäherung

Anfang Juli hat die neue Dachstiftung von Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee ihre Arbeit aufgenommen. Dass die Annäherung der beiden Institutionen eine harzige, um nicht zu sagen garstige Angelegenheit werden würde, war zu erwarten. Doch laut Insidern gestaltet sich das Zusammenrücken noch schwieriger als bei der Fusion von Stadttheater und Symphonieorchester.

Derzeit werden im neuen Dachstiftungsrat die künftige Strategie und die Struktur der Institutionen erarbeitet – sie sollen Anfang 2016 vorgestellt werden. Ein Blick auf die Zusammensetzung des neuen Stiftungsrats macht deutlich, dass Fischer damit rechnen musste, einen schweren Stand zu haben: Das Klee-Zentrum ist einzig mit Alexander Klee, dem Enkel des Malers, sowie zwei Mitgliedern der Stifterfamilie Aebi-Müller vertreten, die mit dem Direktor über die Ausrichtung des Zentrums uneinig sind.

Und Ex-Postchef Jürg Bucher, der Präsident der Dachstiftung, hat nicht den Ruf, besonders kulturaffin zu sein. Bucher «bedauert im Namen der Stiftung den Rücktrittsentscheid». Erst vor kurzem hat er in dieser Zeitung viel Optimismus verbreitet. Einen Kulturunterschied der beiden Museen spüre er nicht, die Vertreter begännen jetzt, sich in das jeweils andere Haus hineinzudenken. «Das macht den Leuten Spass.»

Wie passt Fischers Abgang dazu? Bucher spricht von einem «ganz normalen Prozess»: «Die strategischen Weichen werden neu gestellt. Ich finde es absolut verständlich, dass sich Peter Fischer Gedanken über seine Zukunft gemacht hat.» Über die Nachfolge kann und will sich Bucher nicht konkret äussern. «Zunächst gilt es, die strategischen und strukturellen Entscheide zu treffen. Erst dann werden die personellen Fragen geklärt.»

Künftig freischaffend?

Bis Februar 2016 wird Fischer noch die Ausstellung «About Trees» realisieren und das mit dem Kunstmuseum lancierte Projekt «Chinese Whispers» vorantreiben. Und danach? Er mache sich keine Sorgen um seine Zukunft, sagt Fischer. «Ich bin gut vernetzt und verfüge über einen grossen Erfahrungsschatz.» Im Moment stehe eine Tätigkeit als Freischaffender im Vordergrund. Wie sagte er Anfang Mai im Interview? «Ich werde nächstes Jahr sechzig, da mach ich nur noch Sachen, hinter denen ich voll stehen kann.»

Berner Zeitung

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